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Europa

Holocaust-Überlebende fordern Entschädigung

Eine Gruppe von israelischen Holocaust-Überlebenden und deren Nachfahren planen eine Milliardenklage gegen die Republik Österreich. Sie fordern Entschädigungen für ihr von den Nazis entrissenes Vermögen.

Symbolbild eines Konzentrationslagers mit der Aufschrift Arbeit macht frei und der israelischen Flagge (Foto: DW-Montage)

Werden die Holocaust-Überlebenden ausreichend entschädigt?

Mit dem Einmarsch Adolf Hitlers in Wien im März 1938, der von vielen Österreichern bejubelt wurde, begann der Alptraum für die 200.000 Juden der Stadt. Viele wurden aus ihren Häusern vertrieben, ihr Vermögen konfisziert, bevor sie von den Nationalsozialisten in die Konzentrationslager abtransportiert und dort ermordert wurden. Seit Jahrzehnten kämpfen Holocaust-Überlebende und ihre Nachfahren für eine Entschädigung oder Ausgleichszahlungen durch den österreichischen Staat. Im Jahr 2001 gab die österreichische Regierung zu, dass ihre vorhergehenden Bemühungen um Entschädigung nicht ausreichend gewesen seien. Sie unterzeichnete das so genannte "Washingtoner Abkommen" mit den USA, dass den Geschädigten eine Gesamtsumme von 146 Millionen Euro - etwa 210 Millionen US-Dollar - zuspricht.

Entschädigung als "lächerlich" empfunden

Stacheldrahtzaun vor dem Konzentrationslager Buchenwald (Foto: DPA)

Ravivs Vater war im Konzentrationslager Buchenwald

Das sei nur ein Bruchteil des ursprünglichen Vermögens, sagt Martha Raviv, israelische Sprecherin einer Gruppe von Holocaust-Überlebenden. Martha Raviv's Vater wurde in Buchenwald ermordet. Sie selbst wird mit sieben Jahren zusammen mit ihrer Mutter nach Bergen-Belsen deportiert. Nach der Befreiung durch die Alliierten gingen die beiden 1948 nach Israel. Bis heute kämpft Martha Raviv als Anwältin für die Ansprüche österreichischer Shoa-Überlebender. Sie ist der Überzeugung, dass der österreichische Staat von dem gestohlenenen jüdischen Eigentum stark profitiert hat. "Die meisten Regierungsmitglieder wissen ganz genau, dass die Summe, die uns zugestanden wurde, lächerlich ist. Österreich steht wirtschaftlich sehr gut da und wurde reicher und reicher dank der jüdischen Vermögen aus der Zeit des Holocaust", sagte Martha Raviv im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Einige Historiker schätzen den Wert des konfiszierten Vermögens auf über zehn Milliarden Dollar. Aber jüdische Gruppen - hauptsächlich aus den USA und aus Österreich - einigten sich vor zehn Jahren mit der österreichischen Regierung auf die Schaffung eines Nationalfonds mit einem Gesamtvolumen von 146 Millionen Euro. Zu den Bedingungen des Abkommens zählte übrigens auch die Beendigung von Sammelklagen amerikanischer Gerichte gegen den Staat Österreich.

Finanziell nicht aufwiegbar

Ursula Kriebaum, Professorin für Internationales Recht an der Universität Wien, hat das Abkommen mit abgefasst. "Die Teilnehmer wurden darauf festgelegt, einen endgültigen und allgemeingültigen Beschluss zu fassen bezüglich aller Liquidationen und Beschlagnahmungen jüdischen Eigentums und Vermögens während der NS-Zeit und der Folgejahre," sagte Ursula Kriebaum im Interview mit der Deutschen Welle.

Die Anwältin Martha Raviv hofft, dass die israelische Regierung Druck auf Österreich ausüben wird, um die Entschädigungsverhandlungen neu aufzurollen. Eine Alternative für die Holocaust-Überlebenden wäre es, vor Gericht zu ziehen. Das wäre allerdings mit hohen Ausgaben verbunden, räumt die Anwältin ein. Die Jura-Professorin Ursula Kriebaum glaubt nicht, dass es eine adäquate Entschädigung gibt: "Es ist sehr schwierig, Gerechtigkeit nach über 50 Jahren herzustellen. Alle Beteiligten haben sich um ein bestmögliches Maß an Gerechtigkeit bemüht."

Die österreichische Regierung hat sich bislang nicht zu den Entschädigungsforderungen geäußert. Allerdings hat der Vorsitzende der österreichischen Grünen in einem Brief an die israelischen Holocaust-Überlebenden geschrieben, dass die Summen, die bislang an die Überlebenden gezahlt wurden, kaum die Vermögensverluste aufwiegen würden.

Autorin: Kerry Skyring/Claudia Hennen (Übersetzung)
Redaktion: Susan Houlton/dh

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