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Afrika

Hokuspokus hilft nicht: Kooperationen gegen Aids

Viele Afrikaner suchen auch bei Krankheiten wie Aids zunächst Rat bei traditionellen Heilern. Auch wenn Aids-Initiativen deren Heilsversprechen kritisch sehen, kooperieren sie zunehmend mit etablierten Heilern.

Immer wieder zweifeln afrikanische Politiker, Wissenschaftler oder Prominente öffentlich an der Wirksamkeit schulmedizinischer Aids-Therapien. Manche von ihnen werben mit eigenen Heilmethoden. So behauptete der Leiter der medizinischen Fakultät der Universität Benin, dass er ein pflanzliches Heilmittel gegen Aids gefunden habe. Innerhalb von 30 Tagen wollte er Patienten damit komplett kurieren. Die Universität hat ihn inzwischen entlassen.

Solche Heilsversprechen gibt es immer wieder. Gambias Präsident Yahya Jammeh behauptet bereits seit einigen Jahren, dass er Krankheiten wie Aids und Malaria mit Handauflegen und Kräutern heilen könne. Den rund 36.000 HIV-Infizierten im Land bietet er eine kostenlose Therapie an, wenn sie die antiretroviralen Medikamente der Pharmakonzerne absetzen.

Gefährliche Versprechungen

In seiner Neujahransprache verkündete Jammeh nun, ein Krankenhaus für traditionelle Heilverfahren bauen zu lassen. Dort soll auch seine geheime Kräutermedizin angewandt werden, mit der er - nach eigenen Angaben - HIV-Patienten innerhalb weniger Tage heilen könne. Das Krankenhaus soll mehr als tausend Betten haben. Innerhalb eines halben Jahres will Jammeh dort jeweils 10.000 HIV/Aids-Patienten heilen. Bis 2015 soll das Krankenhaus fertiggestellt sein.

Vielen kranken Menschen in Afrika geben solche Versprechungen Hoffnung. Oliver Moldenhauer von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sieht gerade darin eine große Gefahr, die Patienten sogar das Leben kosten kann. "Wir erleben immer wieder Patienten, die solchen Aussagen glauben und deshalb die lebensrettenden Medikamente verweigern", so Moldenhauer im Gespräch mit der DW. Es sei ausgeschlossen, dass eine solche Heilung plötzlich eintrete.

Porträt von Oliver Moldenhauer, Ärzte ohne Grenzen (Foto: C. Bergmann)

Oliver Moldenhauer warnt vor falschen Heilsversprechungen

Eine vollständige Heilung der Immunschwächekrankheit Aids ist bisher mit keiner Therapie möglich. Die antiretroviralen Medikamente, die heute standardmäßig eingesetzt werden, können die Krankheit lediglich eindämmen. Aber immerhin kann eine erfolgreiche Therapie HIV so stark unterdrücken, dass das Virus mit den üblichen Methoden nicht mehr nachgewiesen werden kann. Für die Patienten bedeutet dies eine fast normale Lebenserwartung, solange sie die Medikamente regelmäßig nehmen. Allerdings haben solche Präparate auch starke Nebenwirkungen. Außerdem fühlen sich viele Patienten mit HIV hilflos und ausgegrenzt. Denn mit der Krankheit gehen immer noch viele Tabus und Vorurteile einher.

Gerade an diesem Punkt setzen die traditionellen Heilmethoden an, sagt Phephsile Maseko vom Dachverband afrikanischer Heiler: "Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Seele, Geist und Körper eines Menschen einbezieht.“ Aus ihrer Sicht ist dies auch der Grund, warum viele Patienten lieber zu traditionellen Verfahren greifen als in Krankenhäuser zu gehen.

Traditionelle Heiler sind beliebt

In vielen Fällen ist dies jedoch sehr gefährlich: Keineswegs alle Heiler verfügen über ausreichendes Wissen. Oft halten sie die Ratsuchenden auch davon ab, schulmedizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dennoch gehen laut der Aids-Stiftung Südafrika 80 Prozent der Leidenden zunächst zu einem traditionellen Heiler.

Phephsile Maseko, Leiterin der südafrikanischen Organisation traditioneller Heiler

Heilerin Phephsile Maseko plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz

Dies habe oft auch soziale Gründe, sagt Andrew Miti von der Aids-Stiftung. "Wenn ein traditioneller Heiler ins Haus kommt, findet keine Stigmatisierung statt im Sinne von 'Dort muss ein Tuberkulose-Patient wohnen, dort ein HIV-Patient.' Andere Menschen in der Gemeinde sehen nur einen traditionellen Heiler, der ein weiteres Haus besucht. Das ist etwas anderes, als wenn eine Krankenschwester geschickt wird", sagt Miti.

Traditionelle Heiler behandeln nicht nur Krankheiten. Sie sind Ratgeber in vielen Lebensfragen - auch in spirituellen Dingen - und Vertrauensleute. Daher arbeitet die Aids-Stiftung mit ihnen zusammen und kommt so auch mit denjenigen in Kontakt, die sonst nicht in ein Krankenhaus gegangen wären.

Kooperation von Ärzten und Heilern

Die Heiler werden von Experten der Aids-Stiftung umfassend über die Krankheit informiert und arbeiten dann mit dem medizinischen Personal Hand in Hand. Bereits im Krankenhaus beraten sie die Hilfesuchenden. Wenn die Patienten einwilligen, informieren die Ärzte die Heiler auch über deren Gesundheitszustand. Sind die Patienten dann wieder zu Hause, unterstützen die Heiler sie mit Kräutern auf traditionelle Art genauso, wie sie Medikamenteneinnahme und den Gesundheitszustand der Patienten beobachten. Bei Bedarf schicken sie die HIV-Infizierten wieder in ein Krankenhaus. In diesem Sinne können sich die Systeme ergänzen. Ein Weg, den nun viele Aids-Initiativen in Afrika einschlagen.

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