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Aktuell Afrika

Hollande will nach vorne schauen

Als erster Präsident Frankreichs hat François Hollande die Kolonialherrschaft über Algerien verurteilt. Eine Entschuldigung lehnte er aber ab.

Die französische Kolonialzeit in Algerien sei "zutiefst ungerecht und brutal" gewesen, sagte Hollande bei seinem Staatsbesuch in Algier vor beiden Kammern des algerischen Parlaments: "Ich erkenne hier die Leiden an, die die Kolonialisierung dem algerischen Volk zugefügt hat." (Das Artikelbild zeigt französische Soldaten im Algerienkrieg 1962)

Eine Entschuldigung für französische Verbrechen, wie dies von Regierungsvertretern und Parteien in Algerien gefordert worden war, sprach der Sozialist aber erneut nicht aus. Schon zum Auftakt seines Algerien-Besuchs am Mittwoch hatte Hollande deutlich gemacht, dass er weder um Entschuldigung bitten noch Reue wegen der Kolonialzeit zum Ausdruck bringen werde. In seiner Rede im Parlament forderte der Präsident , "ein neues Kapitel" in den französisch-algerischen Beziehungen aufzuschlagen. Beide Staaten dürften sich nicht von der Vergangenheit blockieren lassen, sondern müssten an der Zukunft arbeiten.

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Hollande blickt in die Zukunft

Grundlage dafür müsse es allerdings sein, die "Wahrheit" auszusprechen, betonte Hollande. Dazu gehöre die Anerkennung von "Ungerechtigkeiten", "Massakern" und "Folter". Algerien war erst 1962 unabhängig geworden nach 132 Jahren unter französischer Herrschaft und einem achtjährigen Krieg mit hunderttausenden Toten und Gräueln von beiden Seiten.

Zum Auftakt seines Besuchs am Mittwoch hatte Hollande mit dem algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika eine Freundschafts- und Kooperationserklärung unterzeichnet. Sie sieht unter anderem eine verstärkte Zusammenarbeit im politischen und wirtschaftlichen Bereich vor. Auch der Jugend- und Kulturaustausch soll intensiviert werden. "50 Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens sind Frankreich und Algerien entschlossen, ein neues Kapitel ihrer Beziehungen aufzuschlagen", heißt es in dem Dokument. Die Konflikte über die Vergangenheitsbewältigung müssten ein Ende haben.

wl/SC (afp/ dpa)

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