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Afrika

Humanitäre Helfer wegen Kindesentführung angeklagt

Für die Mitarbeiter der Organisation L'Arche de Zoé wird es jetzt ernst: Sie werden wegen Kindesentführung angeklagt. Dass die Kinder, die sie nach Frankreich ausfliegen wollten, tatsächlich Waisen sind, ist fraglich.

Mitarbeiter von L'Arche de Zoé in Handschellen (26.10.2007, Quelle: AP)

Müssen sich jetzt vor Gericht verantworten: Mitarbeiter von L'Arche de Zoé

Wegen des Versuchs, mehr als 100 Kinder aus der sudanesischen Krisenregion Darfur zu entführen, werden im Tschad sechs Franzosen angeklagt. Zudem solle ihnen wegen Betrugs der Prozess gemacht werden, sagte der tschadische Kommunikationsminister, Hourmadji Moussa Doumgor, am Dienstag (30.10.2007). Ihnen drohen einem Staatsanwalt zufolge fünf bis 20 Jahre Arbeitslager. Sieben Spaniern und zwei Tschadern wird Beihilfe zu diesen Straftaten vorgeworfen.

Kinder in einem Waisenhaus im Tschad (26.10.2007, Quelle: AP)

Kinder in einem Waisenhaus im Tschad

Die Beschuldigten waren am vergangenen Donnerstag bei dem Versuch festgenommen worden, die angeblichen Waisenkinder nach Europa auszufliegen. Zu den Angeklagten gehören Mitarbeiter der Pariser Hilfsorganisation L'Arche de Zoé, mindestens zwei französische Journalisten und sieben Besatzungsmitglieder eines Charterflugzeugs, mit dem die Gruppe ausreisen wollte.

Aus tschadischen Justizkreisen verlautete am Montag, die Verdächtigen sollten nach einer Anklage in Abéché aus Sicherheitsgründen in die 700 Kilometer weiter westlich gelegene Hauptstadt N'Djamena verlegt werden. Zudem gebe es in Abéché kein geeignetes Gericht. Ob auch gegen zwei der Beihilfe verdächtigte Tschader Anklage erhoben wurde, blieb zunächst unklar. Eine Anklage droht zudem einem belgischen Piloten, der einige der Kinder von der tschadisch-sudanesischen Grenze nach Abéché geflogen hatte. Er befindet sich seit Sonntag in Polizeigewahrsam in N'Djamena.

Schwerste Vorwürfe vom Präsidenten

Der tschadische Präsident Idriss Deby hatte "harte Strafen" für die Verantwortlichen des versuchten Kindertransports angekündigt. Er unterstellte den Mitarbeitern von L'Arche de Zoé, sie hätten die Minderjährigen möglicherweise an Kinderschänder in Europa verkaufen oder sie töten wollen, um mit ihren Organen zu handeln. L'Arche de Zoe hat diese Vorwürfe zurückgewiesen. Die Organisation habe nur Kindern aus der sudanesischen Krisenregion Darfur ein besseres Leben in Europa verschaffen wollen. Darfur grenzt an den Tschad. Die französische Sektion des Weltkinderhilfswerks (UNICEF) stellte diese Aussage in Frage. Man habe die Kinder in Abéché im Osten des Tschads aufgesucht und festgestellt, dass mindestens 48 von ihnen höchstwahrscheinlich aus dem Tschad stammten, hieß es von UNICEF. Außerdem seien nicht alle Waisenkinder.

Tausende Euro für Adoptionen

Der tschadische Präsident Idriss Deby in einem Kinderheim (26.10.2007, Quelle: AP)

Der tschadische Präsident Idriss Deby wirft der Organisation schwere Verbrechen vor

Die Drei- bis Zehnjährigen sollten in Gastfamilien unterkommen, die pro Kopf mehrere tausend Euro bezahlt hatten. L'Arche de Zoé hatte zunächst von Adoptionen gesprochen, den Begriff dann aber fallengelassen, weil diese weder im Sudan noch im Tschad legal sind.

Am Montag befragten humanitäre Helfer weiter die Kinder in Abéché, um deren familiäre Situation herauszufinden. "Wir denken immer mehr, dass es keine Waisen sind", sagte die UNHCR-Sprecherin Annette Rehrl. "Aber wir müssen das in den Dörfern prüfen." Einige der mutmaßlichen Waisen hätten ausgesagt, dass ihre Eltern noch am Leben seien. Sie seien mit dem Versprechen von Süßigkeiten und Keksen aus ihren Dörfern im Grenzgebiet zwischen dem Tschad und dem Sudan gelockt worden.

Sarkozy: "rechtswidrig und inakzeptabel"

Die französische Regierung hat die Aktionen der Gruppe wiederholt verurteilt. Präsident Nicolas Sarkozy hatte den tschadischen Staatschef Deby am Sonntag angerufen und sich deutlich von L'Arche de Zoé distanziert. Er bezeichnete das Vorgehen der Organisation als "rechtswidrig und inakzeptabel". Deby versicherte dem französischen Präsidenten seinerseits, dass die anstehende Militärmission der EU im Tschad durch den umstrittenen Einsatz der Hilfsorganisation nicht in Gefahr sei, wie die französische Staatssekretärin im Außenamt, Rama Yade, im Radio sagte. Die französische Justiz ermittelt gegen L'Arche de Zoé wegen des Verdachts auf die rechtswidrige Vermittlung von Adoptionen.

Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos verurteilte jeglichen Kinderhandel, nahm aber seine Landsleute in Schutz. Spanien lehne selbstverständlich jeden Handel mit Kindern ab, sagte Moratinos am Montag. Er hoffe jedoch, dass die beschuldigten Spanier, "die am Ende der Kette standen und für den Transport zuständig waren", nicht dafür verantwortlich gemacht würden und schnellstmöglich heimkehren könnten. Die spanische Regierung werde ihre Landsleute schützen und sich für die Wahrung der Unschuldsvermutung einsetzen. (mg)

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