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Politik

Holocaust-Mahnmal in Berlin eingeweiht

Fast zwei Jahrzehnte nach Planungsbeginn ist das Holocaust-Mahnmal eröffnet worden. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse betonte, die Gedenkstätte sei ein Bekenntnis des geeinten Deutschlands zu seiner Geschichte.

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Teil des Mahnmals: der "Ort der Information"

Bei einer Zeremonie mit 1500 Gästen aus aller Welt sagte Thierse am Dienstag (10.5.2005) in Berlin, das Stelenfeld erinnere an "das entsetzlichste der Verbrechen Nazi-Deutschlands" und sei keinesfalls "der steinerne Schlusspunkt" unter die Aufarbeitung dieser Vergangenheit. Er erwarte, dass das Mahnmal eine "große emotionale Kraft entfalten" werde, betonte Thierse. Er hoffe, dass gerade junge Menschen davon berührt werden und fragend den Ort der Information aufsuchten.

An der Eröffnung nahmen auch Bundespräsident Horst Köhler und Kanzler Gerhard Schröder teil. Über das Mahnmal war 17 Jahre teils sehr kontrovers diskutiert worden. Es liegt in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores und besteht aus einem 19.000 Quadratmeter großen Stelenfeld und einem unterirdischen "Ort der Information". Dort werden die Besucher über Verfolgung und millionenfache Ermordung der Juden unterrichtet.

Authentische Orte nicht vernachlässigen

Holocaust Mahmal in Berlin - Galerie

Rote Rosen am Bauzaun, der das Holocaust-Mahnmal einzäunt.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, warnte davor, die authentischen Orte des Erinnerns zu vernachlässigen. Es wäre "nicht nur bedauerlich, sondern geradezu skandalös, wenn die Gedenkstätten langfristig einen Preis für die Errichtung des Holocaust-Mahnmals zu zahlen hätten", sagte er. "Ohne die historische Erinnerung, ohne die authentischen Vernichtungsorte wird auf Dauer jedes abstrakte Denkmal seine Wirkung als Zeichen gegen das Vergessen verlieren." Das Mahnmal entziehe sich der Frage nach dem "Warum" und enthalte sich jeder Aussage über die Schuldigen, sagte Spiegel. Zugleich sprach der Präsident von einem "wichtigen und notwendigen Signal im Kampf gegen das Vergessen".

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas sei zwar kein authentischer Ort, sagte Spiegel. "Und doch hoffe ich, dass dieses Denkmal Herz und Gewissen jeder Besucherin und jedes Besuchers erreicht." Spiegel kritisierte, dass das Denkmal zwar die Opfer ehre, aber nicht auf die Täter verweise. "Die Täter und Mitläufer von einst und deren heutige Gesinnungsgenossen müssen sich beim Besuch des Denkmals nicht unmittelbar angesprochen fühlen." Trotz der Einwände unterstütze er das Projekt, sagte der Zentralratspräsident. "Möge es dazu beitragen, jene Erinnerung wach zu halten, die mit dem Verstummen der Zeitzeugen zu verblassen droht."

Dauerhaftes Gedächtnis

Der Architekt des Mahnmals, Peter Eisenman, betonte das Denkmal solle ein "dauerhaftes Gedächtnis" an die ermordeten Juden Europas schaffen. Er habe mit dem von ihm entworfenen Stelenfeld nicht provozieren wollen, sagte er bei der Einweihung. Er habe vielmehr etwas vermitteln wollen von dem Leid der verfolgten und ermordeten Juden. "Diese Einfachheit ist es vielleicht, die es zur Provokation macht", sagte Eisenman.

Bildgalerie Holocaust Gedenkstätte Luftaufnahme des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas

Luftaufnahme des Mahnmals

Die Erfahrung des Baus eines solchen Mahnmals sei "demütigend, sie erschafft Demut", sagte Eisenman. "Ich bin meinem Jüdischsein ein Stück näher gekommen." Er sei New Yorker, aber: "Von heute an ist ein Teil meiner Seele immer hier in Berlin." (mik)

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