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Wirtschaft

Hohn und Spott für Ryanair

In den kommenden sechs Wochen streicht der Billigflieger Ryanair Tausende Flüge. Kritiker bezweifeln, dass das allein an Problemen mit der Personalplanung liegt. Die Passagiere sind sauer.

Nach Verprellung Hunderttausender Passagiere durch Flug-Absagen steht Ryanair in der Kritik. TV-Sender in der irischen Heimat der Billig-Airline strahlten am Montag Interviews mit verärgerten Kunden aus. Zeitungen riefen ihre Leser auf, ihre Geschichten rund um geplatzte Flüge zu erzählen - so wie die einer Hochzeitsgesellschaft, die in Frankreich festsaß. Auch in den Sozialen Netzwerken kochte das Thema hoch.

Unterdessen veröffentlichte Ryanair eine vollständige Liste mit rund 2000 Flugstreichungen bis Ende Oktober. Betroffene Kunden würden zudem per E-Mail benachrichtigt, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Die Liste der Flugstreichungen lässt sich über die Website von Ryanair einsehen.

In Deutschland waren demnach allein am Dienstag sechs Starts und Landungen betroffen. Gestrichen wurden Flüge auf den Strecken von Köln und Nürnberg nach Mailand sowie von Berlin-Schönefeld nach Dublin.

Ruf der Airline leidet

Die EU-Kommission kündigte an, zu prüfen, ob das Unternehmen Fluggast-Rechte verletzt hat. Ryanair-Chef Michael O'Leary räumte ein, die Streichungen würden dem Ruf seines Unternehmens schaden und inklusive Entschädigungen Kosten von rund 25 Millionen Euro nach sich ziehen. Analysten hielten knapp 35 Millionen Euro für wahrscheinlicher.

Die EU-Kommission erklärte, in Europa tätige Airlines müssten die hiesigen Regeln beachten. Passagiere hätten bei Flugabsagen umfassende Rechte. So stünde ihnen etwa eine Entschädigung zu, wenn sie weniger als zwei Wochen im voraus informiert würden. Sofern keine besonderen Umstände vorliegen, muss eine Airline Kunden, die einen Flug über maximal 1500 Kilometern gebucht haben, 250 Euro Entschädigung zahlen, wenn die Frist nicht eingehalten wurde. Bei längeren Flügen innerhalb der EU sind es 400 Euro.

Lauern auf das Ende von Air Berlin?

Ein Luftfahrtexperte sieht die vorgebrachten Gründe für die Flugausfälle als womöglich nur vorgeschoben an. Ryanair bereitet sich nach Einschätzung von Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne auf den möglichen Fall vor, dass die insolvente Air Berlin ihren Flugbetrieb aus Geldmangel vorzeitig einstellen muss.

"Im Fall eines vorzeitigen 'Groundings' der Air Berlin müssten die begehrten Start- und Landerechte vom zuständigen Koordinator der Bundesrepublik sofort neu vergeben werden", sagte Wissel der Deutschen Presse-Agentur. Den Zuschlag könnten aber nur Gesellschaften erhalten, die dann auch mit entsprechenden Flugzeugen die Strecken tatsächlich fliegen könnten. Dafür wolle Ryanair einige Maschinen in der Hinterhand haben, vermutete Wissel.

ul/bea (dpa, rtr, afp)

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