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Wirtschaft

Huizhou und Köln rücken zusammen

Deutsche Technik + chinesische Kosten - lange Zeit eine Erfolgsformel. Nun wird sie ergänzt durch deutsches Know-how + chinesisches Geld, wie die Kooperation zwischen dem Silicon Valley Südchinas und der Domstadt zeigt.

Auch ein begeisterter Autofahrer hat nur wenig Freude daran, ins Parkhaus zu fahren. Dort wird Etage für Etage durchgecheckt, bis einer der noch freien Plätze gefunden ist. Doch das Bild des gestressten Parkplatzsuchers wird in einigen Jahren der Vergangenheit angehören. Denn ein Team um Klaus-Dieter Kuhnert von der Universität Siegen hat ein System entwickelt, das das Einparken in Parkhäusern vollständig automatisiert. "Man gibt sein Auto am Eingang des Parkhauses ab, gibt dem Autoschlüssel das Signal, dass das Auto einparken soll", erklärt Kuhnert auf einer deutsch-chinesischen Veranstaltung in Köln. Das Auto suche sich alleine einen Parkplatz, bis es einen gefunden habe. "Wenn man fertig mit dem Einkaufen ist, drückt man auf den Autoschlüssel, dann kommt das Auto wieder von alleine heraus." Fasziniert hören ihm Gäste aus Huizhou zu.

Mai Jiaomeng, Bürgermeister der Stadt Huizhou (Foto: DW)

Wirbt für seine Stadt: Bürgermeister Mai Jiaomeng

Die Fünf-Millionen-Stadt liegt vis-a-vis zu Hongkong und wird als Silicon Valley Südchinas bezeichnet. Huizhou sei eine der schönsten und saubersten Städte Chinas und führe seit Jahren das Ranking des Wohlbefindens an, schwärmt Bürgermeister Mai Jiaomeng. Vielleicht macht Geld ja doch glücklich, denn die Stadt erfreue sich stetig steigender Einnahmen, in diesem Jahr um rund 20 Prozent, sagt Mai gegenüber der Deutschen Welle. Nicht nur die Kasse der Stadt, auch die der Unternehmen ist prall gefüllt. So war

Ende Juni eine Delegation aus der Sonderwirtschaftszone der Stadt Huizhou in der Rheinmetropole

. Knapp fünf Monate später wurden bereits die ersten Kooperationsverträge abgeschlossen. Darunter ein Vertrag zwischen der Sonderwirtschaftszone und dem deutschen Startup-Unternehmer Mauricio Piper.

Ein junger Kölner findet in China Investoren

"Ich bin ein großer Uhrenfreund und möchte gerne meine klassische Uhr behalten, gleichzeitig würde ich auch gerne von den Funktionen einer Smartwatch profitieren", sagt Piper. Nicht nur Not, auch ein Problem kann erfinderisch machen. Piper gründete die Firma Wotch und entwickelte mit seinem Team intelligente Uhrarmbänder, die sämtliche Smartwatch-Funktionen in die Uhr integrieren. "Wir sind dabei, Prototypen fertigzustellen", sagt Piper zur DW.

Mauricio Piper, CEO von Wotch (Foto: DW)

Mauricio Piper zeigt stolz sein intelligentes Armband

Auf der Suche nach einem Investor kam der junge Unternehmer auf die Stadt Huizhou. Am Anfang war er skeptisch. Schließlich hört und liest man hierzulande, dass die Chinesen gerne Technik von anderen abkupfern. Im August wurde er zu einem Innovationswettbewerb nach Huizhou eingeladen und gewann mit seinem intelligenten Armband den zweiten Preis. "Wir hatten konkrete Gespräche mit dem Inkubator in Huizhou, wurden durch verschiedene Unternehmen geführt. Eins davon produziert Uhrarmbänder, die an die Schweizer Uhrenindustrie verkauft werden", erzählt Piper. Seine Befürchtung des Technologie-Klaus habe sich nicht bestätigt.

Nun ist er froh über den Vertrag mit Huizhou: "Die Sonderwirtschaftszone versorgt uns mit Kapital und mit Kontakten zur Industrie." Nicht nur Geld und Produktion, den riesigen Markt in China und Asien bekommt er gleich mitgeliefert.

Zusammenarbeit zwischen zwei Inkubatoren

Vertragsunterzeichung: v.l. Gräf Junior (Startplatz), Yang Pengfei und Anne Liu (Eutech) (Foto: DW)

Der Vertrag ist in trockenen Tüchern: v.l. Gräf Junior (Startplatz), Yang Pengfei und Anne Liu (Eutech)

Beim Kontakt zu den Chinesen hat der Kölner Inkubator

Startplatz

geholfen, bei dem Wotch als eines der 70 Gründerteams mit Kapital und Beratung unterstützt wird. "Diese jungen Leute haben viele Herausforderungen, sie wollen nicht nur ihre Geschäftsidee umsetzen, sie müssen auch die ganze Infrastruktur drum herum bewältigen", sagt Richard Geibel, der die internationalen Beziehungen koordiniert. Auch chinesische Unternehmer wolle er nach Köln einladen. Schließlich haben beide Brutstätten für junge innovative Unternehmen auch einen Kooperationsvertrag unterschrieben.

Dass die Zusammenarbeit mit Deutschland so schnell Früchte trägt, damit hat Yang Pengfei, Direktor der Sonderwirtschaftszone in Huizhou, nicht gerechnet. "Wir haben dieses Jahr bei Null angefangen. Trotz der sprachlichen und kulturellen Barrieren und des unterschiedlichen Niveaus unserer Industrien. Wir haben geschafft, das Eis zu brechen", so Yang im Interview mit der DW.

Von Prof. Kuhnert und seinem Team entwickelt: Ein Roboter für den Traktor (Foto: DW)

Von Prof. Kuhnert und seinem Team entwickelt: Ein Roboter für den Traktor

Die Rolle des Eisbrechers spielt dabei vor allem die Kölner Beratungsgesellschaft

Eutech

. Das deutsch-chinesische Team brachte den Kölner Startplatz und den südchinesischen Inkubator zusammen, hält Ausschau nach potentiellen Partnern für beide Seiten, auch für den Siegener Wissenschaftler und Parkhaus-Revolutionär Kuhnert. Er kann sich ein gemeinsames Forschen mit Chinesen oder China als Geber Drittmittel vorstellen. Seine Projekte im Bereich der Industrie 4.0 dürften für die Asiaten von großem Interesse sein.

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