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Sport

Hohn und Spott für England

Das Mutterland des Fußballs ist schon nach dem zweiten WM-Spiel so gut wie gescheitert. Nach der Italien-Niederlage und der Uruguay-Blamage steht England am Abgrund. Doch einen Rücktritt schließt Trainer Hodgson aus.

Es ist eine Art nationale Katastrophe. Nach der

1:2-Auftaktniederlage gegen Italien

kassiert England im zweiten WM-Vorrundenspiel

gegen Uruguay die nächste Pleite,

wieder heißt es 1:2. Es war eine Demütigung für das Mutterland des Fußballs. Die meisten Spieler hatten nach dem historischen Fehlstart keine Lust, das vermeintlich Unerklärliche zu erklären und ließen die englischen Journalisten einfach stehen. Diese wiederum zeigten, dass die Kritik der letzten Tage nur ein harmloses Vorspiel war: Nach dem fast sicheren ersten Vorrunden-Aus seit 56 Jahren ergoss sich Hohn und Spott über die "Three Lions".

"Blamiert von einem Spieler, der vor einem Monat noch im Rollstuhl saß", schrieb der Telegraph unter Verweis auf den zweifachen Torschützen Luis Suarez und ergänzte: "Gedemütigt, vernichtet und beerdigt - ein hoffnungsloser Fall." Der Independent lästerte: "In den vergangenen Jahren war Englands Untergang immer eine zähe Angelegenheit. Diesmal wird er wenigstens kurz und knackig." Die Sun jubelte auf der Titelseite sogar voller Ironie: "Wir sind durch!" "Vier Jahre Vorbereitung und Herzblut wurden in nur fünf Tagen zerstört", schrieb der Guardian.

Kein Rücktritt bei WM-Aus

Dem stolzen Teammanager Roy Hodgson schien das alles zu viel, und so schloss er einen Rücktritt schon vor dem sicheren WM-Scheitern nicht mehr aus. "Ich habe nicht das Bedürfnis, zurückzutreten, nein", sagte der 66-Jährige: "Sollte der Verband allerdings denken, dass ich nicht der richtige Mann bin, ist das seine Entscheidung, nicht meine." Auch Hodgson gestand, "dass wir zutiefst enttäuscht sind, am Boden zerstört". Doch er empfand die Niederlage gegen den WM-Vierten von 2010 als ebenso ungerecht wie das 1:2 zuvor gegen Vize-Europameister Italien: "Wir haben in beiden Spielen guten Fußball gespielt", meinte er: "Leider waren die Ergebnisse nicht gut." Und so verlor England zum ersten Mal in seiner WM-Geschichte die ersten beiden Spiele einer Endrunde.

Englands Stürmer Wayne Rooney hat auf dem Platz die Hände gefaltet (Foto: EPA/DIEGO AZUBEL)

Auch er kann es nicht fassen: Englands Stürmer Wayne Rooney

Da nutzte es auch nichts, dass Wayne Rooney im zehnten Anlauf sein erstes WM-Tor erzielte. Immerhin: "Roo", der wieder auf seiner bevorzugten Position im Zentrum spielen durfte, stand nach der neuerlichen Niederlage nicht mehr im Mittelpunkt der Kritik. Dorthin rückte ausgerechnet Steven Gerrard, über Jahre hinweg die personifizierte englische Fußball-Leidenschaft. "Gerrard war die größte Enttäuschung", urteilte der Mirror über den 34-Jährigen. "Er war ein guter Kapitän, aber es wird Zeit, aufzuhören", ergänzte der Telegraph: "Sein Fehler vor dem 1:2 wird das Ende einer Ära markieren. Es wird Zeit für die nächste Generation."

Top-Torschütze der Premier League

Dass ausgerechnet Suarez das Spiel mit seinen beiden Toren entschied, war für die Engländer ganz besonders bitter. Uruguays Stürmer ist aktuell der beste Torjäger der Premier League. Für den FC Liverpool hatte er in der vergangenen Saison in 33 Liga-Spielen 31 Treffer erzielt. Dabei drohte ihm vor knapp einem Monat nach einer Operation am Meniskus noch das WM-Aus. Ein Bild von Suarez im Rollstuhl erschütterte die Fans. Nun verneigten sich sogar die Engländer vor ihm. "Natürlich Suarez. Eigentlich war es unvermeidlich", schrieb die BBC.

Im englischen Nationalteam beginnt nach dem WM-Turnier in Brasilien der Umbruch, einige junge Spieler stehen schon in den Startlöchern. In der Offensive zeigten Raheem Sterling (19 Jahre), Danny Welbeck (23) und Daniel Sturridge (24) in Brasilien durchaus gute Ansätze. Die Abwehr um die Innenverteidiger Gary Cahill (28) und Phil Jagielka (31) ist nicht WM-tauglich, aber Besseres hat das Land nicht zu bieten. Torhüter Joe Hart genießt bei den Gegnern so wenig Respekt, dass die Südamerikaner fast jeden Eckball aufs kurze Eck zirkelten, in der Hoffnung auf einen Fehler Harts. Das alles zeigt, dass die "Three Lions" 2014 vor allem eines sind: bedauernswert.

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