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Deutschland

Hooligans islamfeindlich verbrüdert

Gewaltbereite Hooligans verbrüdern sich gegen ein neues Feindbild: die Salafisten. Unterstützt werden sie von Rechtsextremen. Sie tauschen sich im Internet aus - oder gehen auf die Straße. Wie bald in Köln.

Erst waren es nur Facebook-Gruppen, in denen islamfeindliche Hooligans ihre Wut monatelang austauschten - mittlerweile versammeln sich gewaltbereite Fußballfans auch außerhalb der digitalen Welt. In Essen, Nürnberg, Mannheim, Frankfurt und Dortmund gingen Hooligans auf die Straße, um gegen Salafisten in Deutschland zu demonstrieren. Die eigentlich verfeindeten und äußerst gewaltbereiten Fußballfans vereint - gegen ein neues Feindbild. Ho.Ge.Sa., "Hooligans gegen Salafisten", nennt sich die Initiative derzeit, deren Facebook-Profil mehrmals gesperrt wurde und das unter neuem Namen immer wieder erscheint. Dort rufen die Initiatoren zum Kampf gegen Salafisten auf. Ihr nächstes Ziel: eine Demonstration am 26. Oktober auf der Kölner Domplatte.

Die aktuelle Stimmungslage und die Proteste der Kurde würde den Hooligans und den Rechtsextremisten Sympathisanten in die Arme treiben, "um offenkundig gegen Salafisten zu demonstrieren, aber eigentlich nur, um die eigene Islamfeindlichkeit zu zeigen", sagt der Journalist und Buchautor Olaf Sundermeyer gegenüber der DW.

"Wir sind 'Hooligans gegen Salafixxxx'. Gemeinsam sind wir stark", heißt es auf der Facebook-Seite. Sie sehen sich als "eine Bewegung, der sich Hooligans, Ultras, Fußballfans und "normale" Bürger angeschlossen haben, um gemeinsam gegen den Terror der IS (weltweit) und die Salafisten (bundesweit) zu kämpfen." Sie verstehen sich als "Gegenwehr" gegen "die wahren Feinde unseres gemeinsamen Vaterlandes", so steht es zumindest in Postings auf Facebook und auf Bannern ihrer letzten Demonstration in Dortmund. 400 Teilnehmer waren anwesend. "Am 26.10.2014 in Köln werden wir diese Teilnehmerzahl deutlich steigern. Friedlich, unvermummt und ohne Randale", kündigt der Moderator der Gruppe an.

"Salafisten sind das größere Übel"

Ihre Parolen sollen Zusammenhalt in einer Gruppe von Hooligans stiften, die sich eigentlich vor oder nach den Fußballspielen feindselig gegenüberstehen und sich Schlägereien mit den gegnerischen Fangruppen liefern. Der Fanforscher Gunter A. Pilz von der Sporthochschule Hannover nennt dieses Phänomen "temporäre Kampfgemeinschaft". Diese Verbindung halte aber nur so lange, wie auch der gemeinsame Feind besteht: die Salafisten.

Dass die Islamfeindlichkeit im Fußball stark vertreten ist, bestätigt auch

Olaf Sundermeyer

. Es bestehe die Gefahr, dass durch das brutale Vorgehen der IS in Syrien und im Irak die Toleranz gegenüber rechtsextremen Gruppierungen größer sei, weil Salafisten als das noch größere Übel angesehen würden. "Hooligans gegen Salafisten" sei bisher noch eine kleine Gruppierung, aber sie könnten mehr Zulauf - auch von Menschen, die eigentlich weniger radikal eingestellt seien - erhalten, meint Sundermeyer im Interview mit dem Deutschlandfunk. Der Fußball sei dabei das ideale Biotop für die Radikalisierung von jungen Menschen und das wichtigste Rekrutierungsfeld für die rechtsradikale Szene.Offiziell distanziert sich die Bewegung von Rechtsextremisten.

Unpolitische Hooligans und Fußballfans mobilisieren

Dabei gibt es offensichtliche Überschneidungen mit der Neonazi-Szene: Unterstützt wird Ho.Ge.Sa. von Dominik Roeseler, einem Mitglied der Partei Pro NRW. Er sitzt im Stadtrat von Gladbach. Die Demonstration in Köln hat er angemeldet. Roesler gilt als rechtsextrem und wird, wie alle Mitglieder rechter Parteien, vom Verfassungsschutz beobachtet.

Und es gibt noch weitere Überschneidungen: Bei den Veranstaltungen in Dortmund waren viele Shirt und Jacken mit Neonazi-Szenemarken und Transparente mit einschlägigen Aufdrucken zu sehen. Am nächsten Tag wurde in der Facebook-Gruppe zurückgerudert: "Leider mussten wir feststellen, dass sehr viele Neonazis zu diesem Treffen kamen. Wir möchten noch einmal klarstellen das wir nicht politisch sind!" Und auch über Dominik Roesler scheint keine Einigkeit in der Ho.Ge.Sa.-Szene zu herrschen. Vor einigen Tagen wurde auf ihrer Internetseite verkündet, dass man sich von ihm getrennt habe. Fest steht: Die Kölner Demonstration wird von rechtsextremen Politikfunktionären organisiert. Ist Ho.Ge.Sa. also ein Versuch von Rechtsextremen, innerhalb der Hooligan- und Fußballszene neuen Nachwuchs zu mobilisieren?

Wiedervereinigung der Hooliganszene

Die derzeitig gewonnene Öffentlichkeit kommt der Bewegung also gerade recht, meint Olaf Sundermeyer gegenüber der DW. Die Facebook-Fans der Gruppe wachsen auf derzeit fast 12.200. So schreibt ein Anhänger bei Facebook: "Wir wachsen trotzdem weiter, da könnt ihr wer weiß was in den Medien gegen uns hetzen. Diesmal werdet ihr uns nicht stoppen können."

Zuletzt hätten Verbände, Vereine und auch Fans

den Einfluss rechter Hooligans

erfolgreich eingedämmt, sagt der Journalist Olaf Sundermeyer. Gefährlich sei aber, dass die gesellschaftliche Bedrohung, die jetzt in den Salafisten gesehen werde, den Rechtsextremisten unter den Hooligans Auftrieb gebe.

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