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Politik

Honduras nur im Fußball vereint

Ein erstes Treffen der Konfliktparteien in Honduras hat keine Annäherung darüber gebracht, ob der gestürzte Präsident Zelaya ins Amt zurückkehren kann. Dafür jubelt das Land über die Qualifikation zur Fußball-WM.

Honduraner mit Flagge im Auto (Foto. AP)

Freudendemos statt Massenprotesten: jubelde Fans in Tegucigalpa

Kaum hatten sich die Honduraner mit einem 1:0-Sieg gegen El Salvador das Ticket für die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Südafrika gesichert, hatten sie ihren monatelangen politischen Konflikt für einen Moment vergessen. Dieses Mal gab es unter den Anhängern des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya und denen der Übergangsregierung unter Roberto Micheletti keine Massendemos oder Ausschreitungen.

Stattdessen Freudenausbrüche und Autocorsos all überall: Stolz schwenkten die Honduraner ihre Landesflagge, in der Hauptstadt Tegucigalpa wurde bis in die Morgenstunden ausgelassen gefeiert.

Feiertag wegen WM-Teilnahme

Übergangspräsident Micheletti nutzte die Welle gemeinschaftlicher Euphorie und erklärte den gesamten Donnerstag (15.10.2009) kurzer Hand zum nationalen Feiertag. In einer Fernsehansprache dankte er Gott, weil dieser dem Land ein solches Glück beschert habe. Honduras hatte vor 27 Jahren das letzte Mal den Einzug in die Endrunde einer Fußball-WM geschafft.

Portrait Micheletti (Foto: AP)

Strittig ist, ob das Parlament oder des Oberste Gericht über seine Zukunft entscheiden: Übergangspräsident Micheletti

Zugleich forderte Micheletti, der seit dem Sturz von Präsident Manuel Zelaya Ende Juni die Übergangsregierung leitet, das Volk auf, die politischen Gegensätze für kurze Zeit zu überwinden. Dabei schlug Micheletti den Bogen zur Nationalmannschaft: Nur sie könne es schaffen, die Honduraner ohne Rücksicht auf Politik und Religion wieder zu versöhnen.

Parlaments- oder Gerichtsentscheid

Vorausgegangen waren Krisengespräche zwischen den Konfliktparteien über eine Rückkehr Zelayas in das Präsidentenamt. Den erhofften Durchbruch hatte das erste Treffen allerdings nicht gebracht.

Hauptstreitpunkt ist dem Vernehmen nach, ob das Parlament oder das Oberste Gericht über eine Wiedereinsetzung Zelayas entscheiden soll. Micheletti erklärte im Fernsehen, Zelaya wolle, dass der Kongress über seine Rückkehr in den Präsidentenpalast entscheidet. Aber darüber müssten die Obersten Richter urteilen.

Demonstrativer Optimismus

Trotz dieser scheinbar festgefahrenen Situation demonstrierten Teilnehmer der Gespräche Optimismus. Armeechef Romeo Vasquez, der eine zentrale Rolle bei dem Putsch im Sommer gespielt hatte, sagte, eine Einigung scheine in greifbarer Nähe zu sein: "Ich weiß, dass wir bedeutende Fortschritte gemacht haben, wir haben das Ende der Krise beinahe erreicht".

Das Militär hatte den politisch immer weiter nach links gerückten Zelaya Ende Juni gestürzt und außer Landes gebracht. In einem Überraschungscoup war er im September nach Honduras zurückgekehrt und hält sich seit dem in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa auf. Die Krisengespräche sollen fortgesetzt werden.

Autorin: Eleonore Uhlich (dpa,rtr,ap)

Redaktion: Dirk Eckert

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