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Aktuell Europa

Homo-Ehe nimmt erste Hürde

Ein großes Thema spaltet derzeit Frankreich: Sollen Homosexuelle heiraten und Kinder adoptieren können? Die regierenden Sozialisten hatten das im Wahlkampf versprochen – und sich im Parlament auch durchgesetzt.

Die sozialistisch beherrschte Nationalversammlung in Frankreich hat die umstrittene Homo-Ehe mit deutlicher Mehrheit gebilligt. 329 Abgeordnete votierten in erster Lesung für den Gesetzentwurf, der gleichgeschlechtlichen Paaren auch ein gemeinsames Adoptionsrecht einräumt. 229 Parlamentarier stimmten dagegen. Im April wird sich der französische Senat in Paris mit dem Gesetzestext befassen.

Wie bei kaum einer anderen Reform der immer noch jungen Regierung kochen bei der Homo-Ehe die Emotionen in Frankreich hoch. Nicht nur am staatlichen Segen für schwule und lesbische Partnerschaften scheiden sich die Geister. Umstritten ist vor allem das Adoptionsrecht, gegen das seit Monaten die konservative Opposition und die katholische Kirche Sturm laufen.

Die Konservativen überzogen die Parlamentsdebatte mit mehr als 5300 Änderungsanträgen. Mehr als zehn Sitzungstage benötigten die Abgeordneten, um das neue Recht für Schwule und Lesben zu beraten. Auch die Nächte und Wochenenden blieben dafür reserviert. Erst am vergangenen Samstag ging der Sitzungsmarathon für die 577 Parlamentarier zu Ende.

Letztlich dreht sich der Streit um den entscheidenden neuen Paragrafen 143 für den berühmten Code civil, die französische Vorlage des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs. Darin heißt es: "Die Ehe wird geschlossen von zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts oder gleichen Geschlechts." Alle weiteren Regelungen - auch das neue Adoptionsrecht - basieren auf diesem Satz. Damit soll im Land der "égalité" nun auch für Homosexuelle die Gleichheit gelten, inklusive Adoptionsrecht. Vor allem dieser Punkt brachte die "fraternité", die Brüderlichkeit im Land schwer ins Wanken. Der zunächst von Kirchen und Konservativen getragene Widerstand griff rasch um sich.

Zu Hunderttausenden auf der Straße

Zum zentralen Aktionstag im Januar in Paris trommelten die Gegner nach eigenen Angaben mehr als eine Million Unterstützer zusammen. Die Polizei zählte allerdings nur 340.000 Teilnehmer. Den Aufstand des konservativen Frankreichs wollten die Befürworter nicht auf sich sitzen lassen. Zwei Wochen später gingen 125.000 Menschen (nach Polizeiangaben) oder 400.000 (laut Veranstalter) für Schwule und Lesben auf die Straße.

Im April wird sich nun die zweite Parlamentskammer, der französische Senat, mit dem Gesetzestext befassen. Allerdings haben die regierenden Sozialisten zusammen mit ihren verbündeten Parteien auch dort eine Mehrheit.

rb/se (afp, dpa, ap)