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Welt

Hollande bekräftigt seinen Afghanistan-Kurs

Bei seinem ersten Besuch in Afghanistan stellt Frankreichs neuer Präsident Hollande die Weichen für ein "zivileres Engagement". Mehr als 1000 französische Soldaten bleiben dennoch auch nach 2012 präsent vor Ort.

"Ich rede von Kampftruppen", stellte Frankreichs Präsident François Hollande bei seinem Antrittsbesuch in Kabul klar. "Nach 2012 werden keine französischen Kampftruppen in Afghanistan mehr verbleiben", fügte er bei einem Treffen mit seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai hinzu.

Rund 3500 französische Soldaten sind derzeit noch vor Ort stationiert, 2000 von ihnen werden Hollandes Plänen zufolge das Land bereits bis Ende 2012 verlassen. Die verbliebenen mehr als 1000 Soldaten sollten sich dann lediglich um die Rücksendung von Militärgerät auf dem Landweg kümmern, sagte Hollande. Nach 2012 sollen nur noch französische Ausbilder am Hindukusch arbeiten. Rund 600 afghanische Soldaten seien bis zum Jahresende bereit, die Verantwortung vor Ort zu übernehmen.

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NATO bestätigt Zeitplan für Afghanistan (22.05.2012)

Die Abzugspläne sind eines der Wahlkampfversprechen Hollandes und ein politischer Spagat: Der am 6. Mai gewählte neue französische Präsident hatte sein Vorhaben erst vor wenigen Tagen auf dem NATO-Gipfel in Chicago präsentiert und damit für großen Unmut gesorgt. Denn die NATO-Pläne sehen vor, den Kampfeinsatz erst Ende 2014 zu beenden.

Neue Ära des Engagements

Hollande betonte in Kabul, dass die Zusammenarbeit beider Länder mit dem Abzug jedoch nicht ende, sie trete in erster Linie in eine neue "zivile" Phase ein. Daher sagte der französische Präsident Karsai eine militärische und zivile Zusammenarbeit auch nach 2014 zu. Frankreich werde sich künftig auf die Bereiche Gesundheitsvorsorge, Bildung, Kultur, Landwirtschaft und die Stromversorgung in Afghanistan konzentrieren. Die Zeit afghanischer Souveränität sei gekommen, die französischen Truppen hätten ihre Mission erfüllt.

Karsai forderte hingegen bei dem Treffen alle Staaten, die in Afghanistan Truppen stationiert haben, noch einmal dazu auf, ihre Zusagen einzuhalten.

Ist Afghanistan wirklich bereit?

Die meisten Soldaten der französischen Kampftruppen sind in der ostafghanischen Provinz Kapisa stationiert. Sie zählt zu den unsicheren Regionen Afghanistans. Dort kämpfen Drogenhändler mit den radikalislamischen Taliban um die Vorherrschaft. Die Taliban hatten Hollandes Pläne bereits gelobt. Sie fordern von allen Truppenstellernationen den sofortigen Abzug.

Experten rechnen daher mit Problemen durch den französischen Rückzug. Offiziell geht der Kommandeur der internationalen ISAF-Truppe, John Allen, allerdings nicht davon aus, dass die Region dadurch insgesamt unsicherer wird.

Im Januar waren in Kapisa vier französische Soldaten von einem afghanischen Soldaten erschossen und acht weitere verletzt worden. Seit Beginn des internationalen Einsatzes Ende 2001 starben 83 französische Soldaten in Afghanistan.

nis/se (dpa, dapd, afp, rtr)

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