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Europa

Holzner: "Mehr Sicherheit bei der Gasversorgung"

Europa braucht Gas und das soll zukünftig auch aus Aserbaidschan kommen - mit Hilfe der Trans-Adria-Pipeline. Ein wichtiger Schritt für die Energieversorgung, sagt EU-Vertreterin Marlene Holzner im DW-Interview.

DW: Wie bewerten Sie die Entscheidung des Shah Deniz II Konsortiums, Gas nach Westeuropa durch die TAP (Trans-Adria-Pipeline) zu liefern, die vom Kaspischen Meer über Griechenland und Albanien durch die Adria bis zum Süden Italiens und dann von dort weiter nach Westeuropa verläuft?

Marlene Holzner: Wir sind sehr froh, dass das Konsortium die Entscheidung getroffen hat, künftig Gas direkt von Aserbaidschan nach Europa zu liefern. Das ist das erste Mal in der Geschichte, dass wir das bekommen, und wir begrüßen, dass das durch die TAP passiert. Aus der Sicht der EU ist es wichtig, dass wir zusätzlich zu unseren Partnern wie Russland oder Norwegen noch andere Gaslieferanten haben werden. Ob die Pipeline in Süditalien endet oder im österreichischen Baumgarten, ist für die EU nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass wir intern so viele Pipelines haben, dass Gas, welches direkt aus Aserbaidschan ankommt, dorthin weitergeleitet werden kann, wo es gebraucht wird.

Wird dadurch die Unabhängigkeit der Energieversorgung in Europa verbessert?

Wir haben seit ungefähr zehn Jahren eine Diversifizierungsstrategie. Deren Ziel ist, zusätzlich zu den Partnern, die wir jetzt haben, und von denen wir jetzt Gas bekommen, neue Länder zu erschließen. Ein Teil dieser Strategie war es, aus der kaspischen Region Gas zu bekommen. Da verhandeln wir seit über zehn Jahren und haben jetzt zum ersten Mal die Zusage, dass es auch passiert. Wir werden aber etwa gleich viel Gas importieren aus Norwegen und auch aus Russland. Wir glauben, dass dieses "Mehr" an Gas, das wir brauchen werden, im Jahr 2030 und über die Zeit hinaus, durch Gas aus der kaspischen Region abgedeckt werden kann - aus Aserbaidschan, vielleicht Turkmenistan oder künftig auch Irak.

Die EU-Kommission hat die Entscheidung begrüßt und sprach von mehr Versorgungssicherheit und Liquidität für Europa. Was heißt das konkret?

Versorgungssicherheit heißt, dass wir im Falle einer Gaskrise - wie zuletzt 2006 oder 2009 - innerhalb der EU so viel Gas haben, auch von anderen Quellen, um sicherstellen zu können, dass jeder mit Gas versorgt wird. Wir sind der Meinung, dass der Gasmarkt ein Markt wie alle anderen ist. Deswegen hätten wir gerne mehrere Lieferanten und so viele Pipelines innerhalb der EU, dass egal was passiert, die Haushalte immer Gas bekommen können von anderen Quellen und nie unter Kälte leiden.

Die EU-Kommission hat am Anfang auch das Nabucco-Projekt unterstützt. Jetzt hat der österreichische Energiekonzern OMV, der dieses Projekt federführend mitplante, eine Niederlage erlitten. Ist seine Investition von rund 50 Millionen Euro verloren gegangen oder kann man sie in der Zukunft doch noch rentabel machen?

Wir als EU haben immer den südlichen Korridor unterstützt, die Strategie, das Gas direkt aus der kaspischen Region zu bekommen, und kein konkretes Projekt wie Nabucco oder TAP bevorzugt. Wir waren da völlig unabhängig, welche Pipeline letztlich den Zuschlag bekommen sollte. Es ist aber in der Tat so, dass am Anfang Nabucco das einzige Projekt war, das eine komplett neue Pipeline von Georgien nach Europa vorgesehen hat. Damals hat es keine Alternative für die gesamte Strecke gegeben. Das hat sich komplett geändert, weil wir jetzt mit TAP eine Leitung haben, die innerhalb der EU und Albanien verläuft. Gleichzeitig wird eine neue Pipeline in der Türkei gebaut. Insofern macht es de facto keinen Unterschied, ob wir die ursprüngliche Version Nabucco haben oder aber TAP und TANAP. Beide bieten eine lange, neue, komplette Pipeline, eine direkte Verbindung mit Aserbaidschan. Das war für uns die Strategie des südlichen Korridors - und das haben wir jetzt auch erreicht.

Was die bisherigen Kosten von Nabucco angeht: Das sind keine öffentlichen Gelder, sondern Gelder der beteiligten Firmen, die geglaubt haben, den Zuschlag zu bekommen. Das ist kurzfristig nicht aufgegangen. Wir glauben aber, dass es in der Zukunft möglich wäre, Bedarf an zwei Pipelines zu haben. Die Variante, die wir jetzt haben, sieht vor, dass zunächst zehn Milliarden Kubikmeter pro Jahr nach Europa geliefert werden. Der Präsident von Aserbaidschan, Ilhan Aliyev, war letzte Woche in Brüssel, und hat gesagt, er hoffe, dass in Zukunft mehr Gas nach Europa transportiert und verkauft werden kann. Da könnte man in der Tat verhandeln, ob es zusätzlich zu der Leitung, die nach Süditalien über TAP geht, auch noch die zweite Pipeline geben könnte - Nabucco, die Gas nach Baumgarten in Österreich leitet.

Welche Nachteile sind mit TAP verbunden für die Länder Bulgarien oder Rumänien?

Unser Ziel war und ist immer, dass gerade diese Länder, die zu fast hundert Prozent von einem Gaslieferanten abhängig sind, auch von  Aserbaidschan Gas bekommen. Die Tatsache, dass die Pipeline jetzt nicht durch diese Länder geht, heißt nicht, dass sie dieses Gas nicht bekommen könnten: Zum Beispiel gibt es jetzt eine Pipeline, die von Griechenland nach Bulgarien geht. Eine zweite wird noch gebaut. Und das heißt, dass auch Bulgarien Gas von Aserbaidschan bekommen könnte, das durch die TAP-Pipeline nach Griechenland geht - und von dort dann nach Bulgarien.

Marlene Holzner ist die Pressesprecherin des EU-Energiekommissars Günter Oettinger.

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