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Welt

Hohes Risiko auf Vanuatu

Der Welt-Risiko-Bericht 2015 zeigt den Zusammenhang zwischen Hunger und Katastrophen. Zum fünften Mal hintereinander belegt ein kleiner Inselstaat den unrühmlichen Spitzenplatz.

Im August 2015 stand in manchen Flüchtlingslagern in der Welt nicht einmal die Hälfte der notwendigen Mindestrationen von Nahrungsmitteln zur Verfügung. Darauf machten Hilfsorganisationen in Berlin bei der Vorstellung des diesjährigen Welt-Risiko-Berichts aufmerksam. Eine bessere Versorgung der Menschen in den Krisengebieten und Flüchtlingslagern mit Nahrungsmitteln sei ebenso dringend erforderlich wie die Versorgung mit Nahrungsmitteln in Katastrophengebieten, erklärte Peter Mucke, der Geschäftsführer von "Bündnis Entwicklung Hilft". Dabei gibt es rein rechnerisch kein Problem, denn schon heute werden weltweit mehr Kilokalorien Nahrungsmittel pro Person produziert als notwendig. Das Problem sind weiterhin ungerechte Verteilung, Verschwendung und Verluste bei Ernte und Transport.

Landwirtschaft am effizientesten

Die überwiegende Mehrheit der Hungernden lebt im ländlichen Raum. Die zentrale Botschaft sei deshalb, dass Entwicklungspolitik im ländlichen Raum als Teil von Krisenprävention verstanden werden muss, sagte Martin Bröckelmann-Simon von MISEREOR. Untersuchungen der Welternährungsorganisation (FAO) hätten schließlich gezeigt, dass Investitionen in die Landwirtschaft für die Reduzierung von Hunger und Armut fünfmal effizienter als Maßnahmen in jedem anderen Sektor seien: "Und wenn man sich Subsahara-Afrika ansieht, dann ist es sogar elfmal soviel", so Bröckelmann-Simon.

Länder, in denen es bäuerliche Netzwerke gibt, haben besonders in den ersten Tagen nach einer Katastrophe große Vorteile, die Ernährung zu sichern. Der Welt-Risiko-Bericht wird seit fünf Jahren im Auftrag von "Bündnis Entwicklung Hilft" erstellt. In dem Bündnis haben sich die Hilfsorganisationen "Brot für die Welt", Christoffel-Blindenmission, Kindernothilfe, medico international, Misereor, terre des hommes und Welthungerhilfe zusammengeschlossen.

Ernährung und Katastrophen

In diesem Jahr zeigen die Wissenschaftler die Wechselwirkung zwischen Ernährungssicherheit und Katastrophenrisiko, nachdem sie im vergangenen Jahr den Risikoraum "Stadt" untersucht hatten. Ernährungsunsicherheit und Katastrophenrisiko verstärken sich gegenseitig, betonen sie. Wenn Erdbeben, Vulkanausbrüche, Dürreperioden oder Sturmfluten in einem Land auf eine instabile Versorgungslage treffen, potenziert sich das Katastrophenrisiko. Auch wenn fehlende Ernährungssicherheit die Menschen zur Migration zwingt, erhöht sich ihr Risiko, Opfer einer Katastrophe zu werden. Denn Migranten blieben in den neuen Siedlungsgebieten oft nur die Flächen an steilen Berghängen oder Flussufern. Einen hohen Handlungsbedarf in Sachen Ernährungssicherheit stellt der Bericht unter anderem in Bangladesh, Haiti, Senegal, Simbabwe und Tschad fest.

Hohes Risiko im und am Meer

In einem Index bewerten die Wissenschaftler das Katastrophenrisiko von 171 Ländern anhand von 28 Indikatoren in einer kombinierten Analyse von Naturgefahren und gesellschaftlichem Umfeld. Zum fünften Mal hintereinander ist der kleine Inselstaat Vanuatu unrühmlicher Spitzenreiter, danach folgen Tonga, die Philippinen, Guatemala, Bangladesch, Costa Rica und Kambodscha. Die 15 am meisten gefährdeten Staaten liegen auf Inseln oder am Meer. Einigen steht das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals, so ein Wissenschaftler in Anspielung auf steigende Meeresspiegel. Deutschland im übrigen liegt im Weltrisiko-Index weit hinten auf Platz 146 von 171 Staaten.