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Wirtschaft

Hopfen - das "grüne Gold" aus Bayern

Die Hallertau ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Seit 80 Jahren sorgt ein Forschungszentrum in der Region dafür, dass deutscher Hopfen auf dem Weltmarkt führend ist.

Hopfenernte in der Hallertau

Die Hallertau ist das größte Hopfenanbaugebiet Deutschland

Riesige grüne Reben, bis zu sieben Meter hoch, prägen im Sommer die Hallertau, eine Hügellandschaft zwischen Ingolstadt und München. Hier wächst ein landwirtschaftliches Produkt bei dem Deutschland Weltmarktführer ist: Der Hopfen, das "grüne Gold" Bayerns. "Wir haben in der Welt 50.000 Hektar Hopfenanbau. Davon wird ein Drittel in Deutschland kultiviert, ein Drittel im Nordwesten der USA und ein Drittel in übrigen Ländern der Welt", so Bernhard Engelhard, Leiter des Hopfenforschungszentrums (HFZ) in Hüll bei Wolnzach.

Dr. Fritz Ludwig Schmucker im 'Kindergarten' des Hopfenforschungszentrum Hill

Schmucker im 'Kindergarten' des Hopfenforschungszentrum Hill

Von den rund 19.000 Hektar Hopfengärten in Deutschland liegen 14.220 Hektar in der Hallertau. Mitte August beginnt die Ernte. "Zwei Drittel der Gesamterntemenge wird in etwa 130 Länder der Welt exportiert, wobei die größten Abnehmer die USA, Japan und Russland sind", so Engelhard. Der Anbau des Doldengewächses, das zur Arzneipflanze des Jahres 2007 gekürt wurde, ist in der Region seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Verschiedene Faktoren haben zur Entstehung des weltweit größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebietes in der Hallertau beigetragen. "Hopfen wächst und blüht überhaupt nur zwischen dem 35. und dem 55. Breitengrad Nord und Süd, weil hier die langen Tage im Sommer die Voraussetzungen für die Blüte erfüllen. In der Hallertau ist das Klima einfach ideal und die Bodenverhältnisse passen auch dazu", erklärt Fritz Ludwig Schmucker, Geschäftsführer der Gesellschaft für Hopfenforschung (GfH) in Hüll.

Forschung im Dienst des Bieres

Auch die Wissenschaft spielt eine wichtige Rolle, meint Engelhard. 1923 griff die aus Asien stammende Krankheit Peronospora (Falscher Mehltau) im Anbaugebiet um sich und der Hopfenertrag fiel innerhalb von drei Jahren von etwa 15 Zentnern auf 2,4 Zentner pro Hektar. Der Hopfen in Deutschland drohte auszusterben.

"Die Brauereien hatten Angst, nicht genügend Hopfen zu bekommen. Dann haben sie die Initiative ergriffen und das Institut gegründet, mit der Aufforderung, Methoden zu finden, um diese Krankheit möglichst schnell und effektiv bekämpfen zu können", erinnert sich Engelhard.

Hopfenanbau in der Hallertau

Hopfenanbau in der Hallertau

So entstand 1926 das Hopfenforschungszentrum. Noch im selben Jahr wurde eine Versuchsstation eingerichtet und zunächst den Hopfenbauern den richtigen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln beigebracht. "Bis 1975 wurde der Hopfen alle 14 Tagen während der Saison gespritzt. Durch die Züchtung resistenter Sorten wurde es seitdem möglich, dies auf drei Spritzungen im Jahr zu reduzieren", so Schmucker.

Spritzvorhersage per SMS

Um die chemische Keule so wenig wie möglich anzuwenden, wurde ein Prognose-Modell entwickelt, das Schmucker so erklärt: In sieben Stellen in der Hallertau wird rund um die Uhr Luft angesaugt, die jeden Morgen auf Sporenflug kontrolliert wird. Wenn eine bestimmte Schwelle überschritten ist, dann geht per Fax oder SMS ein Aufruf an alle Hopfenpflanzer zum Beispiel mit der Empfehlung 'Heute gegen Peronospera spritzen'.

Damit konnte die Spritzung weiter zurückgefahren werden. "Bezogen auf das Kilogramm Alphasäure (das ist der Inhaltstoff aus Hopfen, der bei der Bierproduktion verwendet wird), muss heute nur noch vier Prozent der Spritzmenge gegen Peronospera aufgebracht werden wie noch vor 30 Jahren. Das ist ein Beitrag zum Umweltschutz, der sich durchaus sehen lassen kann", sagt Schmucker. Das in Hüll entwickelte Prognose-Modell wurde inzwischen vom Weinbau übernommen und wird bereits in anderen Kulturen getestet.

Dauerkultur für Kleinbauern

Getrocknete Hopfendolden

Getrocknete Hopfendolden

Der Erfolg der Hopfenforschung wird auch mit einer anderen Zahl belegt. Innerhalb von 30 Jahren - von 1975 bis 2005 - ist der durchschnittliche Arbeitsaufwand in Stunden pro Hektar Hopfen pro Jahr um 70 Prozent von 650 auf 200 Stunden reduziert worden, zum Teil durch den Einsatz von Maschinen, die in Hüll entwickelt wurden. Trotzdem ist der Hopfenanbau weiterhin aufwändig, wie Bernhard Engelhard erklärt: "Man braucht in Deutschland etwa 2000 Einzelpflanzen pro Hektar. Im ersten Jahr bringen diese Pflanzen in der Regel noch keinen Ertrag. Das heißt, der Hopfenpflanzer muss zwei Jahre zwischenfinanzieren, bis er einen Ertrag hat".

