Hooligans randalieren in Leipzig | Aktuell Deutschland | DW | 12.01.2016
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Aktuell Deutschland

Hooligans randalieren in Leipzig

Brennende Autos und zertrümmerte Scheiben - rechte Hooligans haben in einem linken Stadtteil Leipzigs randaliert. Demonstrationen für und gegen die islamfeindliche Legida-Bewegung blieben dagegen friedlich.

Mehr als 200 rechte Krawallmacher sind am Montagabend durch den Leipziger Stadtteil Connewitz gezogen. Das Viertel ist eine Hochburg der linksalternativen Szene. Die Vermummten liefen unter anderem mit einem Plakat mit der Aufschrift "Leipzig bleibt helle" durch die Straßen.

Zudem setzten sie mehrere Autos in Brand, zündeten Pyrotechnik und zerschlugen zahlreiche Scheiben von Schaufenstern. Ein Brand in einer Wohnung soll von einer Feuerwerksrakete ausgelöst worden sein, die Rechte abschossen.

Von 211 Verdächtigen seien die Personalien aufgenommen worden, teilte die Polizei mit. Die Personen sind demnach bereits aktenkundig, weil sie rechten Kreisen zugeordnet werden oder als Hooligans bekannt sind. 57 Straftaten wegen Verstoßes gegen das Versammlungs-, Waffen-, Sprengstoff- und Betäubungsmittelgesetz wurden den Angaben zufolge festgestellt. Fünf Polizisten seien bei dem Einsatz verletzt worden. Zudem attackierten Mitglieder der linksautonomen Szene den Bus, mit dem die Polizei die Hooligans abtransportieren wollte. Er wurde erheblich beschädigt.

3400 Demonstranten für und gegen Legida

Zeitgleich demonstrierten in der Innenstadt Anhänger und Gegner der Legida-Bewegung (Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes) friedlich. Die Polizei war mit rund 2000 Kräften im Einsatz, um Ausschreitungen zwischen der rechten und linken Szene zu verhindern.

Die islamfeindliche Legida-Bewegung brachte mit Unterstützung der Pegida-Initiative aus der sächsischen Landeshauptstadt Dresden nach Schätzungen von Beobachtern bis zu 3400 Menschen auf die Straße. Legida ist ein Ableger der Dresdner Bewegung, gilt aber wegen der zahlreichen Anhänger in der Hooligan-Szene als deutlich radikaler. Zuletzt waren nur noch wenige hundert Teilnehmer zu Demonstrationen erschienen.

Bis zu 3400 Menschen nahmen am Montag zudem an Gegendemonstrationen teil. Ein breites Bündnis aus Politik, Gewerkschaften, Wirtschaft, Kultur und Vereinen hatte zu einer Lichterkette aufgerufen. Im Anschluss an das traditionelle Friedensgebet in der Nikolaikirche bildeten Leipziger Bürger mit Kerzen eine Kette entlang des Innenstadtrings.

Mit einer Lichterkette wollten Leipziger ein Zeichen gegen Rechts setzen (Foto: dpa)

Mit einer Lichterkette wollten Leipziger ein Zeichen gegen Rechts setzen

"Sachen hat Nachholbedarf in Sachen Toleranz"

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte während der Abschlusskundkebung, Sachsen habe "ein Problem mit Fremdenfeindlichkeit" und Nachholbedarf in Sachen Offenheit und Toleranz. Er verurteilte zugleich jede Form von Gewalt. Sie sei das falsche Mittel in einer Demokratie. Jung warnte zudem davor, die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln zu instrumentalisieren. So wie die Deutschen nicht mit Legida gleichgesetzt werden dürften, dürften auch die Flüchtlinge nicht mit den Tätern von Köln gleichgesetzt werden.

Gewalt bei rechten Demonstrationen ist in Leipzig nicht selten: Mitte Dezember war es am Rande einer Versammlung von Rechtsextremisten in Leipzig zu Ausschreitungen linker Gewalttäter gekommen. Dabei waren zahlreiche Polizisten verletzt worden.

Ba/wl (dpa, afp)

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