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Wirtschaft

HSH-Chef wegen Verlustgeschäft in Bedrängnis

Der Vorstand der HSH Nordbank gerät einem Medienbericht zufolge durch ein desaströses Milliardengeschäft weiter unter Druck. Der Vorstand soll den Deal selbst genehmigt und Kontrolleuren Fakten verheimlicht haben.

Ein Gebäude der HSH Nordbank (Foto: DW)

Die HSH Nordbank in der Kritik

Die HSH Nordbank hat einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bestätigt, dass Bankchef Dirk Jens Nonnenmacher an der Genehmigung des verlustreichen Milliardengeschäfts mit der Bezeichnung "Omega" beteiligt gewesen sei. "Der Beschluss wurde vom Gesamtvorstand gefasst", sagte demnach ein Sprecher der Landesbank am Dienstag (13.10.2009) in Hamburg. Weiter hieß es, Nonnenmacher sei als einzigem der Vorstände, die an dem Beschluss mitgewirkt hätten, vom Aufsichtsrat das Vertrauen ausgesprochen worden.

Die Bank bestätigte damit einen Bericht von NDR Info. Nach Recherchen des öffentlich-rechtlichen Radiosenders aus Norddeutschland hatten unter anderem Nonnenmacher und sein Stellvertreter Peter Rieck den Antrag für diese Geschäfte im Dezember 2007 unterschrieben.

Schaden von 500 Millionen Euro

Das Logo der HSH Nordbank (Foto: AP)

Der Vorstand der HSH Nordbank gerät verstärkt unter Druck

Bei den riskanten Investments mit Namen "Omega" ging es um Kreditersatzgeschäfte, durch die der HSH ein vorläufiger Schaden von 500 Millionen Euro entstanden ist. Die Abschreibung im vergangenen Jahr hatte zur Beinahe-Pleite der Landesbank beigetragen und den damaligen HSH-Chef Hans Berger den Job gekostet. An seine Stelle rückte Nonnenmacher, der zuvor Finanzvorstand war.

Nach den Recherchen des NDR hatte die HSH Nordbank Ende 2007 Immobilienkredite in Milliardenhöhe an mehrere Großbanken verkauft, darunter die französische BNP Paribas. Durch den Verkauf wollte die unter Druck stehende Landesbank mehr flüssige Mittel bekommen. Der Vertrag mit der BNP Paribas war jedoch an eine andere Abmachung gebunden, wonach die HSH Risiken der BNP über eine Zweckgesellschaft "Omega Capital Funding" wieder zurücknehmen musste.

Milliardengeschäft teilweise verheimlicht

Das bankeigene Risikomanagement habe vor der Genehmigung der Londoner Geschäfte durch den Vorstand ausdrücklich auf Gefahren hingewiesen, berichtete NDR Info. So sei "der Zeitrahmen für die Begutachtung außerordentlich eng und mit Hinblick auf die Komplexität und die betreffende Summe unangemessen kurz" gewesen.

Die Risikoexperten hielten es dem Bericht zufolge außerdem für möglich, dass die Finanzaufsichtsbehörde Bafin das Geschäft nicht genehmigen werde. Deshalb habe die HSH entscheidende Teile des "Omega"-Geschäfts offenbar vor der Bafin verheimlicht. Der Radiosender beruft sich bei seinen Angaben auf ihm vorliegende Dokumente.

HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher (Foto: AP)

HSH-Chef Nonnenmacher soll in umstrittenen Deal einbezogen gewesen sein

Politiker fordern Ablösung Nonnenmachers

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" will die Landesbank in der kommenden Woche bei einer Sondersitzung des Aufsichtsrats zwei neue Vorstandsmitglieder berufen. Diese sollten den umstrittenen Bankchef Nonnenmacher entlasten. Politiker forderten unterdessen die Abberufung Nonnenmachers.

Der Finanzexperte der Hamburger SPD-Bürgerschaftsfraktion, Peter Tschentscher, sagte am Dienstag, jeden Tag werde deutlicher, dass der Bankchef wie seine Vorstandskollegen tief in die riskanten Verlustgeschäfte der Bank verstrickt sei. Er verlangte vom Senat, endlich einzugreifen und die Ablösung Nonnenmachers zu veranlassen. Auch die FDP drängt bei der Bildung der neuen Regierung in Schleswig-Holstein darauf, den HSH-Chef auszuwechseln. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hatte jedoch vor der Landtagswahl betont, er halte an Nonnenmacher fest.

Ermittlung wegen umstrittenener Sonderzahlung

Der Eingang eines Gebäudes der HSH Nordbank in Hamburg (Foto: AP)

Die HSH Nordbank gehört größtenteils Hamburg und Schleswig-Holstein

Nonnenmacher steht bereits seit Wochen wegen einer umstrittenen Sonderzahlung in Millionenhöhe unter Beschuss. Die Landesbank hatte 45 Millionen Dollar an die US-Investmentbank Goldman Sachs gezahlt, obwohl die Verpflichtung dazu strittig war. Dabei ging es um Kreditausfälle der zahlungsunfähigen Bank Lehman Brothers, gegen die sich Goldman Sachs bei der HSH abgesichert hatte. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt in der Sache gegen Nonnenmacher und zwei weitere Manager.

Die HSH gehört vor allem den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein. Diese stützen die angeschlagene Landesbank mit Hilfen und Bürgschaften von insgesamt 13 Milliarden Euro.

Die Abschreibungen von 500 Millionen Euro sind im Jahresabschluss 2008 enthalten. Dabei handelt es sich um eine Wertberichtigung. Falls die Wertpapiere im Preis wieder steigen, kann der endgültige Schaden geringer ausfallen. Das Jahr 2008 endete für die HSH Nordbank mit einem Verlust von 2,8 Milliarden Euro.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, rtr, ap, afp)
Redaktion: Martin Schrader

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