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Fokus Südosteuropa

Hollywood made in Bulgarien

Seit Jahren werden große Hollywood-Produktionen nach Osteuropa verlagert. Ein Geheimtipp dabei ist Bulgarien. In den ehemaligen staatlichen Filmstudios wurden bereits Filme mit Oscar prämierten Schauspielern gedreht.

Filmrolle (Quelle: Alexander Vasilyev - Fotolia 2007)

Spätestens seitdem sich fast alle Action-Stars der 90er Jahre wie Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis oder Jean-Claude Van Damme in Bulgarien tummeln, hat das Land als Filmstandort einen Platz auf der Weltkarte. All diese Stars (und noch einige mehr) spielen im zweiten Teil des Action-Films "The Expandables". Der erste Teil kam im vergangenen Jahr in die Kinos und kletterte in vielen Ländern auf Platz 1 der Charts. Der Plot ist recht simpel: Ein Team von Söldnern um Sylvester Stalone soll eine lateinamerikanische Insel von ihrem korrupten Diktator befreien. Simpel, aber mit vielen Stunts und Spezialeffekten.

Medienberichten zufolge beträgt das Budget von "The Expendables 2" 80 Millionen Dollar. Ein Großteil davon soll in Bulgarien ausgegeben werden, denn der Film wird fast ausschließlich dort gedreht. Ein Grund für den bulgarischen Premier Bojko Borissov, gleich zu Beginn der Dreharbeiten das Set zu besuchen, den ehemaligen kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger zu treffen und für das eigene Land zu werben. Man sei bemüht, die heimsche Kinoindustrie auch in der Zukunft zu unterstützen, denn das sei eine Art Werbung für das Land, sagte Borisov nach dem Gespräch mit Schwarzenegger. "Die Konkurrenz ist groß, viele Nachbarländer bieten bessere Subventionsmöglichkeiten an, aber wir tun unser Bestes", so der Premier.

Günstiger als die Konkurrenz

US-Schauspieler Sylvester Stallone (Quelle: AP Photo/Joel Ryan)

Sylvester Stallone ist einer der Haupstdarsteller in "The Expendables 2"

In einem Punkt ist Bulgarien den Konkurrenten weit voraus: Die Kosten für die Filmproduktionen sind besonders niedrig. "Im Filmgeschäft sucht man immer nach günstigeren Produktionsorten und Bulgarien ist so ein Ort, deshalb sind wir da", hebt David Varod hervor, Chef der kalifornischen Produktionsfirma "Nu Image" in Bulgarien. Eine Filmproduktion in Bulgarien sei nur halb so teuer wie in Deutschland und ein Drittel billiger als in anderen osteuropäischen Ländern, wie zum Beispiel Tschechien, wo der Bond-Streifen "Casino Royal" gedreht wurde.

Viel günstiger sind unter anderem die Personalkosten, etwa für die Statisten. In Deutschland ist die durchschnittliche Statistengage 50 Euro für acht Arbeitsstunden. In den USA sind viele Statisten gewerkschaftlich organisiert und haben Anspruch auf 120 Euro täglich, plus extra Verpflegung. Dazu kommen Sonderleistungen für Ganzkörperschminke oder für den Einsatz in verrauchten Räumen. Die Tagesgage in Bulgarien liegt bei umgerechnet 15 Euro für einen 12-stündigen Drehtag - Kaffee und warme Mahlzeit inklusive. Bulgarien punktet auch mit dem niedrigsten Steuersatz in Europa, die sogenannte Flatrate von 10 Prozent für Unternehmen und Privatpersonen. Damit wirbt auch die kalifornische Firma "Nu Image" auf der Internetseite ihres bulgarischen Ablegers.

Die Erfahrung zählt

Es sind aber nicht nur die niedrigen Kosten, die den Produktionsort Bulgarien attraktiv machen. "Die Studios hier haben große Erfahrung. Wir haben in Bulgarien über 100 Filme gedreht, im Durchschnitt zehn bis zwölf Streifen jährlich", sagt Varod. "Nu Images" arbeitet schon seit Ende der 90er mit den 1962 gegründeten staatlichen Studios "Boyana Film" zusammen. Vor sechs Jahren zahlten die Kalifornier umgerechnet 19 Millionen Euro für den Kauf von „Boyana Film“ und änderten auch den Namen in "Nu Boyana Film Studios". Seitdem wurden dort nicht nur amerkanische Produktionen wie "The Contract" mit Morgan Freeman verwirklicht, sondern auch italienische, russische oder bulgarische Filme produziert.

Zurzeit verfüge man über ein modernes Equipment, viele Kulissen wie Wüsten- und Gebirgslandschaften, Festungen und Städte, sowie über ein Team von 250 Computerspezialsten für die Spezialeffekte, zählt Varod auf. Nur auf diese Weise könne man große Hollywood-Namen für Produktionen nach Bulgarien holen.

Positive Nebeneffekte

Der bulgarische Premier Bojko Borisov und der US-Schauspieler und ehemaliger kalifornischer Gouverneur Arnold Schwarzenegger(EPA/BULGARIAN GOVERNMENT PRESS OFFICE / HO HANDOUT EDITORIAL USE ONLY)

Arnold Schwarzenegger kam vom Set, um Premier Borisov zu treffen

Die Vorteile nicht nur für die heimische Kinoindustrie, sondern für die gesamte Wirtschaft lägen auf der Hand, hebt Arnold Schwarzenegger nach seinem Treffen mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten in den "Nu Boyana Film Studios": "Die Hotels, die Restaurants, die Geschäfte und alle anderen können nur gewinnen, wenn hier mehr Filme gedreht werden."

Geld kann schon direkt bei der Filmproduktion in die Infrastruktur des Landes fließen. Für "The Expendables 2" wurden eine Straße und eine Brücke komplett saniert. Sie waren die einzige Verbindung zu einem der Drehorte, der Devetaschka Höhle. Diese Touristenattraktion konnte in den vergangenen Jahren kaum erreicht werden, da die Straße und die Brücke in einem desolaten Zustand waren. Dem bulgarischen Premier sind die Vorteile eines Filmstandortes Bulgarien bewusst, deshalb hat er schon Arnold Schwarzenegger und die Crew zum Dreh von "The Expendables 3" eingeladen. Einen geeigneten Drehort hat er auch schon im Kopf: die noch nicht ganz gebaute U-Bahn in der Hauptstadt Sofia.

Autor: Blagorodna Grigorova
Radekation: Alexander Andreev