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Welt

Hohe Strafen für Bürgerkriegsmassaker

Für einen drei Jahrzehnte zurückliegenden Massenmord wurden in Guatemala vier Angeklagte zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Ex-Militärs hatten auf der Suche nach Guerilleros fast alle Bewohner eines Dorfs getötet.

Der Angeklagte Carlos Antonio Carias stehend vor Gericht (Foto: AP)

Der Hauptangeklagte Carlos Antonio Carías

In Guatemala gilt der Prozess als historisch. Es war das erste Mal, dass in dem mittelamerikanischen Land frühere Soldaten wegen eines Massakers während des Bürgerkriegs verurteilt wurden – und dies zu hohen Strafen. Der Leutnant Carlos Antonio Carías und drei seiner Untergebenen wurden zu jeweils unvorstellbaren 6060 Jahren Haft verurteilt. Sie wurden für schuldig befunden, zwischen dem 6. und 8. Dezember 1982 als Mitglieder der Spezialeinheit Kabil 201 Bewohner des Dorfes Dos Erres im Norden des Landes ermordet zu haben. Demnach erhielten sie für jeden der Getöteten 30 Jahre Haft sowie noch einmal 30 Jahre wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Gefährdung der Staatssicherheit". Die Staatsanwaltschaft hatte sogar für die vier Angeklagten jeweils 12.060 Jahre Haft gefordert.

Gericht: "Perverse" Tat

Das Gericht befand am Dienstag (02.08.2011), die Angeklagten hätten "pervers" gehandelt, als sie nach dem Massenmord das Dorf von der Landkarte radierten. Nach Angaben von Augenzeugen wurden bei dem Massaker alle Bewohner des Dorfes im Norden des Landes mit Ausnahme von sieben Kindern getötet und in einen Brunnen geworfen. Neben den vier Verurteilten befinden sich im Zusammenhang mit der Bluttat derzeit drei weitere Männer in Guatemala und Kanada in Untersuchungshaft. Zudem wurde ein weiterer Soldat, der ebenfalls in die Tötungen verwickelt gewesen sein soll, nach seiner Auslieferung aus den USA festgenommen.

Die juristische Aufarbeitung des lang zurückliegenden Massakers wurde vor allem aufgrund der Arbeit von Forensikern möglich, die darauf spezialisiert sind, von Streitkräften begangene Straftaten zu untersuchen.

200.000 Tote bei Kämpfen zwischen Armee und Guerilla

Der frühere Militärmachthaber Efrain Rios Montt bei einer Rede (Foto: AP)

Der frühere Militärmachthaber Efraín Ríos Montt soll den Befehl für das Massaker gegeben haben

Den Befehl für das Massaker soll der frühere Militärmachthaber Efraín Ríos Montt gegeben haben, der 1982 durch einen Putsch an die Macht gelangt war. Gegen ihn wird in Spanien und Guatemala wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während seiner eineinhalbjährigen Gewaltherrschaft ermittelt. Laut einem Bericht der nach dem Ende des Bürgerkrieges 1996 eingesetzten Wahrheitskommission wurden in dem 36 Jahre dauernden Konflikt zwischen Armee und linksgerichteter Guerilla rund 200.000 Menschen getötet oder beiseite geschafft. Die staatliche Gewalt richtete sich vor allem gegen die indigene Bevölkerung, die nun für eine radikale Aufarbeitung der blutigen Vergangenheit kämpft. Dieses Urteil dürfte ein wichtiger Baustein dieser Aufarbeitung sein.

Autor: Walter Lausch (afp, dpa)
Redaktion: Annamaria Sigrist

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