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Syrien-Krieg

Human Rights Watch prangert Giftgaseinsatz bei Schlacht um Aleppo an

Einer Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge setzte die syrische Regierung beim Kampf um Aleppo systematisch Chlorgas ein. Bei den Attacken seien mindestens neun Zivilisten getötet worden.

Aleppo Evakuierung (Reuters/O. Sanadiki)

Schon vor der Einnahme Aleppos Ende Dezember warfen Zivilisten Regierungstruppen der Einsatz von Chlorgas vor

Der Tod kam per Hubschrauber: Zwischen dem 13. November und dem 17. Dezember 2016, in der Endphase der Schlacht um Aleppo, verübte die syrische Armee einem Bericht von Human Rights Watch (HRW) zufolge mindestens acht Giftgasangriffe in der umkämpften Stadt. Nach HRW-Angaben sind unter den neun dabei getöteten Zivilisten auch vier Kinder. 200 Menschen wurden bei den Attacken verletzt.

Die Untersuchung der Menschenrechtsgruppe basiert auf Interviews mit Augenzeugen sowie der Analyse von Videos, Fotos und Online-Veröffentlichungen. Aus dem Material gehe hervor, dass die regierungstreuen Truppen Chlorgas-Bomben abgeworfen hätten. Die Angriffe richteten sich demnach gegen einen Spielplatz, Krankenhäuser, Wohngegenden und einzelne Häuser. Zahlreiche Menschen hätten in der Folge unter Atembeschwerden gelitten, sich übergeben oder das Bewusstsein verloren.

Chlorgas-Angriffe als Teil der Gesamtstrategie

Dem Bericht zufolge fanden die Giftgasangriffe in Gebieten statt, für deren Eroberung regierungstreue Soldaten bereitstanden. "Die Muster der Chlorgas-Attacken zeigen, dass sie mit der Gesamtstrategie des Militärs zur Rückeroberung von Aleppo abgestimmt und nicht das Werk einiger schurkischen Elemente waren", erklärte der stellvertretende HRW-Direktor für Kriseneinsätze, Ole Solvang. Der Report hob hervor, dass die Zahl der Giftgasangriffe noch höher gewesen sein könnte. Journalisten, medizinisches Personal und andere glaubwürdige Quellen hätten über zwölf Angriffe berichtet.

Die von Russland unterstützte syrische Armee hatte im November eine Offensive zur Rückeroberung des seit Jahren von Rebellen kontrollierten Ostteils Alleppos gestartet. Am 22. Dezember verkündete die syrische Führung, dass sie die volle Kontrolle über die nordsyrische Großstadt zurückerlangt habe. Laut Human Rights Watch gibt es keinen Hinweis auf eine Beteiligung Russlands an den Chlorgas-Angriffen. "Was wir wissen ist, dass Russland ein enger militärischer Verbündeter der syrischen Regierung ist", sagte der Leiter des HRW-Büros bei den Vereinten Nationen, Louis Charbonneau, bei einer Pressekonferenz in New York. "Sie hätten zumindest Maßnahmen ergreifen müssen, um sicherzustellen, dass diese Waffen nicht verwendet werden."

Human Rights Watch forderte den UN-Sicherheitsrat auf, als Konsequenz aus den mutmaßlichen Giftgasangriffen Sanktionen gegen führende Mitglieder des syrischen Militärkommandos zu verhängen. Dies dürfte aber am Widerstand der Vetomacht Russland scheitern.

hk/djo (dpa, afp)