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Filme

Hollywoodstar Kirk Douglas ist 100

Kirk Douglas ist ein Kinoheld, eine echte Hollywood-Legende. Trotzdem hat er immer gegen das System Hollywood rebelliert. Der Nachwelt hinterlässt er grandiose Kinofilme. Am 09.12. wurde er biblische 100 Jahre alt.

"Was, der lebt noch?", lautet die erste Reaktion, wenn die Rede auf den berühmten Schauspieler kommt. Ja, das tut er. Und erfreut sich - im Rahmen seiner mittlerweile zahlreichen körperlichen Beeinträchtigungen - nach wie vor des Lebens. Immerhin hat er zahllose Unfälle am Set, einen Hubschrauberabsturz und einen Schlaganfall überlebt.

Geboren wird Kirk Douglas am 9. Dezember 1916, in Amsterdam, einer amerikanischen Industriestadt im Staat New York. Als Issur Danielowitsch Demsky wächst er als Spross einer jüdisch-russischen Familie auf. Seine Eltern sind aus Weißrussland in die USA eingewandert, können nicht lesen und nicht schreiben. Der Vater verdient karges Geld als Lumpensammler, die Mutter kocht und ist für den Zusammenhalt der Familie zuständig. Kirk muss früh mit Gelegenheitsjobs zum Lebensunterhalt der Großfamilie beitragen. Juden ist es zu der Zeit in New York verboten zu arbeiten.

Geschichte eines Aufsteigers

Die Lebensgeschichte von Kirk Douglas, wie er sich als Schauspieler nennt, ist auch die Bilderbuchgeschichte eines Aufsteigers - der amerikanische Traum schlechthin: vom armen Zeitungsjungen zum mehrfachen Millionär.

Kirk Douglas Ace In The Hole (Imago/EntertainmentPictures)

Der junge Schauspieler Kirk am Set von "Ace in The Hole" (1951)

Der junge Kirk Douglas ist extrem ehrgeizig. Er will es zu etwas bringen. Seine Mutter hat ihm eingeschärft: "Als Jude wirst du immer doppelt so gut sein müssen, um im Leben voran zu kommen." Dank eines Stipendiums kann er ans College gehen, aber das Chemie- und Literaturstudium bricht er ab. Ihn zieht es zum Schauspiel, zum Rezitieren von starken Texten, zur Theaterbühne. Wie ein Besessener paukt er sich zwei Jahre lang durch das Schauspielstudium an der berühmten New Yorker Academy of Dramatic Arts. Mit Erfolg. Er bekommt seine erste Rolle am Broadway. Aber der Zufall will, dass er schon bald zum Film wechselt.

Filmszene Kirk Douglas mit Barbara Stanwyck in Die seltsame Liebe der Martha Ivers (Imago/Hollywood Photo Archive)

Beginn der Hollywood-Karriere mit Barbara Stanwyck

Der Zufall heißt Lauren Bacall, eine Studienfreundin von Kirk. "Einer der jungen Schauspieler gefiel mir ganz besonders: Er war ausgesprochen attraktiv, blond, blauäugig, Grübchen am Kinn und zu allem Überfluss noch sehr begabt", schreibt sie später in ihren Erinnerungen. An der Seite von Humphrey Bogart hat die junge Schauspielanfängerin bei den Studiobossen der Filmbranche gerade für Aufsehen gesorgt. Sie nutzt ihren Einfluss und vermittelt Kirk eine Rolle in dem Film "The Strange Love of Martha Ivers" ("Die seltsame Liebe der Martha Ivers").

Es wird die erste herbe Enttäuschung seines Schauspielerlebens: Er bekommt nicht die Hauptrolle, sondern nur die des schwächlichen Ehemanns von Barbara Stanwyck, damals schon ein Hollywood-Star. Aber das harte Leben eines Alkoholikers kennt Douglas von seinem Vater. Er spielt die schwierige Rolle brillant und mit ungeheurer Intensität. Das ist der Start für seine Hollywood-Karriere.

Ausnahmetalent und Selbstzweifel

Filmplakat I Walk Alone (picture-alliance/United Archiv)

"I Walk Alone" - vielleicht auch sein Lebensmotto

Der junge Schauspieler bekommt gute Kritiken. Hollywood-Produzent Hal B. Wallis, ständig auf der Suche nach vielversprechenden Talenten, bietet ihm einen Sieben-Jahresvertrag an. Aber Kirk Douglas lehnt ab, für ihn ist das ein "Sklavenvertrag". 1947 dreht er trotzdem für Wallis das Gangsterdrama "I Walk Alone" ("Vierzehn Jahre Sing-Sing"), zusammen mit Burt Lancaster - später sein einziger Freund in Hollywood. Aber getrieben von maßlosem Ehrgeiz und nervöser Ruhelosigkeit hält Douglas die Dreharbeiten mit ständigen Diskussionen auf. "Das war der Beginn meines Rufes, schwierig zu sein", schreibt er in seiner Autobiografie.

Kirk Douglas hat seinen eigenen Kopf. 1948 schlägt er ein lukratives Rollenangebot für Robert Siodmaks Dostojewsky-Adaption "Der Spieler" mit Stars wie Ava Gardner und Gregory Peck in den Hauptrollen aus. Er dreht lieber mit dem unbekannten Regisseur Stanley Kramer den Film "Champion" ("Zwischen Frauen und Seilen", 1949). Die Rolle des rücksichtslosen Berufsboxers, der mit sich und anderen keine Gnade kennt, ist sein endgültiger Durchbruch als Schauspieler.

