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Projekt Zukunft

Holzproduktion in der Agrarwirtschaft

zum Thema Holzproduktion in der Agrarwirtschaft

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DW:

Schnell wachsende Energiebäume- das klingt einfach großartig. Ist das die Lösung für die Energieversorgung der Zukunft?

Volker Quaschning:
Das ist ein Teil der Lösung. Biomasse ist ein wichtiger Rohstoff, den wir verwenden können, auch für die Energiewende. Wir brauchen dafür einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien, den wir in den nächsten Jahren aufbauen müssen. Und derzeit ist Biomasse in Deutschland der wichtigste Anteil im Bereich der erneuerbaren Energien, der Energieversorgung insgesamt.

Wobei die Biomasse ein wenig in Verruf geraten ist, gerade was die Konkurrenz zu den Nahrungsmitteln betrifft. Da ist es doch mit den Bäumen erheblich besser bestellt?

Wir haben hier in Deutschland zum Beispiel die Diskussionen um das E10 gehabt: wo wir Treibstoffe anbauen und versuchen, aus Getreide Treibstoff herzustellen. Und da hat man natürlich die Konkurrenz zu den Nahrungsmitteln und zur Energiepflanzenproduktion. Das ist bei diesen Pflanzen natürlich nicht gegeben. Auch der Anbau bei diesen Pflanzen ist wesentlich nachhaltiger. Ich brauche nicht so viel Dünger und kann die Natur besser schonen. Insofern ist es durchaus eine interessante Alternative zu den bestehenden Biomassepflanzen.

Dass man so viel Dünger und Energie bei normalen Biomassepflanzen einbringen muss, war natürlich einer der konkretesten Kritikpunkte. All das hat man bei den Bäumen nicht. Bedeutet das, dass die Ökobilanz hier sehr gut aussieht?

Die Ökobilanz der Pflanzen ist relativ gut. Man muss sich auf der anderen Seite natürlich überlegen: wenn wir 100% erneuerbare Energien hier in Deutschland erreichen wollen, was kann man mit Biomasse machen? Da kommt man zu dem Schluss, dass es mit diesen Pflanzen auch nicht gelingen wird, weil wir dafür nicht genügend Anbauflächen haben. Das heißt, dass das Problem die Anbauflächen sind. Anbauen und nutzen kann man aber auf eine nachhaltige Art und Weise machen.

Wobei natürlich auch Bäume Wasser brauchen. Wir wissen, dass man im Osten Deutschlands sowieso schon häufig Probleme mit Wassermangel hat. Wie sieht es damit aus?

Die Bäume werden nicht extra gegossen und bewässert. Da gibt es andere Pflanzen in Deutschland, die im Anbau wesentlich problematischer sind.

Insgesamt spielt das ja alles im Felde des Klimawandels. Wir wollen den Klimawandel noch ausbremsen. Welchen Nutzen kann das tatsächlich haben, solche schnell wachsenden Bäume anzupflanzen?

Wir sehen in Deutschland langfristig einen Anteil von 15% bis 20%, den die Biomasse durchaus leisten kann. Und davon wird natürlich nur ein kleinerer Bruchteil bei diesen Pflanzen sein. Das heißt, wir sehen den Anteil, den diese Pflanzen im Bereich der Energieversorgung decken können, im einstelligen Prozentbereich. Aber es ist durchaus eine interessante Option, die man hier nicht vernachlässigen sollte.

15% bis 20%, das heißt vier Fünftel fehlen immer noch. Wie decken wir diesen energetischen Bedarf ab?

Da kommen wir bei der Biomasse auf den Wirkungsgrad. Man kann mal ausrechnen, wie viel Sonnenenergie durch die Pflanze selber in Energie umgewandelt wird. Eine Biopflanze ist im Prinzip eine Art der Sonnenenergieproduktion in Energieproduktion - also eine Umwandlung. Und da ist der Wirkungsgrad von Pflanzen mit unter 1% sehr schlecht.

Wir haben bei den Solarzellen um die 20%.

Genau. Deswegen ist es da interessant, wenn ich wirklich einen großen Anteil an erneuerbaren Energien brauche, dann brauche ich Technologien, die es schaffen, vom Potenzial in Deutschland einen großen Anteil zu haben. Und da sehen wir die größten Chancen bei der Solar- und Windenergie.

Und Sie sind zuversichtlich, dass wir bis 2050 uns komplett umgestellt haben?

Ich hoffe, dass uns das schon vorher gelingt. Da brauchen wir aber einen intelligenten Mix. Biomasse, Solarenergie und Windenergie. Ich denke, wenn wir das interessant aufbauen, ist das 2040 bis spätestens 2050 möglich.

Interview: Ingolf Baur