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Politik

Humanitäre Arbeit immer gefährlicher

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hat ihren Jahresbericht für 2008 vorgelegt. Die Spenden haben zugenommen. Gleichzeitig sind aber die Gefahren für die Helfer vor Ort gestiegen.

Wartende in Darfur (Foto: AP)

Im Sudan warten Hunderttausende auf ärztliche Hilfe

Tankred Stöbe, der Vorstandsvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen (Foto: dpa)

Tankred Stöbe, Vorstandsvorsitzender von "Ärzte ohne Grenzen"

Im letzten Jahr sei das Spendenaufkommen in Deutschland um 28 Prozent gestiegen, die meisten Zuwendungen seien von privaten Spendern gekommen, sagte der Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion von "Ärzte ohne Grenzen", Tankred Stöbe, in Berlin. Die internationale Hilfsorganisation, die über nationale Sektionen in 24 Ländern verfügt, sei in 65 Ländern aktiv gewesen. Aus Deutschland seien im letzten Jahr mehr als 300 Mitarbeiter entsandt worden - Ärzte, Pfleger, Hebammen und nicht medizinisches Personal.

Sicherheitslage verschlechtert

In vielen Einsatzländern habe sich die Sicherheitslage auch für die Helfer dramatisch verschlechtert. "Wir sehen in den letzten Jahren einen deutlichen Zuwachs an Sicherheitszwischenfällen", sagte Stöbe. Dabei handele es sich nicht um kleine Zwischenfälle, sondern um Fälle extremer Gewaltanwendung wie Entführungen und gar Tötungen.

Vor allem lokale Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" seien davon betroffen. So wurden in Pakistan im letzten Februar zwei junge pakistanische Mitarbeiter bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Taliban getötet. "Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort", erklärte der Geschäftsführer von "Ärzte ohne Grenzen", Frank Dörner. Obwohl man als einzige internationale Organisation medizinische Hilfe geleistet habe, musste man sich daraufhin aus dem umkämpften Swat-Tal zurückziehen.

Frank Dörner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland (Foto: Ärzte ohne Grenzen)

Frank Dörner, Geschäftsführer von "Ärzte ohne Grenzen"

In Pakistan würden Nichtregierungsorganisationen oft mit westlicher Politik in Zusammenhang gebracht. Schon der Begriff Nichtregierungsorganisation sei negativ besetzt. "Ärzte ohne Grenzen" bezeichne sich daher in Pakistan als private medizinische Hilfsorganisation und finanziere seine Projekte ausschließlich aus Spendengeldern.

Dramatische Lage im Sudan

Auch im Sudan haben die Nichtregierungsorganisationen nach dem internationalen Haftbefehl gegen Präsident Omar Bashir einen schweren Stand. In der Krisenregion Darfur wurden 13 Hilfsorganisationen ausgewiesen, darunter die niederländische und die französische Sektion von "Ärzte ohne Grenzen". "Wir sind sehr besorgt über das Schicksal von Hunderttausenden, die auf die Hilfe von außen angewiesen sind", betonte Stöbe. Die sudanesische Regierung habe "Ärzte ohne Grenzen" fälschlicherweise beschuldigt, mit dem internationalen Strafgerichtshof zusammenzuarbeiten. Das sei falsch. "Ärzte ohne Grenzen" leite keinerlei Informationen an den Internationalen Strafgerichtshof weiter. "Wir arbeiten in allen Einsatzländern unabhängig, neutral und unparteiisch."

Zwei Kinder in einem Flüchtlingslager in Gereida in der sudanesischen Provinz Darfur (Foto: dpa)

Zwei Kinder in einem Flüchtlingslager in Gereida in der sudanesischen Provinz Darfur


Nach der Ausweisungsverfügung durch die Regierung in Khartum sei "Ärzte ohne Grenzen" in Darfur nur noch an fünf Orten tätig. 400.000 Menschen blieben ohne medizinische Versorgung. Doch nicht nur in Darfur sei die Lage angespannt. Auch im Südsudan, einer Region, die seit 2005 als Friedensgebiet gelte, sei die medizinische Versorgung miserabel. "Ich war letztes Jahr zweimal im Südsudan und habe dort im Oktober in einem Cholera-Epidemie-Zentrum gearbeitet", berichtete Vorstandschef Stöbe. Man habe hunderte Cholera-Patienten behandelt, die ohne diese Hilfe gestorben wären. "Die medizinische Not im Südsudan ist mindestens vergleichbar mit der in Darfur", so das Fazit.

Autorin: Bettina Marx
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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