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Deutschlandtour

Holländer erobern "den" Winterberg

Im Sauerland finden die Niederländer, was sie in ihrem Land vermissen. Auf ihr heimisches Ambiente müssen sie dennoch nicht verzichten. Viele Hotels haben sich auf die Feriengäste aus dem Nachbarland spezialisiert.

Hinweisschild 'Hotel Der Brabander' in Winterberg. Im Hintergrund die St.-Georg-Sprungsschanze, das Wahrzeichen der Stadt im Sauerland (Foto: DW)

Holländer-Hotel vor St.-Georg-Sprungschanze

Rob Meurs ist so etwas wie ein Pionier. Als er vor 25 Jahren zum ersten Mal nach Winterberg kam, für einen Tag zum Skifahren, da fielen ihm die vielen gelben Autokennzeichen auf. "Acht von zehn PKW kamen damals schon aus den Niederlanden", erzählt der Hotelier gerne und dass er jung und ehrgeizig war. Er kam nochmals, wieder für einen Tag, um schließlich den Entschluss zu fassen, seinen Job als Leiter dreier Supermärkte in den Niederlanden aufzugeben und sich als Hotelier in Winterberg niederzulassen, um die Marktlücke zu füllen. "Ob man als Kaufmann Kunden bedient oder als Gastronom Gäste zufriedenstellt, ist doch fast das gleiche." Gesagt getan. Sein halbes Leben hat Meurs nun im Sauerland verbracht, er nennt sich holländischer Winterberger. Seine vier Kinder sind hier geboren und aufgewachsen. Sein neuestes "Kind" ist die Wellnessanlage, die er im asiatischen Zen-Stil bauen lässt.

Vakantie statt Ferien - man spricht Nederlands

Ein Reisebus mit einem gelben KfZ-Kennzeichen parkt vor dem Hotel 'Der Brabander' in Winterberg (Foto: DW)

Die nächsten Gäste kommen...

Anfangs hatten der damals 25-Jährige und seine Frau acht Betten zu vermieten, heute sind es 350. Doch die Zahlen sagen nichts über die Größe seines Unternehmens aus. Rund um das Hotel hat Meurs alles aufgekauft, was er kriegen konnte und ein Imperium aufgebaut zur Unterhaltung und zum Wohlfühlen - ausschließlich für seine Landsleute. So findet der Gast in der ehemaligen Tankstelle des Ortes die hoteleigene Skischule. In der zur Disko umfunktionierten Autowerkstatt können bis zu 500 Leute abtanzen. Einen eigenen Skilift findet der Gast hinter dem Haus. Anrufer werden auf holländisch begrüßt, am Haus weist das Schild "Vakantiehotel" darauf hin, dass hier keine Deutschen Ferien machen.

Deutsche bevorzugen großes Bier und Kaffee im Kännchen

Meurs hatte das anders geplant als er sein gelbes niederländisches Nummernschild gegen ein weißes deutsches austauschte. Auf dem steht HSK für Hochsauerlandkreis und dann noch - als letztes Relikt - NL, wie das Landeskürzel für die Niederlande.

Der holländische Hotelier in Winterberg, Rob Meurs zeigt auf sein KfZ-Kennzeichen HSK - NL (Foto: DW)

...zu Rob Meurs - dem niederländischen Import

Deutsche und Holländer zusammen bringen, für alle Nationen Gastgeber sein, das wollte der gewiefte Hotelmanager. Sein Hotel nannte er daher "Der" Brabander, also mit deutschem Artikel und nicht "De" Brabander - wie die Niederländer sagen. Vielleicht sein einziger Fehler damals, sagt Meurs lächelnd, der erkannte, dass es ihm leichter gelingt, seinen Landsleuten im Urlaub ein Wohlgefühl zu verschaffen, da er deren Sprache und Gewohnheiten besser kennt. Dazu gehört die spezielle holländische Küche, die wenig Salz, viele Kräuter und reichlich Essig verwendet. Die Holländer bevorzugen kleine Portionen, und am Ende zahlt ein einziger Gast die gesamte Rechnung für alle und nicht, wie die Deutschen, jeder für sich separat. "Deutsche mögen großes Bier, den kleinen Beilagensalat und Kaffee im Kännchen", hat Rob Meurs weitere Unterschiede festgestellt.

