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Politik

Home Run

Hier in den USA klingelt abends öfter mal das Telefon und man wird aufgefordert, für Kinder, Krebskranke oder Veteranen zu spenden. Ich kann die Feuerwehrmänner empfehlen. Da gibt's Baseballkarten als Dankeschön.

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Fernschreiber Christina Bergmann

Auch wenn ich konsequent alle milden Gaben per Telefon ablehne - dies bei den Feuerwehrmännern unseres Bezirks zu verweigern, brachte ich nicht übers Herz. Feuerwehrmänner sind in den USA, nicht nur seit dem 11. September, echte Helden. Außerdem weiß man ja nie, ob's nicht bei einem selbst mal brennt.

Für unsere Spende bekamen wir also Karten für ein Baseballspiel und so fuhren wir am vorletzten Samstag nach Baltimore. Die Orioles spielten gegen die Arizona Diamondbacks.

Zuckerwatte und Schaumgummihand

Die erste Frage stellte sich schon vor dem Stadion: Wo parken? Ein paar nette Herren mit orangefarbige Westen wiesen uns ein. Sie verlangten zehn Dollar für einen Platz neben ein paar Garagenschuppen. Unser Sohn bemerkte: "Wenn die nicht die Westen anhätten, könnte man sie auch für Gangster halten." Eine Quittung gab es nicht. Bis ein Uhr, hieß es, sei der Platz bewacht.

Vorbei an Drahtzäunen und Autobahnbrücken ging der Weg zum Stadion. Wir waren spät dran, aber viele andere auch. Offenbar muss man nicht unbedingt pünktlich kommen. Wir kauften rot-blaue Zuckerwatte, die selbst unserem Sohn zu chemisch schmeckte, und eine riesige orangene Schaumgummihand zum Anfeuern.

Kiss Cam

Das Spiel fanden wir ziemlich spannend. Im zweiten und im dritten Inning machten die Diamondbacks fünf Punkte, "unsere" Orioles nur einen. Aber so ein Spiel geht über mindestens neun Innings, also war noch Zeit. Die Kulisse war toll, über dem Stadion schien die untergehende Sonne auf Baltimore. Bier und Eis konnte man am Platz kaufen, für Pizza und Pommes musste man zum Snackstand gehen. Wir saßen zwar weit oben aber dafür zentral und hatten einen guten Überblick.

In den Pausen gab es Unterhaltung auf der großen Leinwand, zum Beispiel die "Kiss Cam": Die Stadion-Kamera fing Paare aus dem Publikum ein, die sich schnell küssen mussten, wenn sie sich erkannten. Fast alle machten mit.

Feuerwehrmänner und Parkwächter

Im sechsten und siebten Inning holten die Orioles auf, es stand 5:4 für die Gäste. Das Maskottchen der "Goldamseln", ein orange-schwarzer dicker Vogel, hüpfte in Menschengröße vor den untersten Rängen auf und ab. Das achte Inning war um, noch immer stand es 5:4. Und dann verließen die ersten Zuschauer das Stadion. Hatten wir was verpasst? Der Rückstand war doch noch einzuholen!

Der Ball ist rund und ein Spiel hat 90 Minuten oder so! Doch als die Diamondbacks dann am Schlag waren, ging uns ein Licht auf: Der Werfer der Orioles war eine absolute Niete. Er warf entweder daneben oder gab die Vorlagen für die Home Runs der anderen. Wir blieben bis zum bitteren Ende, das 8:4 für die Gäste lautete. Zwei Tage später wurde übrigens der Trainer der Orioles gefeuert.

Den Rückweg zum Auto unter den unbeleuchteten Betonpfeilern legten wir zügig zurück. Einen Parkplatzwächter haben wir nicht gesehen, dafür stand der Kofferraum unseres Wagens offen. Gefehlt hat zum Glück aber nichts. Wir fahren bestimmt noch mal zu einem Baseballspiel in Baltimore, auch ohne Spende an die Feuerwehrmänner. Parken tun wir dann aber woanders.

  • Datum 28.06.2007
  • Autorin/Autor Christina Bergmann
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  • Permalink http://p.dw.com/p/B7AC
  • Datum 28.06.2007
  • Autorin/Autor Christina Bergmann
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