Der Hopfen ist eine Dauerkultur, die ähnlich wie der Wein im Frühjahr wieder aus dem Stock heraus treibt und neu wächst. "Die Pflanze kann ohne Probleme 15 Jahre immer wieder neu kultiviert werden. Es gibt auch Beispiele, wo die gleiche Pflanze bis zu 70 Jahre alt geworden ist", so Engelhard. Angebaut wird der Hopfen hauptsächlich von Kleinbauern. Die durchschnittliche Betriebgröße eines Hopfenbauernhofes in der Hallertau liegt bei etwa elf Hektar. "Die Bauern schließen Vorverträge zu festen Preisen mit Brauereien ab und bauen dann nur die Sorte an, die von der jeweiligen Brauerei verlangt wird", erklärt Schmucker.

Hopfen wird knapp

Wegen der schlechten Preise für die Hopfenpflanzer wurde die Anbaufläche in den letzten Jahren weltweit reduziert. Nach einer etwas schlechtere Ernte 2006 und dem Einstieg Chinas als Käufer auf dem Welthopfenmarkt haben sich die Preise für die Bierzutat im vergangenen Jahr verdreifacht. "Jetzt können die Hopfenpflanzer wieder kostendeckende Preise erzielen", so Engelhard.

Dass die Brauereien dies zum Anlass nehmen, die Bierpreise zurzeit kräftig nach oben zu treiben, findet man in der Hallertau zumindest fragwürdig. "Die Hopfenkosten pro Hektoliter Bier halbierten sich in den letzen 15 Jahren und liegen bei etwa 50 Cent -also 0,25 Cent pro Flasche. Hopfen ist billiger als das Etikett oder der Kronkorken. Der Hopfenpreis kann somit kaum als Argument für die Anhebung des Bierpreises dienen", so Anton Lutz, Hopfenzüchter in Hüll.

Nischenprodukt

Obwohl es auf dem Weltmarkt gehandelt wird, ist Hopfen ein Nischenprodukt. Laut Lutz werden pro Hektoliter Bier durchschnittlich 5 Gramm Alphasäure verwendet. Insgesamt ist die weltweite Bierproduktion im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 1,7 Milliarden Hektoliter gestiegen. Das sind 100 Millionen Hektoliter Bier mehr als im Vorjahr, so ein Bericht der weltgrößten Hopfen-Handelsfirma Joh. Barth & Sohn.

Aus der Hopfenblüte wird Alphasäure gewonnen

Aus der Hopfenblüte wird Alphasäure gewonnen

"Der Zuwachs beim Bierausstoß ist in Ländern zu verzeichnen, wo man kein bitteres Bier wünscht - in China, in Brasilien, überhaupt in Asien, Südamerika und auch in Osteuropa. Mit unseren deutschen typischen Pilsbieren könnten wir da keinen großen Erfolg erzielen", so Fritz Schmucker.

Bier und Biotechnologie

Um die Zukunft und die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Hopfens zur sichern, werden in Hüll laufend neue Sorten entwickelt und getestet. "Wir haben neue Züchtungen, die den Markterfordernissen weltweit entsprechen. Und 70 Prozent der Anbaufläche in Deutschland wird mit Zuchtsorten kultiviert, die wir entwickelt haben. Es sind Sorten im Aromabereich, für gute Aromaqualität, und auch im Hochalphabereich", erklärt Engelhard.

Besonders stolz sind die rund 30 Mitarbeiter des Hopfenforschungszentrums auf die neue Sorte "Herkules". "Sie ist gegen Krankheiten resistent und bringt einen Ertrag, der noch keine andere Hopfensorte gebracht hat", sagt Schmucker. Er nennt eine Zahl, die die Ertragsteigerung veranschaulicht: "1975 sind ungefähr 50 Kilogramm Alphasäure pro Hektar Hopfen geerntet worden. Mit der neuen Sorte "Herkules", sind es 400 Kilo pro Hektar. Es gibt keine vergleichbare Kulturpflanze mit dieser Ertragsteigerung in so kurzer Zeit."

Zuchtziel Zwerghopfen

Zwerghopfen

Gehört die Zukunft: Zwerghopfen

Um eine neue Hopfensorte zu entwickeln dauert es 15 bis 18 Jahre. Am Anfang der Entwicklung stehen 100.000 bis 150.000 Sämlinge, die mit dem Erreger des echten und des falschen Mehltaus gespritzt werden. Davon gehen 1000 Pflänzchen in den so genannten "Kindergarten". Nur die Pflanzen, die diese künstliche Infektion überstehen, werden weiter getestet. "In 80 Jahren haben wir lediglich 20 neue Sorten angemeldet", so Schmucker.

Dabei werden auch biotechnologische Verfahren, wie Gendiagnose als Selektionshilfe, Stammbaumanalysen der Zuchtstämme und Experimente im Bereich Gentransfer angewendet. Ein Zuchtziel für die Zukunft sei der so genannte Zwerghopfen, der in drei statt bisher sieben Meter hohen Anlagen kultiviert werden kann. "Damit spart man Arbeitszeit und kann die Pflanzenschutzmittel umweltgerechter ausbringen", erklärt Engelhard.

Außerdem wird in Hüll auch an einem Mehrzweckhopfen geforscht, dessen Inhaltstoffen den Anforderungen der Brauereien genügen aber auch für alternative Zwecke, etwa in der Pharma- und Lebensmittelindustrie, Anwendung finden. "Da sehen wir noch ein großes Potenzial", so Schmucker. Mit Blick auf den Klimawandel werden bereits seit einigen Jahren Hitze- und Trockenheitsresistente Sorte gesucht. Denn durch die Erderwärmung dürfte der weltweit zunehmende Bierdurst nicht gerade nachlassen.

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