Ständig gute Laune haben und bereit sein, den Gast zu animieren, ihm alle Wünsche zu erfüllen, das sind Grundvoraussetzungen, um bei Meurs eine Arbeit zu bekommen. Bewerbungsgespräche finden grundsätzlich donnerstags statt, weil dann mittags das Personal probt: Tanzen, Singen, Parodie. Beschäftigt wird nur, wer bereit ist, bei der Dinnershow mitzumachen, die es seit 19 Jahren im Hotel "Der Brabander" gibt. So etwas mögen die Holländer, sagt Rob Meurs.

Jenny de Rouw und Henk van Toor - zwei Niederländer beim Hotelfrühstück in Winterberg (Foto: DW)

Holländer mit Zweit-Wohnsitz in Winterberg

Nicht alle. Jenni de Rouw und Henk van Toor bevorzugen Gemütlichkeit auf deutsche Art. Wie Meurs kam das Paar vor 25 Jahren zum ersten Mal in die Ferien nach Winterberg. In diesem Jahr feierten sie Silberjubiläum im Hotel Schneider, fast gegenüber vom "Brabander", aber von Deutschen geführt. "Wir wollen doch Deutsch sprechen, auch wenn es schwer fällt", begründet Jenni de Rouw ihre Wahl.

Die Berge in Österreich sind zu hoch

Diesmal machen die beiden Arbeitsurlaub, denn sie sind dabei, die Ferienwohnung einzurichten, die sie gekauft haben, um noch öfter hier zu sein. "Hier können wir im Winter Skifahren und im Sommer Golf spielen", argumentiert Henk van Toor und präzisiert die Vorteile. In Österreich, wo sie viele Jahre ihren Skiurlaub verbrachten, seien die Pisten zu schwer, und in Holland seien die Golfplätze zu flach und ständig überfüllt. Hier aber könnten er und seine Frau in aller Ruhe spielen. Dass Jenni und Henk in der niederländischen Exklave "Sauerland" von Hundertschaften ihrer Landsleute umgeben sein werden, wenn sie noch häufiger als bisher hier sind, stört die beiden Rentner wenig. Sie hätten wenig Kontakt zu anderen Holländern.

Niederländer und Sauerländer brauchen einander

Neue Touristen-Siedlung in Winterberg mit niederländischem Investor/ Betreiber (Foto: DW)

Neue NL-Feriensiedlung in Winterberg

Erst im Dezember hat der von Niederländern geführte Landal Ferienpark aufgemacht - mit 120 Chalets. Und hinter dem Neubau des Kongresszentrums mit 4-Sterne-Hotel steckt auch ein Generalunternehmer aus dem Beneluxstaat. "Die haben eine dickere Geldbörse und sind mutiger bei den Investiotionen", hat Winfried Borgmann von der Winterberger Touristik- und Wirtschafts-Gesellschaft beobachtet. Angst, dass die Nachbarn aus dem westlichen Ausland die gesamte Region vereinnahmen, hat der Touristikfachmann nicht.

Winfried Borgmann mit Fahrrad vor der Tourismus-Zentrale in Winterberg (Foto: DW)

Kann nicht genug kriegen von den Holländern: Winfried Borgmann

Die Niederlande seien ein wichtiger Markt, man mache dort gezielt Werbung für "den" Winterberg. Das sei der bekannteste Berg für die Holländer, so Borgmann, den es allerdings gar nicht gibt. Die höchste Erhebung ist der Kahle Asten bei Winterberg. "Den erobern die Holländer das ganze Jahr über ob per pedes, mit dem Mountainbike oder mit Skiern im Winter", freut sich Borgmann, der sich manchmal fragt: "Was wären die Sauerländer ohne die Niederländer?"

Deren Anwesenheit wirkt sich nämlich nicht nur auf den Geldbeutel der Einheimischen aus, sondern auch auf deren Gemütszustand. "Die Niederländer sind anders als die deutschen Gäste. Sie sind viel lockerer, sind sehr gesellig. Die Niederländer fallen auf. Positiv."

Autorin: Karin Jäger
Redaktion: Pia Gram

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