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Deutschland

Hohe Erwartungen an die deutsche Außenpolitik

Was erwartet die Welt von der deutschen Außenpolitik? Die Meinungen der DW- Leser zu dieser Frage unterscheiden sich stark von denen, die die Deutschen in einer Umfrage des Außenministeriums gaben.

Kommentare auf Facebook sind zugegebenermaßen kaum repräsentativ, und sicher haben sie keine statistische Bedeutung. Aber sie sind eine Art Lackmustest, ein persönlicher Blick darauf, was eine bestimmte Gruppe von Menschen zu einem Thema denkt.

Und zum Thema Deutschland teilen DW-Facebook-Nutzer ihre Gedanken sehr gerne. Sie schreiben über ihre Liebe genauso wie über den Frust angesichts der politischen und wirtschaftlichen Rolle des Landes. Also haben wir unsere Leser auf Facebook (facebook.com/dw.english) anlässlich Frank-Walter Steinmeiers Rede zur Außenpolitik gefragt: „Was erwarten Sie von Deutschland?“ Mehrere Dutzend Kommentare geben einen Überblick, was Menschen außerhalb Deutschlands von der Regierung in Berlin halten und was sie von der deutschen Außenpolitik erwarten.

DW-Facebook-Fans: größere Rolle für Deutschland

Screenshot DW.DE Englisch Diskussion New Diplomacy

Was denken DW-Facebook-Fans über die Rolle Deutschlands in der Welt?

Abgesehen von allgegenwärtigen Verweisen auf deutsche Spitzenleistungen bei Autos und Bier, schreiben die Facebook-Fans mehrheitlich, dass sie von Deutschland eine größere Rolle in der globalen Politik erwarten.

"Deutschland kann sich nicht immer hinter der Wand verstecken, die wegen des zweiten Weltkriegs aufgebaut wurde. Es sollte dahinter hervorkommen und tatsächlich ein Bürger dieser Welt sein", schreibt Peter Hannemann. Azam Ali Soomro teilt diese Ansicht: "Deutschland soll eine wichtige Rolle bei regionalen und internationalen Angelegenheiten spielen."

Die Leser schreiben Deutschland eine internationale Führungsrolle zu und das nicht nur in Europa. Viele Kommentare verbinden die hohen Erwartungen an Deutschland mit der Frustration, dass die USA die einzig verbliebene Supermacht sei.

"Es ist an der Zeit, dass die USA als Weltpolizist (sozusagen) in den Ruhestand gehen. Trotz seiner dunklen Vergangenheit könnte Deutschland eine stärkere militärische Rolle bei der Verteidigung Europas einnehmen“, schreibt Jason Nelson.

Adolfo Bon hat große Erwartungen an Berlin. Deutschland sei eine „kritische, unabhängige und einflussreiche Stimme in der Welt, in der die USA in den letzten Jahrzehnten das Tempo bestimmt haben.“

Innenansicht

Natürlich unterscheiden sich die Erwartungen je nach Standpunkt. Während die internationalen DW-Leser eine aktivere und stärker wahrnehmbare Rolle Deutschlands in der globalen Politik begrüßen würden, sehen das die Deutschen selbst etwas anders. Als das Außenministerium in Zusammenarbeit mit der Körber Stiftung in einer Umfrage dieselbe Frage stellte, war das Ergebnis fast das genaue Gegenteil vom Stimmungsbild der DW-Facebook-Fans.

Nach der Körber-Umfrage bevorzugen die Deutschen "Zurückhaltung", wenn es um die Verantwortung bei internationalen Krisen geht. Laut der am 20. Mai veröffentlichten, repräsentativen Studie sprachen sich 60 Prozent der Deutschen für weniger Engagement in Krisenherden aus, während nur 37 Prozent gerne "mehr Engagement" sehen würden.

Vorsichtige Annäherung

Die Deutschen erwarten von ihrer politischen Führung aber auch keine isolierte Position. Sie befürworten eine stärkere Rolle Deutschlands, solange gewahrt bleibt, was ihnen wichtig ist: der Schutz der Menschenrechte und der Umwelt. Die Verhinderung ethnischer Konflikte, die Verteidigung von Bündnispartnern oder der Schutz schwacher Staaten vor Aggressoren wird von den 1000 Befragten als weit weniger wichtig angesehen.

Mit anderen Worten: Vier von fünf Deutschen möchten die Bundeswehr weniger an internationalen militärischen Einsätzen beteiligt sehen und zwei Drittel sind der Meinung, Deutschland solle seine Zurückhaltung in außenpolitischen Fragen beibehalten. Das Ergebnis einer Umfrage vor 20 Jahren sah noch ganz anders aus, damals wünschten sich 62 Prozent eine stärkere deutsche Rolle auf der internationalen Bühne.

Die aktuelle Umfrage zeigt auch, wie wenig Unterstützung es im eigenen Land für Versprechen der politischen Führung gibt, einen robusteren außenpolitischen Kurs einzuschlagen. Im Januar dieses Jahres haben Bundespräsident Joachim Gauck, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen von einer stärkeren globalen Rolle Deutschlands gesprochen. "Deutschland ist eigentlich zu groß, um Weltpolitik nur von der Außenlinie zu kommentieren", sagte Steinmeier. Und Gauck ergänzte: "Die Bundesrepublik sollte sich als guter Partner früher, entschiedener und substanzieller einbringen."

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