Honduras: Präsident Hernández tritt Amt nach umstrittener Wahl an | Aktuell Amerika | DW | 27.01.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Honduras

Honduras: Präsident Hernández tritt Amt nach umstrittener Wahl an

Die umstrittene Wiederwahl von Juan Orlando Hernández im November spaltet Honduras. Seine Gegner nutzten die Vereidigung des konservativen Politikers, um mit der Macht der Straße eine neue Abstimmung zu fordern.

Honduras Präsident Juan Orlando Hernandez und seine Frau Ana Garcia (Foto: picture alliance/AP/F. Antonio)

Gespaltenes Honduras: Während Präsident Hernández und seine Frau Ana Garcia im Stadion die Amtseinführung feiern....

Honduras | Tränengaseinsatz gegen Demonstranten in Honduras (Getty Images/AFP/O. Sierra)

...wütet auf den Straßen der Hauptstadt Tegucigalpa der Protest gegen den konservativen Staatschef

Begleitet von heftigen Protesten hat der konservative Präsident Juan Orlando Hernández in Honduras seine zweite Amtszeit angetreten. Hernández legte vor Tausenden Anhängern im Stadion der Hauptstadt Tegucigalpa seinen Eid ab. Seit Freitag kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Anhängern der Opposition und der Polizei.

Die Vereidigung fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Polizisten und Soldaten hatten das Stadion abgeriegelt. Vor seiner Amtseinführung hatte Hernández seine Landsleute angesichts der Proteste zur Einheit aufgerufen. "Wir müssen uns heute mehr denn je für alle Honduraner einsetzen, unter einer einzigen Flagge", sagte der 49 Jahre alte Politiker. Seine Wiederwahl im November war von Betrugsvorwürfen begleitet, die Opposition erkennt den Wahlausgang nicht an. Der unterlegene Oppositionskandidat Salvador Nasralla forderte an diesem Samstag abermals Neuwahlen für das Präsidentenamt und das Parlament.

"Weg mit JOH"

Am Freitag war die Polizei mit Tränengas gegen Nasrallas Anhänger vorgegangen, die mit Hunderten Autos und Motorrädern durch Tegucigalpa fuhren und mit Hupkonzerten gegen Hernández' umstrittene Wiederwahl demonstrierten. "Weg mit JOH", riefen die Demonstranten, die die Initialen des Präsidenten skandierten. Honduras steuere auf einen Volksaufstand zu, warnte Ex-Präsident Manuel Zelaya, der Koordinator der linksgerichteten Oppositionsallianz gegen die Diktatur. "Wir sind bereit dafür zu kämpfen, dass der Wille des Volkes durchgesetzt wird", fügte Zelaya hinzu.

Honduras | Tränengaseinsatz gegen Demonstranten in Honduras (picture-alliance/AP Photo/E. Verdugo)

Oppositionsanhänger versuchen außerhalb des Stadions von Tegucigalpa, die Amtseinführung von Hernández zu stören

Die Wahlbehörden hatten Hernández zum Sieger der Präsidentschaftswahl von Ende November erklärt. Die Auszählung der Stimmen hatte sich über drei Wochen hingezogen und war mehrfach unterbrochen worden. Kritiker sprachen daraufhin von Wahlbetrug. Seit der Wahl gab es immer wieder Proteste. Dabei wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 800 festgenommen. Auch die Beobachtermission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sprach in ihrem Abschlussbericht von Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Zahlreiche Regierungen haben das Ergebnis mittlerweile aber anerkannt.

Es war das erste Mal in der jüngeren Geschichte, dass ein Präsident in Honduras im Amt bestätigt wurde. Erst der Oberste Gerichtshof machte den Weg für die Wiederwahl des Staatschefs in dem mittelamerikanischen Land frei, die eigentlich in der Verfassung nicht vorgesehen ist.

Hernández vor schweren Aufgaben 

Hernández steht nun vor einer Mammutaufgabe. Neben der tiefen Spaltung der Gesellschaft hat das mittelamerikanische Land mit einer ganzen Reihe weiterer Probleme zu kämpfen. Honduras leidet unter ausufernder Gewalt und Kriminalität. Die mächtigen Jugendbanden - so genannten Maras - sind in Drogenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt und beherrschen ganze Stadtteile. Zudem prägen Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Armut das Leben vieler Honduraner. 60,9 Prozent der Menschen gelten als arm und 38,4 Prozent der Bevölkerung leben sogar in extremer Armut. Das Bildungssystem gilt als eines der schlechtesten in Mittelamerika.

sti/mak (afp, dpa)