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Hohn und Spott

"Hohn" und "Spott" sind sich ziemlich ähnlich. Einen großen Unterschied gibt es: Hohn will, Spott kann verletzen – muss es aber nicht. Er ist nicht weit entfernt vom Spaß. Und der ist manchmal für ein Spottgeld zu haben.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Wir kennen das alle. Da nimmt jemand den Mund zu voll, verkündet, dass dies oder das für ihn überhaupt kein Problem sei, und dann geht alles gründlich schief. In so einem Fall sparen die lieben Mitmenschen selten mit Spott und lassen das Großmaul deutlich spüren, was sie von ihm halten.

Nur Schadenfreude

Ein als Joker verkleideter Mann

Der Spötter: im Mittelalter ein eigener Berufsstand

Was ist Spott? Gehört er zur Schadenfreude, die angeblich die reinste sein soll, oder ist er einfach eine bissige Art, sich über jemanden lustig zu machen? Die Antwort ist ein ganz entschiedenes "Sowohl als auch".

Das Wort Spott hat in seiner langen Geschichte eine Entwicklung durchgemacht, die den Bogen von völlig harmlosen bis zu bitterbösen Bedeutungen spannt. Im Mittelalter zum Beispiel gab es berufsmäßige Spaßmacher, die spottari hießen. Ihre Späße waren Spott, der allerdings niemandem wehtat. Das heißt, die spottari spotteten, aber sie verspotteten nicht.

Boshafter Spott und Hohn

Faschingsmasken

Auch eine Form von bösem Spott

Den boshaften Spott gab es allerdings schon immer. Ob es ein Scherz ist, der empfindlich trifft, oder ob es das öffentliche Lächerlichmachen über jemanden ist: das ist der Spott, der bloßstellt und verletzt.

Er ist nicht weit entfernt vom Hohn, aber nicht ganz dasselbe. Hohn ist mit Absicht geäußerter böser Spott, der Verachtung ausdrückt. Seine Gegenstücke sind Mitgefühl und Wohlwollen. Hohn kann bissig, bitter, blank, kalt, offen, unverhüllt, schneidend sein.

Hohngelächter und blanker Hohn

Ein schadenfroher Fußballfann hält beide Hände abgespreizt von den Ohren. Die Zunge ist im Mund eingerollt.

Geschieht euch recht!

Hohngelächter erntet jemand, dem unverhüllt klar gemacht wird, dass man sein Verhalten, sein Gerede verachtet. Mit einem höhnischen Lächeln, hohnlächelnd, werden dann bissige Bemerkungen gemacht.

Nicht selten werden diese Menschen auch noch verhöhnt. Sie werden mit Hohn und Spott überschüttet. Oder ihre Äußerungen werden mit der Bemerkung "Das ist ja der blanke, reine Hohn" als völlig absurd dargestellt. Also: Hohn bedeutet immer Kränkung einer anderen Person. Und zwar ausschließlich. Da gibt es nichts Spaßiges mehr. Der Spott aber hat stets auch einen komischen, lächerlichen Aspekt. Und es gibt ja nicht wenige Leute, die berufsmäßig spotten.

Spottende Karikaturisten und Kabarettisten

Ein entsetzt blickender Torhüter Oliver Kahn ist auf der Karikatur mit dem Titel ... und plötzlich wurden die Holländer unfair des Berliner Künstlers Arno Funke abgebildet

Eine Karikatur – oder ein modernes Spottbild

Was früher Spottbildner waren, sind heute Karikaturisten. Und dem entsprechend ist die Karikatur die Nachfolgerin des Spottbildes. Auch auf Bühnen sind berufsmäßige Spötter zu finden: Die Kabarettisten. Sie sind moderne Kollegen jener fahrenden Gesellen, die schon im Mittelalter die Leute mit Spottversen, Spottliedern und Spottgedichten unterhielten.

Karikaturisten und Kabarettisten spötteln gerne – über alles und jeden. Zum Beispiel über die kleinen Befindlichkeiten von Menschen, regionale Eigenarten, über Politiker und Wirtschaftsbosse. Zum Gespött der Leute, also zu einer Zielscheibe von Hohn und Spott, machen sie sich in der Regel nicht.

Menschliche und tierische Spottvögel

Eine Spottdrossel

Sie singt langanhaltend und gilt als furchtlos: die Spottdrossel

Spott kann aber auch einfach nur Spaß bedeuten. Der Spaßmacher ist so weit vom Spötter nicht entfernt und bildet ein ähnliches Pärchen wie der Spaß- beziehungsweise Spottvogel. Übrigens kann dieser in menschlicher wie tierischer Gestalt auftreten. Und jetzt wird's etwas kompliziert: Da haben wir zunächst die Spottdrossel.

Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein komischer Vogel, weil er die Stimmen anderer Tiere nachahmen kann. Dann gibt es aber auch die Spottdrossel in Menschengestalt: und das ist eine Person, die sich gerne über andere lustig macht. Oft kann sie zudem auch Stimmen gut imitieren.

Spottpreis

Ein Schild mit der Aufschrift: Schuhe ab 0,50 Euro

Spottbillig

Spaß macht es auch, Dinge für einen Spottpreis zu erwerben. Glaubt man der Werbung, dann gibt es überall nur spottbillige Schnäppchen. Noch billiger geht's nicht. Da muss man doch einfach zugreifen.

Wer würde bestreiten, dass es durchaus Spaß machen kann, spottbillig einzukaufen. Etwas um einen Spott verkaufen sagte man schon im 16. Jahrhundert und knapp hundert Jahre später sprach man vom Spottgeld, einer – wie es im Lexikon definiert wurde – lachhaften oder lächerlichen Summe.

Wer den Schaden hat ….

Billigware-T-Shirts in einem Schaufenster

Vielleicht doch besser das Original kaufen?

Wenn Sie also demnächst etwas für ein Spottgeld oder einen Spottpreis kaufen, werden Sie sich zwar nicht gerade vor Lachen ausschütten, aber schon Ihren Spaß haben, weil Sie ja so viel für so wenig Geld in den Tüten haben. Es sei denn, die gekauften Teile stellen sich nach kurzer Zeit als Produkte von spottschlechter Qualität heraus. Da hat der Spaß ein Ende, da gibt's nichts mehr zu lachen.

Höchstens für die schon erwähnten lieben Mitmenschen, die schon immer gewusst haben, dass nur Teures auch gut sein kann. Sie wissen ja: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Klar. Weil der dann immer von den anderen kommt.



Fragen zum Text

Jemand, der Pech hat und noch verspottet wird, muss sich anhören: …

1. Du Spottdrossel!

2. Das spottet jeder Beschreibung!

3. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!

Verhöhnt man jemanden, dann …

1. bemitleidet man denjenigen/diejenige.

2. verspottet man denjenigen/diejenige mit Absicht.

3. freut man sich mit demjenigen/derjenigen.

Ist etwas sehr preiswert, dann ist es …

1. spottschlecht.

2. spottbillig.

3. hohnlächelnd.

Arbeitsauftrag

Denken Sie sich eine Situation aus, in der man die betroffene Person verspotten oder verhöhnen würde. Schreiben Sie einen entsprechenden Lückentext, in dem Sie die Stellen frei lassen, an denen die Wörter "Spott" oder "Hohn" beziehungsweise die entsprechenden Verben eingesetzt werden müssen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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