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Kultur

Holocaust: Erste Ausstellung in China

Mit dem Zweiten Weltkrieg verbinden die meisten Chinesen die von Japan verübten Gräuel im eigenen Land. Nun widmet sich eine Ausstellung in Peking erstmals dem Holocaust in Europa.

Bildnummer: 54298211 Datum: 15.08.2010 Copyright: imago/Xinhua (100815) -- BEIJING, Aug. 15, 2010 (Xinhua) -- visit the reopend Museum of the War of Chinese s Resistance Against Japanese Aggression in Beijing, capital of China, Aug. 15, 2010. After a 17 days maintenance, the Museum of the War of Chinese s Resistance Against Japanese Aggression reopened to the public on the 65th anniversary of China s victory in the War of Resistance Against Japanese Aggression Sunday. (Xinhua/Luo Xiaoguang) (xzj) CHINA-BEIJING-MUSEUM OF THE WAR OF CHINESE S RESISTANCE AGAINST JAPANESE AGGRESSION-REOPEN (CN) PUBLICATIONxNOTxINxCHN Gesellschaft kbdig xkg 2010 quer o0 Widerstand Japan

China Kriegsmuseum in Peking Archiv 2010

Jia Jin Na betrachtet Aufnahmen, die abgemagerte Juden bei der Zwangsarbeit zeigen. "Ich wusste nicht genau, was in Europa damals passiert ist", sagt die 29-jährige Ärztin: "Wir haben in der Schule zwar auch über den Zweiten Weltkrieg gelernt, aber da ging es meistens um die Invasion der Japaner in China. Ich sehe diese Bilder zum ersten Mal. Ich hatte keine Ahnung, dass es in Europa so schlimm war."

China betont die eigene Opferrolle

Die Sonderschau "Auschwitz - Todeslager der Deutschen" wird in Pekings Staatlichem Museum zu Chinas Widerstandskrieg gegen Japan gezeigt. Es ist das erste Mal, dass sich ein Museum in der Volksrepublik derart eindringlich mit dem Holocaust beschäftigt.

Ich dachte, nur Japaner könnten so grausam sein: Ein Pekinger Museum zeigt den Albtraum des Konzentrationslagers von Auschwitz. Damit soll der Blick Chinas auf den Zweiten Weltkrieg erweitert werden. Foto: Johnny Erling, Korrespondent von Der Welt in Peking. http://www.welt.de/kultur/article118070840/Das-Grauen-von-Auschwitz-ueberrascht-die-Chinesen.html

"Ich dachte, nur Japaner könnten so grausam sein": Ein Pekinger Museum zeigt den Albtraum des Konzentrationslagers von Auschwitz.

Die Ausstellung befindet sich in zwei Räumen in einem gewaltigen Bau, in dem sonst vor allem die von Japan verübten Kriegsverbrechen an Chinesen dargestellt werden. Historische Fotos zeigen ausgemergelte Körper von Gefangenen im Vernichtungslager Auschwitz. Man erkennt die Todesrampe und die Baracken, in denen die Häftlinge von den Nationalsozialisten zusammengepfercht sind.

Modelle von Verbrennungsöfen

Peking hat während der vergangenen Jahre vor allem seine eigene Opferrolle während des Zweiten Weltkriegs betont. Ein Besuch im Museum über Chinas Krieg gegen Japan gehört zum Standardprogramm, wenn chinesische Schüler die Hauptstadt Peking besuchen. Über die Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten wissen viele Chinesen hingegen so gut wie nichts. "Ich denke, dass es wichtig ist, dass die Chinesen auch erfahren, was in Deutschland passiert ist", sagt Li Zongyuan, der Vizedirektor des Museums. "Damals mussten nicht nur die Chinesen leiden, sondern auch die Juden und anderen Völker in Europa. Wir sollten auch wissen, was in anderen Teilen der Welt passiert ist."

Anne Frank, eigentlich Annelies Marie Frank (1929-1945), jüdisches deutsches Mädchen, das 1934 mit seinen Eltern in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen und kurz vor dem Kriegsende dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer fiel.

Auch Anne Frank ist in der Holocaust-Ausstellung in Peking zu sehen. Das jüdische Mädchen wurde von den Nazis ermordet. Durch ihr Tagebuch wurde sie später weltberühmt

Zusammengestellt wurde die Schau vom "Staatlichen Museum in Auschwitz-Birkenau" auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers. Hunderte Dokumente und Fotos zeigen den brutalen Alltag in den Lagern, die Menschenversuche. Damit die Besucher auch tatsächlich verstehen, wie die Todesmaschinerie funktoniert hat, wurden Modelle der Auschwitzer Verbrennungsöfen nachgebaut.

Shanghai - letzte Rettung für 20.000 Juden

Doch in der Ausstellung geht es nicht nur um den Holocaust. Ein weiteres Thema ist die besondere Rolle, die China damals für Tausende verfolgte Juden gespielt hat. "Denn während die meisten Länder trotz der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in den 1930er Jahren keine Juden aufnahmen, konnten rund 20.000 von ihnen ohne Visum nach Shanghai einreisen", erklärt Li Zongyuan. Im Pekinger Museum kann man Fotos aus dem Shanghaier Judenviertel betrachten. Dabei sind auch Geschäfte mit deutschem Schriftzug zu sehen. Alte Reisepässe von geflohenen Juden liegen in Glasvitrinen.

Das Pekinger Museum hat bereits in den vergangenen Jahren den Blick auf den Zweiten Weltkrieg erweitert. Die Besucher konnten lernen, was Russland oder Korea widerfahren ist. Für viele Chinesen ist das ein neuer, höchst ungewöhnlicher Blick auf die Vergangenheit. Bereits im kommenden Jahr können sie sich erneut über die deutsche Vergangenheit informieren. Dann wird eine vom Deutschen Historischen Museum in Berlin kuratierte Schau gezeigt: Unter dem Titel "Hitler und die Deutschen", beschäftigt sie sich mit der Begeisterung der Deutschen für den Diktator während des Nationalsozialismus.

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