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Politik

Humanitäre Helfer als Zielscheibe

Die Arbeit von Hilfsorganisationen wird immer gefährlicher. Private Sicherheitsfirmen sehen darin einen Markt für sich. Doch die meisten Helfer warnen: Ein Engagement solcher Firmen mache alles nur noch schlimmer.

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Ist bewaffneter Schutz für humanitäre Helfer sinnvoll?

Margaret Hassan, leiterin der Hilfsorganisation CARE im Irak, die am 19. Oktober entführt wurde

Margaret Hassan, Leiterin der Hilfsorganisation Care im Irak, vor ihrer Entführung

Die Entführung der Leiterin für den Irak der Hilfsorganisation Care, Margret Hassan, ist ein weiterer Schock für die internationalen Hilfsorganisationen weltweit. Noch frisch ist die Erinnerung an das Entführungsdrama der italienischen Helferinnen, die Anfang Oktober 2004 im Irak verschleppt worden waren. Ob es auch im Fall der 59-jährigen Britin, die seit 30 Jahren im Irak tätig ist, ein gutes Ende geben wird, ist mehr als ungewiss. Am Freitag (22.10.2004) strahlte der arabische Fernsehsender "Al-Dschasira" Ausschnitte eines von den Entführern aufgezeichneten Videos aus. Die Bilder sind beklemmend und lassen den Zuschauer hilflos zurück. Von Weinkrämpfen geschüttelt, fleht darin Hassan um ihr Leben.

Der Fall ist ein neuer finsterer Höhepunkt eines eindeutigen Trends: Humanitäre Helfer werden immer häufiger selbst zur Zielscheibe, nicht nur im Irak. Ende August 2004 wurden in der Krisenregion Darfur im Westsudan mehrere Helfer entführt. Als besonders gefährlich gilt Afghanistan. Ende Juli starben dort fünf Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, kurz darauf wurden bei einem Überfall im Südosten Afghanistans zwei örtliche Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes getötet.

Lokale Helfer weiter vor Ort

Ärtze ohne Grenzen ziehen sich aus Afghanistan zurück

Ärzte ohne Grenzen zog sich nach dem Anschlag auf ihre Mitarbeiter nach über 20 Jahren aus Afghanistan zurück.

Inzwischen haben die meisten Hilfsorganisationen ihre ausländischen Mitarbeiter aus dem Irak abgezogen. Das führt gewöhnlich zu einem großen Medienecho. Übersehen wird dabei jedoch, dass die örtlichen Helfer, die häufig die meiste Arbeit verrichten, weiterhin mit der Gefahr leben müssen. "Wir arbeiten ausschließlich mit lokalen Partnern im Irak zusammen. Die können da nicht weg, das sind Iraker, die leben schließlich da", sagt Katja Maurer von Medico International in Frankfurt/Main. Auch andere Organisationen wie Caritas International, die Diakonie, das Internationale Rote Kreuz oder Christian Aid arbeiten so und verzichten weitgehend auf die Entsendung ausländischer Helfer. "Der Tod von lokalen Helfer ist den internationalen Medien häufig aber keine Schlagzeile wert", so Maurer zu DW-WORLD. Anfang des Jahres starben vier Mitarbeiter einer Partnerorganisation von Medico in Afghanistan. Deutsche Medien berichteten kaum darüber.

Die gestiegene Gewalt gegen Hilfsorganisationen führen Experten vor allem darauf zurück, das humanitäre Helfer von Konfliktparteien nicht mehr als neutrale Akteure wahrgenommen werden. "Der beste Schutz für unsere Mitarbeiter ist eigentlich unser Emblem - das rote Kreuz", sagt Claude Voillat vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) im Gespräch mit DW-WORLD. Dem internationalen humanitären Völkerrecht liegt der Grundsatz zugrunde, dass humanitäre Hilfe immer nur der Linderung der Not von Menschen dient und niemals der Durchsetzung von politischen Zielen. Das rote Kreuz symbolisiert die Unparteilichkeit und Neutralität der Organisation. "Wir setzen immer auf Verhandlung mit den Konfliktparteien und verzichten grundsätzlich auf bewaffneten Begleitschutz", so Voillat.

Grenzen zwischen Militär und Hilfe verwischt

Private Militärberater in Saudi Arabien

Private Militärberater in Saudi Arabien

Dieses Prinzip beherzigen die meisten internationalen Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Caritas International, Oxfam oder Christian Aid. Allerdings gibt es mehr und mehr Organisationen, die verstärkt mit dem Militär zusammenarbeiten. An der Speerspitze steht die staatliche US-Entwicklungshilfeorganisation USAID, die ihre Mitarbeiter durch das Militär und private Sicherheitsfirmen schützen lässt. Im Irak wurde dazu das Sicherheitsberatungs-Unternehmen Kroll aus New York unter Vertrag genommen. Laut der britischen Zeitung "Financial Times" engagierte die Firma dafür extra einen ehemaligen Offizier der britischen Spezialeinheit SAS.

Insgesamt 20.000 Mitarbeiter von privaten Sicherheits- und Militärfirmen sollen sich im Irak aufhalten. Die meisten stehen bei der US-Regierung unter Vertrag, sorgen für die Logistik der US-Truppen oder kümmern sich um die Sicherheit von Ölfeldern und Regierungsgebäuden. Einige dieser Firmen sehen laut Voillat einen Markt darin, dass der Einsatz für Hilfsorganisationen in Krisenregionen immer gefährlicher wird. "Wir haben in der Tat festgestellt, dass einige Hilfsorganisationen vermehrt private Sicherheitsfirmen nutzen um die Sicherheit ihrer Operationen zu gewährleisten."

Größte Sorge der humanitären Helfer

Ein wichtiges Geschäftsfeld ist dabei das Sicherheitstraining von Mitarbeitern. Die britischen Firmen Centurion Risk oder Armorgroup haben sich darauf spezialisiert. In dieser Dienstleistung sehen die meisten Hilfswerke kein Problem. Der IKRK-Experte Voillat schließt jedoch einen bewaffneten Begleitschutz durch solche Firmen aus. In solchen Fällen würden die Grenzen zwischen humanitärem und militärischem Handeln verwischt. "Dieser Trend bereitet momentan der humanitären Welt eine der größten Sorgen", so Voillat. (Siehe anhängendes Interview)

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