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Politik

Humala: ein Sprung ins Ungewisse

In Peru steht eine Stichwahl des Präsidenten bevor. Falls der Nationalist Ollanta Humala siegen sollte, dürfte er dies der Armut vieler Peruaner verdanken, die sich von ihm Hilfe erhoffen, meint Eva Usi.

Wen werden die Peruaner am 9. Mai zum Präsidenten wählen? Offenbar favorisiert die verarmte Mehrheit des Volkes den nationalistischen Kandidaten Ollanta Humala in der Hoffnung, dass er ihre extrem harten Lebensbedingungen verbessern würde. Ein Triumph des populären indianischen Führers im zweiten Wahlgang ist daher nicht auszuschließen und hätte Konsequenzen für die ganze Region.

In ihren gegensätzlichen Positionen und Argumenten spiegelte der Wahlkampf der drei Spitzenkandidaten um die Präsidentschaft zugleich die uneinheitliche ethnische und soziale Struktur des Landes: Einen ersten Wahlsieg, wenn auch nicht die absolute Mehrheit, hat der dem Volk der Quechua entstammende ehemalige Offizier Ollanta Humala bereits errungen, indem er sich zu ähnlichen nationalen und sozialen Zielen wie Evo Morales in Bolivien und Hugo Chavez in Venezuela bekannte.

Die Mitbewerber

Seine Rivalen in diesem vehement ausgetragenen Streit um die Macht sind: die konservative Abgeordnete Lourdes Flores, eine Anwältin aus den begüterten Kreisen von Lima, welche die neoliberale Politik des bisherigen Präsidenten Alejandro Toledo fortsetzen würde. Sowie der Sozialdemokrat und ehemalige Präsident Alan Garcia, der zwar der großen Tradition der peruanischen Linken, der von Haya de la Torre gegründeten APRA nahe steht, jedoch während seiner Amtszeit von 1985 bis 1990 weder die virulente Inflation eindämmen noch die Schuldenkrise lösen konnte und sein Land an den Rand eines Bürgerkrieges brachte.

Obgleich Perus Wirtschaft heute mit fünf Prozent jährlich über eine der stärksten Wachstumsraten in Lateinamerika verfügt bei einer seit 2002 niedrigen Inflationsrate von 2,5 Prozent, hatten seine verarmten Massen keinen Anteil an diesem wirtschaftlichen Aufschwung. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung, etwa 13 Millionen Peruaner leben weiterhin in bedrückender Armut. Mehr als drei Millionen Peruaner emigrierten in der letzten Amtszeit des Präsidenten Toledo ins Ausland, die ihre Familien in der Heimat mit Überweisungen unterstützen und dem Land Devisen von etwa 2,5 Milliarden Dollar jährlich einbringen.

Profitieren von der Armut

Die prekäre soziale Lage so vieler Wähler verhilft also einem politischen Newcomer wie Ollanta Humala zu enormer Popularität. Er ist ein radikaler Nationalist, der sich im Jahr 2000 führend an einem missglückten Staatsstreich gegen Alberto Fujimori beteiligte und dafür hinter Gitter kam. Später wurde er vom Kongress amnestiert und als Militärattaché nach Paris und Seoul geschickt. Ollanta - der Name bedeutet "der alles erkennende Krieger" - ist der zweite Sohn einer kinderreichen Familie und stammt aus der Andenregion Ayacucho. Er propagiert eine radikale Wende der nationalen Politik: zum Beispiel mehr staatliche Planung und Kontrolle der Wirtschaft, Liberalisierung statt Bekämpfung des Anbaus und Handels mit Coca, und hartes Durchgreifen gegen die Korruption.

Er will auch die Steuern erhöhen und die Verträge mit den multinationalen Konzernen revidieren, welche den lukrativen Abbau von Kupfer und Gas betreiben - denn Peru ist der viertgrößte Kupferproduzent und verfügt über die fünftgrößten Gasreserven der Welt. Seine Ziele und Argumente erinnern freilich an alte Rezepte, wie sie einst der mexikanische Staatspräsident Lazaro Cardenas in den 1930er Jahren des vorigen Jahrhunderts praktiziert hat, als er zum Nutzen seines Landes ausländische Ölkonzerne enteignete und die Petroleumressourcen nationalisierte. Falls also der Wahlsieger in Peru Humala heißt, wird man sehen, ob die alten Rezepte noch wirksam sind und mit welchen Mitteln sie durchgesetzt werden sollen. Während Cardenas seinerzeit in Mexiko auf die Hilfe der Armee verzichten konnte, befürchten viele Peruaner, dass sie für die Verbesserung ihrer Lebensumstände wieder einmal ein autoritäres Regime in Kauf nehmen müssten.

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