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Deutschland

Holocaust-Symbol in Dachau verschwunden

Im ehemaligen Vernichtungslager Dachau bei München ist die historische Tür mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" gestohlen worden. Es ist nicht das erste Mal, dass Diebe ein Holocaust-Symbol entwenden.

Durch diese Tür sind in Dachau während des Nationalsozialismus täglich Häftlinge ins Konzentrationslager hineingegangen. Deshalb gilt sie als das zentrale Symbol für den Leidensweg der Gefangenen. Der zynische Schriftzug "Arbeit macht frei" gilt als Beispiel für die verharmlosende Nazi-Propaganda und für das unvorstellbare Leid der KZ-Häftlinge. Er ist mit der Vernichtung von Millionen Menschen verbunden.

Noch keine Hinweise auf Täter

Die zuständige Kriminalpolizei fahndet nach den Dieben. Zurzeit gehen die Ermittler davon aus, dass mehrere Täter am Werk gewesen sein dürften. Die gestohlene schwarze schmiedeeiserne Tür ist groß und schwer, sie wurde wahrscheinlich mit einem Fahrzeug abtransportiert. In der Dachauer Gedenkstätte gibt es keine Videokameras, das Gelände wird aber 24 Stunden von einem Sicherheitsdienst überwacht. Doch das Areal ist weitläufig.

Die Täter haben wahrscheinlich die Zeit zwischen den Kontrollgängen des Sicherheitspersonals genutzt, so die Polizei. "Wir ermitteln in alle Richtungen. Ein Neonazi-Hintergrund kann genauso wenig ausgeschlossen werden wie ein irrer Sammler", erklärt ein Sprecher der Polizei.

Eine Frau geht durch das Tor zum ehemaligen Konzentrationslager in Dachau. Am Haupteingangstor fehlt nun die Tür. Foto: dpa

Vor und nach dem Diebstahl: Die gestohlene Tür war Teil eines größeren Eingangstors

"Angriff auf das Erinnern"

"Das ist eine neue Qualität der Schändungsenergie", sagt die Leiterin der Dachauer KZ-Gedenkstätte, Gabriele Hammermann. Es sei der bisher "schwerste Angriff auf den Gebäudebestand der Gedenkstätte". Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, bezeichnet das Ereignis als "schändliche Tat". Der Diebstahl sei ein "Anschlag auf das geistige Herz der Gedenkstätte", so der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle. Er ist überzeugt, dass die Tat einen "ideologisch motivierten Hintergrund" habe.

Auch der Leiter der KZ-Gedenkstätte im polnischen Auschwitz, Piotr Cywinski, verurteilt den Diebstahl: "Das ist ein Angriff auf ein Symbol, ein Angriff auf das Erinnern". In seiner Stellungnahme heißt es weiter: "Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager begann in Dachau." Dort seien auch die Grundlagen für Auschwitz und die anderen Todeslager gelegt worden.

Modell für Nazi-Vernichtungslager

Dachau gilt weltweit als Symbol der Verbrechen des Nationalsozialismus. Adolf Hilter war erst wenige Wochen an der Macht, als im März 1933 in der kleinen Gemeinde Dachau, nördlich von München, das erste deutsche Konzentrationslager entstand. Es wurde zum Modell für die zahlreichen später errichteten Konzentrationslager.

In Dachau wurden zuerst politische Gegner des Nazi-Regimes inhaftiert, später folgten Kriminelle, Sinti und Roma, Homosexuelle und vor allem Juden. Arbeitsfähige Häftlinge wurden als Zwangsarbeiter im Straßenbau oder in Kiesgruben eingesetzt, nach Kriegsbeginn vor allem in der Rüstungsindustrie.

Befreiung aus dem KZ Dachau 1945

Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch US-Truppen

Von 1933 bis 1945 waren in Dachau insgesamt mehr als 206.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. Mehr als 41.000 überlebten Terror und Zwangsarbeit nicht - fast so viele, wie die Stadt Dachau Einwohner zählt. Die Gefangenen des Konzentrationslagers Dachau wurden am 29. April 1945 von der US-Armee befreit. An jenem Tag befanden sich 32.335 Menschen im Lager.

Die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager entstand 1965, erst 20 Jahre nach der Befreiung. Viele Menschen in Dachau litten darunter, dass der Name ihrer Stadt für immer mit unvorstellbaren Gräueltaten verbunden sein wird. Jahrzehntelang fuhren zum Beispiel schwangere Frauen zur Entbindung lieber in Münchener Krankenhäuser, um den Kindern den Ort "Dachau" in der Geburtsurkunde zu ersparen.

Ähnlicher Diebstahl in Auschwitz

Im Dezember 2009 haben Diebe im Auftrag schwedischer Neonazis schon einmal den Schriftzug "Arbeit macht frei" über dem Eingangstor des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz in Polen gestohlen. Ihre Tat sorgte weltweit für Empörung. Die Diebe zersägten den Schriftzug in drei Teile und vergruben ihn in einem Wald. Schon drei Tage später wurden mehrere Tatverdächtige gefasst. Der schwedische Auftraggeber des Diebstahls wurde später zu knapp drei Jahre Haft verurteilt.

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