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Das Kurzinterview

Hormone – Wundermittel gegen Falten?

Die ästhetische Endokrinologie setzt Hormone aus dem Cremetiegel für ein jugendlich-frisches Hautbild ein. Ein Interview mit Anti-Aging-Mediziner Prof. Dr. Bernd Kleine-Gunk über Hormone gegen Cellulite und Falten.

DW: Was können Hormone für ein jugendliches Aussehen leisten?

Prof. Dr. Bernd Kleine-Gunk:Bei der Hautalterung unterscheiden wir grundsätzlich zwei Dinge. Zum einen lassen exogene Faktoren wie das Sonnenlicht die Haut altern. Das andere sind endogene Faktoren im Inneren des Körpers. Da spielen die Gene eine Rolle, aber auch der Hormonspiegel. Ein Hormonmangel begünstigt tatsächlich auch die Hautalterung. Viele Frauen erleben in den Wechseljahren, dass ihre Schleimhäute trocken werden. Östrogenhaltige Creme gegen Scheidentrockenheit wirkt beispielsweise nicht nur in der Scheide, sondern auch auf der Haut insgesamt. Das heißt also, wenn ich dem Körper Hormone wieder zuführe, dann habe ich eine bessere Durchblutung der Haut, die Haut in all ihren Schichten wird besser aufgebaut und das ist auch sichtbar.

Was bewirkt Hormonkosmetik im Körper?

Zum einen wird durch Östrogen Wasser in der Haut gespeichert. Dadurch wird die Haut dicker und die kleinen Knitterfältchen verschwinden. Und Östrogene stimulieren Kollagen und Elastin - das ist das Stützgerüst der Haut. Wenn Kollagen abgebaut wird, ist das ein ganz wichtiger Alterungsfaktor. Außerdem sind Östrogene Vasodilatatoren, sie stellen die Gefäße weit, bewirken also eine bessere Durchblutung überall im Körper – auch in der Haut. Und eine besser durchblutete Haut ist einfach eine rosigere Haut. Sie sieht auch jünger, frischer, besser aus.

Und Androgene helfen gegen Cellulite?

Androgene helfen gegen Cellulite. Das ist auch der Grund, warum dicke Männer keine Cellulite haben. Männer haben eine andere Mikroarchitektur ihres Fettgewebes. Sie haben mehr bindegewebige Querverstrebungen. Das kann man hormonell auch unterstützen, indem man Frauen mit Cellulite lokal Androgene gibt, die sie auf die Haut auftragen. Das funktioniert aber nur mit speziellen Androgenen, die nicht sofort aromatisiert (Umwandlung in andere Substanzen) werden, aber mit ihnen erzielt man einen guten Effekt.

Die für Frauen typische Längsverstrebung des Bindegewebes baut sich durch eine Androgen-Creme um in eine Querverstrebung?

Ja, die Struktur des Bindesgewebes ist geschlechtsspezifisch hormonell bedingt. Und das kann man tatsächlich auch hormonell beeinflussen.

Therapien, bei denen Hormone dem Körper künstlich zugeführt werden, sind wegen ihrer möglichen Nebenwirkungen umstritten. Wie ist das bei der Hormonkosmetik?

Es ist wichtig, spezielle Hormone zu nehmen. Im Wesentlichen werden für die Hormonersatztherapie bei Frauen Östrogene eingesetzt. Das Östrogen Östradiol wird als Pille geschluckt. Für die Hormonkosmetik nehmen wir das Estriol. Es wird zwar von der Haut resorbiert, aber es wirkt nicht auf die Brust und nicht auf die Gebärmutterschleimhaut. Es gibt also kein erhöhtes Brustkrebsrisiko, kein Brustspannen, kein Aufbau von Schleimhaut und Blutungen und so weiter. Das bleibt tatsächlich in der Haut und in den Schleimhäuten.

Und verändern die aufgetragenen Androgene den Hormonhaushalt des Körpers?

Ein Teil der der Androgene geht tatsächlich ins Blut über. Insofern ist es schon wichtig, dass Hormonkosmetik rezeptpflichtig ist und in der Hand von Ärzten bleibt. Man kann da auch zu viel machen.

Wird es denn Hormonkosmetik bald in der Drogerie geben?

Nein, wird es nicht geben, weil Hormone medizinische Inhaltsstoffe sind. Damit sind sie rezeptpflichtig. Die kosmetische Industrie hat schon längst erkannt, wie wirksam Hormone sind. Solche Cremes wären sicherlich auch ein Verkaufsschlager.

Prof Dr. Bernd Kleine-Gunk ist Gynäkologe und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging Medizin GSAAM. Er betreibt eine gynäkologische Praxis in Fürth. http://www.kleine-gunk.de/

Das Interview führte Dorothee Grüner

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