Dass er aus bettelarmen Verhältnissen kommt, spornt ihn doppelt an. Er arbeitet hart, spielt in seinen Filmen mit Vorliebe Männer, die sich durchkämpfen müssen, sich behaupten und für ihre Ziele skrupellos zu jedem Mittel greifen, das Erfolg verspricht: Schurken, Idealisten, Wahnsinnige.

Erfolg und Misserfolg

Kirk Douglas mit Stanley Kubrick (imago)

Als Schauspieler und Produzent mit Regisseur Stanley Kubrick

Die Verfilmung der Lebensgeschichte des Malers Vincent van Gogh ("Lust for Life", 1956) bringt Douglas als Vollblutschauspieler erstmals an seine Grenzen - und seine erste Oscarnominierung. "Das war der quälendste und schmerzlichste Film, den ich je gemacht habe", bekennt er später. Den Oscar bekommt in diesem Jahr Yul Brynner. Kirk Douglas wird diese Enttäuschung sein Leben lang nicht verwinden: Er hat nie einen Oscar für eine Filmrolle bekommen - allerdings 1996 für sein Lebenswerk.

Hollywood mag ihn nicht - trotz seiner Erfolge. Er ist eigensinnig, starrköpfig und ordnet sich nicht dem Regelwerk der allmächtigen Studiobosse unter. 1958 gründet er seine eigene Produktionsfirma "Bryna Productions". Für die Rolle des Produzenten fehlen ihm allerdings Geduld und das nötige Fingerspitzengefühl. Seine Ehe mit der amerikanischen Schauspielerin Diana Dill ist längst zerbrochen, die zweite Frau an seiner Seite ist eine Deutsche: Anne Buydens, klug und versiert im Filmgeschäft und seine Stütze bis heute. "Das klingt vielleicht kitschig, aber wir haben uns tatsächlich mehrfach gegenseitig das Leben gerettet", sagt sie 2004 in einem Interview.

Rebell und Pionier

Sein Spektrum als Schauspieler ist enorm: Kirk Douglas dreht politisch engagierte Streifen wie "Wege zum Ruhm" (1957) - ein kritisches Anti-Kriegs-Drama über die Schlachten des Ersten Weltkriegs, das jahrzehntelang in Frankreich nicht gezeigt werden durfte. Aber auch populäre Kassenschlager wie "Die Wikinger" (1958) und "Spartacus" (1960). Er ist auch Produzent dieses Films und verpflichtet den in der Kommunistenhatz der McCarthy-Ära geächteten Autor Dalton Trumbo für das Drehbuch - ein Skandal in Hollywood.

1980 zieht sich Kirk Douglas schrittweise aus dem Filmgeschäft zurück. Er war leidenschaftlich Pionier und Rebell gegen das Studiosystem, jetzt schreibt er lieber Bücher. Neben seinen Memoiren ("The Ragman's Son") auch Romane und autobiografische Bücher, die reißenden Absatz beim Publikum finden. Zusammen mit seiner Frau ist er viel auf Reisen und als Botschafter der UNO weltweit unterwegs. Er genießt seine Popularität, wird überall mit höchsten Ehren empfangen.

1995 reißt ihn ein Schlaganfall aus diesem Leben. Nur mit Mühe findet er in jahrelangem Training seine Sprache wieder. "Wenn ich im Restaurant Spaghetti bestellte, kam immer nur 'Pagetthi' über meine Lippen", erzählt er im Rückblick. Eine traumatische Erfahrung für jeden Schauspieler, aber ein Kirk Douglas lässt sich nicht unterkriegen. Der "Tough Guy" nimmt es mit Humor, tritt öffentlich in Talkshows und vor Studenten auf, um offen und ungeschminkt über seinen Schlaganfall zu reden.

Frieden im jüdischen Glauben

In dieser Zeit findet Douglas zu seinem jüdischen Glauben zurück. Sein millionenschweres Vermögen setzt er von da an für karitative Projekte in den USA und Israel ein. Seine Frau und er lassen Spielplätze an sozialen Brennpunkten bauen und gründen multireligiöse Kindergärten und eine Alzheimer-Klinik.

Kirk Douglas US Schauspieler (picture-alliance/dpa/H. Boesl)

Schauspielstar Kirk Douglas 2013 zusammen mit seiner Frau Anna Byden

Kirk Douglas betet jeden Tag für seine Enkel. Sie hätten ihr Leben schließlich noch vor sich, sagt er. Mit seinem biblischen Alter habe er keine Probleme, sagt er bei einem seiner letzten Interviews. "Unsere Welt ist eine Katastrophe, aber je älter ich werde, desto näher bin ich bei Gott. Wenn ich schlafe, spricht er zu mir. Er wartet. Er hat viel Zeit."

Am 9. Dezember 2016 wird der weißhaarige Hollywoodstar - stolzes Oberhaupt des Douglas-Clans - sage und schreibe 100 Jahre alt. Ob er noch die Kraft hat, die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte auszublasen, wird man sehen - vermutlich als Selfie, geknipst von einem seiner Söhne. Im Hollywood von heute bleibt einfach nichts verborgen.

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