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20 Jahre Rückgabe Hongkongs an China

Hongkongs Wirtschaft im Schatten Pekings

Noch immer gilt Hongkong als einer der unternehmensfreundlichsten Standorte weltweit und noch immer spielt es als Finanzmarkt eine wichtige Rolle. Doch seit 1997 haben sich die Gewichte in Richtung Festland verschoben.

Als die britische Kronkolonie 1997 an China zurückgegeben wurde, herrschte große Ungewissheit über die Zukunft der Millionenmetropole. Würden die Mächtigen in Peking den Status quo Hongkongs auch künftig akzeptieren, würden sie Rechtsstaatlichkeit und Bürgerrechte wie versprochen weitere 50 Jahre lang achten? Heute, zwanzig Jahre nach dem Handover ist klar, dass die Konflikte mit Peking nicht abreißen und die Bürger Hongkongs immer mehr zu spüren bekommen, wie sie vom mächtigen Festland dominiert werden.

China - Zhang Xiaoming (picture-alliance/AP Photo/K. Cheung)

Pekings Mann in Hongkong: Zhang Xiaoming

Vor zwanzig Jahren war die Volkswirtschaft Chinas mit mehr als einer Milliarde Einwohnern gerade einmal fünfmal so groß wie die von Hongkong, wo damals rund 6,5 Millionen Menschen lebten. Heute ist die Wirtschaft der Volksrepublik 35 mal so groß wie die Hongkongs - und das, obwohl die Wirtschaftsleistung der früheren britischen Kolonie heute 60 Prozent höher ist als bei der Übergabe an China.

Diese wirtschaftliche Machtverschiebung macht sich nicht nur im Alltag bemerkbar, wo sich manche Besucher vom Festland regelrecht überrollt fühlen. Kein Wunder, denn die Zahl der Touristen vom Festland stieg nach offiziellen Zahlen von 2,36 Millionen im Jahr 1997 auf mehr als 42,77 Millionen im Jahr 2016.

Der Ton ist ebenfalls rauher geworden und häufig reichlich gönnerhaft: "Im Schnellzug unseres kräftigen Wirtschaftswachstums hat das Vaterland einen Sitzplatz für Hongkong reserviert", wurde Zhang Xiaoming, Chef des chinesischen Verbindungsbüros in Hongkong, unlängst von der staatlichen Zeitung China Daily zitiert.

Video ansehen 02:04

Hongkong - Wohnen auf 12 Quadratmetern

Beispiel Immobilienmarkt und Börse

Besonders deutlich wird diese zunehmende Dominanz auf dem Immobilienmarkt, wo reiche Investoren vom Festland die ohnehin schon gepfefferten Immobilienpreise in solch astronomische Höhen katapultiert haben, dass immer mehr Hongkonger Probleme haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Früher wurde der Immobilienmarkt von einigen wenigen Hongkonger Tycoons beherrscht. Heute haben Unternehmen vom Festland den Markt immer starker im Griff. Etwa die Hälfte des Baulandes, das im vergangenen Jahr den Besitzer wechselte, ging an chinesische Immobilienentwickler - vor fünfzehn Jahren waren es gerade einmal sechs Prozent.

Kein Wunder, dass viele Hongkonger der Volksrepublik mit wachsender Skepsis gegenüber stehen. "Die zunehmende Präsenz von Unternehmen und Investoren aus dem Festland hat die Immobilienpreise rasant ansteigen lassen. Durch die konsumfreudigen und lautstark auftretenden Touristen aus der Nachbarregion, oft als 'Heuschrecken' bezeichnet, fühlen sich manche Bewohner Hongkongs nahezu an die Wand gedrückt", sagt Kristin Shi-Kupfer vom Berliner Think Tank MERICS.

Kristin Shi-Kupfer Mercator Institute for China Studies Berlin (MERICS/Marco Urban)

Shi-Kupfer: Wachsende Skepsis gegenüber 'Heuschrecken'

Auch an den Finanzmärkten ist der Trend absehbar. Mittlerweile sind es chinesische Unternehmen, die den Börsenplatz Hongkong dominieren. 2016 stammten mehr als die Hälfte aller dort gelisteten Aktiengesellschaften vom Festland. Sie machen mehr als 60 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung Hongkongs aus. Hinter mehr als 70 Prozent des täglichen Handelsvolumens stehen Geschäfte mit chinesischen Wertpapieren.

"Wirtschaftlich hat Hongkong gegenüber der Volkrepublik zunehmend an Gewicht verloren. Allein als internationaler Finanzplatz hat die Metropole nach wie vor auch für Beijing eine wichtige Brückenfunktion für die schrittweise Integration des eigenen Finanzsystems", meint Kristin Shi-Kupfer.

Doch die Regierung in Peking ist entschlossen, den Finanzplatz Shanghai langfristig zum wichtigsten internationalen Finanzplatz Chinas auszubauen - und das geht vor allem zu Lasten Hongkongs.

 

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