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Kultur

Hommage an Richard Meier

Richard Meier ist ein Superstar der Architektur. Vor fünf Jahren wurde das von ihm entworfene Arp Museum eingeweiht. Nun stellt eine Ausstellung dort sein Werk vor. Richtig los ging seine Karriere in Deutschland.

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Richard Meier - Building as Art im Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Richard Meier scheint der Rummel um seine Person etwas unangenehm. Doch auch mit 77 Jahren lässt er es sich nicht nehmen, "seinem" Museum persönlich zum fünften Geburtstag zu gratulieren. Auf einen Stock gestützt spaziert er durch seine eigene Ausstellung. Das größte Exponat dabei ist das Gebäude selber, das Meier nach fünf Jahren zum ersten Mal wieder betritt. Es käme ihm vor, als sei er nie weggewesen, sagt er und lässt dabei seinen Blick über den Rhein schweifen, der in Rolandseck eine leichte Kurve macht. Die Lage des Museums beeindruckt bei jedem Besuch aufs Neue. Wer aus dem historischen Bahnhof Rolandseck aus dem Zug steigt, muss erstmal seinen Kopf verrenken, um den versteckt zwischen Bäumen liegenden Kunst-Kubus überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Den besten Blick auf den schneeweißen Bau, der an eine riesige Villa erinnert, haben wohl die Rheinschiffer vom Wasser aus.

Karrierestart in Deutschland

Richard Meier bei der Eröffnung des Arp Museums Bahnhof Rolandseck, 2007 Copyright: Piehlmedia

Richard Meier - einer der ersten Stararchitekten

Der kleine Ort Rolandseck ist einundvierzig Minuten vom Kölner und fünfzehn Minuten vom Bonner Hauptbahnhof entfernt. Er hat damit zwar noch keinen Bilbao-Effekt erzielt, also mit seinem spektakulären Museumsbau Mengen von kunstinteressierten Besuchern angezogen, aber unter Architekten gilt das Gebäude als eines der orignellsten in Deutschland. Entstanden ist das Arp-Museum einst mit Ausgleichsgeldern des Bundes, einer Entschädigung für den Wegzug der Regierung von Bonn nach Berlin.

Die Ausstellung gleicht einem Zickzack-Parcours durch Meiers Schaffen. Der Schwerpunkt liegt auf den Museumsbauten: Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt, Kunstmuseum Baden Baden, Paul Getty Center Los Angeles, Museum für Moderne Kunst in Barcelona - und dem Arp Museum.

Allein 14 Projekte realisierte Meier in Deutschland. Als 1984 das Museum für Kunstgewerbe in Frankfurt eröffnete, wurde es schnell zum Wallfahrtsort für Architekturfans. Meier selber spricht von "Glück", wenn er sich an diese Zeit zurückerinnert: "Beim Museum für Kunstgewerbe habe ich den Wettbewerb gewonnen. Danach wurde ich eingeladen, an weiteren Wettbewerben teilzunehmen. In Deutschland gibt es eine großartige Bautradition und ein ausgeprägtes Bewusstsein für Architektur. In vielen anderen Ländern sucht man danach vergeblich."

Die Museumsbauten werden seinen privaten Villen aus den 60er und 70er Jahren gegenübergestellt. Die öffentlichen Projekte spielten in seinem Werk die wichtigste Rolle, sagt Meier, weil sie vielen Menschen zur Verfügung stünden. "Sie können benutzt werden. Eigentlich möchte ich mit meinen Bauten viele erreichen. Die Museumsbauten etwa haben ein eigenes Leben, das weitergeht und sich ständig verändert, weil sich das Publikum auch weiter verändert."

Weltmeister des Bauens

Stadthaus Ulm, Ulm Fotograf: Scott Frances ESTO

Stadthaus Ulm

Richard Meier ist Teil der legendären New York Five: der fünf Architekten, die sich der Erneuerung der Moderne verschrieben haben. Rund 250 Gebäude hat der Architektenstar auf der ganzen Welt realisiert. Wie 15 der wohl berühmtesten entstanden sind, dokumentiert nun die Ausstellung "Building as Art" im Arp Museum Rolandseck. Meier interessiert sich vor allem für die Offenheit, die fließenden Übergange der Räume, aber auch für die Klarheit der Formen von Le Corbusier. Außen und Innen gehen auch in seinen Bauten eine Symbiose ein. Sie fügen sich in die räumliche Umgebung ein, ohne sich aufzudrängen.

Schätze aus dem Privatarchiv

Selbstgebaute Holzmodelle, die aus Meiers Privatmuseum stammen und vorher noch nicht öffentlich gezeigt wurden, dokumentieren die Planungsphasen. Zum Beispiel auch die verworfenen Ideen für das Arp-Museum. Zunächst sollte eine überirdische Brücke den Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert mit dem schneeweißen Meier-Bau verbinden. Aus technischen Gründen wurde darauf verzichtet. Stattdessen gibt es nun einen Tunnel.

Auch beim Getty Center in Los Angeles, das in die Berge von Santa Monica hineingebaut ist, spielt der Weg zum Museum eine zentrale Rolle: die Besucher steigen in eine Schienenbahn, um zu den Gebäuden hinaufzufahren.

Museum für Zeitgenössische Kunst, Barcelona Fotograf: Scott Frances ESTO

Museum für Zeitgenössische Kunst, Barcelona

Ein weiteres Markenzeichen der Meier-Bauten: mit Ausnahme des Getty Centers sind alle weiß. Der Amerikaner möchte die Natur und ihre sich ständig ändernden Farben einbeziehen. Die Farbe weiß mache das möglich. "Weiß filtert Farbe. Weiß reflektiert Farbe und die Umgebung. Weiß lässt Farbe leben. An einem trüben Tag ist sie anders als an einem sonnigen. Die Menschen sollen die Farben, die sie umgeben, sehen und wertschätzen können."

Die Ausstellung zeigt neben Modellen auch zahlreiche Fotos und Entwurfsskizzen. Sie zeigt, welche Themen Meiers Architektur wie ein roter Faden durchziehen: Weg, Licht, Farbe, Proportion und Kontext. Architektur ist für den Amerikaner auch Kunst: Sie ist wie eine Skulptur, die sich dem Betrachter immer wieder von einer anderen Seite zeigt.

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