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Welt

"Humanitäre Hilfe ist grenzenlos"

Eine Woche war Raphael Marcus als humanitärer Helfer in Nepal im Einsatz. Er hat schwierige Koordination erlebt, aber auch Momente grenzenloser Hilfe.

DW: Herr Marcus, sie sind für die deutsche Hilfsorganisation Humedica kurz nach dem Erdbeben nach Nepal geflogen, um dort Hilfe zu leisten und nun wieder zurück in Deutschland. Gab es bei ihrem Einsatz ein Ereignis, dass Sie besonders beeindruckt hat?

Nepal Erdbeben Hilfsgüter aus Pakistan

Hilfe für Nepal aus dem muslimischen Pakistan

Raphael Marcus: Als ich in Nepal gelandet war, habe ich auf dem Flughafen ein pakistanisches und ein israelisches Militärflugzeug nebeneinander stehen sehen. Die Besatzungen halfen sich gegenseitig, die Hilfsgüter auszuladen. Das hat für mich wieder gezeigt, dass humanitäre Hilfe grenzenlos ist. Dass Leute aus unterschiedlichen Ländern, egal welche diplomatischen Beziehungen sie haben, miteinander arbeiten. Das war ein sehr schönes Bild und das hat sich im Laufe der Woche in vielen anderen Beispielen bestätigt.

Sie waren in den vergangenen sechs Jahren in unterschiedlichsten Ländern als Koordinator für humanitäre Hilfe. War der Einsatz nach dem Erdbeben in Nepal etwas Besonderes?

Nepal Erdbeben Hilfe aus Israel

Auch Israel schickte Helfer nach dem Erdbeben

Jede Katastrophe ist immer anders und speziell. Für Nepal stechen einige Sachen hervor. Zum einen sind die Menschen sehr schwer zu erreichen, da die zerstörten Orte sehr abgelegen liegen. Das heißt, man muss per Hubschrauber hin oder zu Fuß laufen. Zum anderen ist Nepal ein Land, wo sich viele Touristen aufhalten. Die Reaktion im Ausland auf das Erdbeben hat sich deshalb von anderen Katastrophen unterschieden. Es gab viel mehr Hilfe. Ein dritter Aspekt ist die Koordinierung in Nepal. Die ist kompliziert, weil man mit viel mehr Hilfsorganisationen zu tun hat.

Ist das große internationale Interesse an Nepal eher ein Vor- oder ein Nachteil für die Hilfe im Land?

Das ist ein Vorteil, solange man es schafft, die Sache zu kontrollieren.

Haben Sie den Eindruck, dass das in Nepal geglückt ist? Oder stimmen die Medienberichte, dass die Koordination der Hilfe nicht klappt?

Ich konnte noch nicht alle Medienberichte durchlesen. Aber zu sagen, es sei nicht geglückt, empfinde ich als falsch. Optimal läuft die Koordination jedoch auch nicht.

Woran liegt das?

Es liegt zum einen in der Natur eines Erdbebens. Aber die humanitären Helfer lernen auch mit jedem Einsatz und es verbessert sich von mal zu mal. Das ist ein Erfolg.

Was hat Humedica bislang beitragen können, um den Menschen nach dem Erdbeben in Nepal zu helfen?

Raphael Marcus Mitarbeiter der Hilfsorganisation Humedica

Raphael Marcus war für eine deutsche Organisation in Nepal

Wir haben auf zweierlei Ebene Hilfe geleistet. Wir haben mehr als zehn Mediziner vor Ort. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das nepalesische Gesundheitsministerium haben Humedica eine Region östlich der Hauptstadt Kathmandu zugewiesen, um dort in einem Tal Menschen medizinisch zu betreuen. Das war zu Anfang schwierig, weil wir drei Stunden dorthin laufen mussten. Aber nun versorgen Teams von je drei Fachleuten in Zelten nahe zerstörter Gesundheitsstationen viele Patienten. Zum zweiten koordinieren wir in Zusammenarbeit mit der WHO und dem Gesundheitsministerium die verschiedenen medizinischen Teams, die aus dem Ausland kommen. Wir haben aber auch noch Kapazitäten, falls es zum Ausbruch von Cholera oder anderen Krankheiten kommen sollte.

Besteht denn die Gefahr, dass solche Seuchen wie etwa Cholera jetzt in Nepal ausbrechen?

Die Gefahr besteht auf jeden Fall. Auch dass es zu normalen Durchfallerkrankungen kommt, die unter den Bedingen vor Ort schwerwiegende Folgen haben können. Die Gefahr von Cholera besteht zudem, da diese Krankheit in Nepal vorhanden ist. Es regnet sehr viel im Moment und die Leute leben draußen, deshalb ist die Gefahr gegeben.

Was für eine Art der Hilfe braucht Nepal in naher Zukunft?

Die Priorität liegt nicht mehr auf Rettungseinsätzen aus den Trümmern nach dem Erdbeben. Die Menschen müssen wieder in Häusern oder mindestens in Zelten untergebracht werden. Gerade Zelte werden weiterhin dringend gebraucht. Weiter ist die Versorgung mit sauberem Wasser und Nahrungsmitteln nötig. Nepal kommt dem Bedarf nicht hinterher, weil nicht genügend Hubschrauber vor Ort sind. Aber vollem ist wichtig, die lokalen Kapazitäten zu stärken, um so sicher zu stellen, dass das Land sich wieder aufbauen kann und vielleicht sogar in einen besseren Stand kommt als vor dem Erdbeben.

Raphael Marcus, 33 Jahre, hat Public Health und Desaster Management studiert. Allein in den vergangenen zwölf Monaten war er in Malawi, Äthiopien Liberia und der Zentralafrikanischen Republik im Einsatz, um dort humanitäre Hilfe zu leisten.