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Amerika

Hohe Erwartungen an den Papstbesuch

Nach Mexiko besucht der Papst Kuba - ein Land im Umbruch. Dieser Wandel zeigt sich auch in den Erwartungen der Gläubigen und der Opposition. Doch alle Wünsche wird Benedikt bei seiner 'Pilgerreise' kaum erfüllen können.

Sie können sich noch gut erinnern an seinen Besuch, damals 1998: Johannes Paul II., der polnische Papst, gab den Kubanern den Weihnachtsfeiertag zurück - den einzigen religiösen Feiertag auf der Insel. Er festigte die erst kurz zuvor erneuerten Beziehungen zwischen Kirche und Staat, verurteilte das Wirtschaftsembargo der USA und setzte sich gegenüber dem damaligen Präsidenten Fidel Castro für etwa hundert politische Gefangene ein. Er traf sich mit Intellektuellen sowie mit katholischen, evangelischen und jüdischen Gläubigen und krönte die Barmherzige Jungfrau von Cobre zur "Mutter aller Kubaner, ungeachtet der Rasse, politischen Einstellung oder Ideologie".

Johannes Paul II. im Papa-Mobil in Santiago de Cuba am 24. Januar 1998 (Foto: dpa)

Johannes Paul II. bei seinem Besuch 1998 in Santiago de Cuba

Der deutsche Papst, Benedikt XVI., wird als "Pilger der Barmherzigkeit" anreisen, um das 400. Jubiläum der Entdeckung des Erscheinungsbildes dieser kubanischen Schutzheiligen zu feiern. Bei seiner Reise werde Benedikt XVI. mit einem neuen Staatschef zusammentreffen und "bessere Beziehungen" zur nationalen Kirchenhierarchie vorfinden als sein Vorgänger, sagt Arturo López Levy, kubanisch-amerikanischer Politologe an der Universität Denver. Dem neuen Staatschef Raúl Castro wird weniger persönliches Charisma zugeschrieben - aber größere institutionelle Ordnung: Kuba befindet sich inmitten eines Wandlungsprozesses des wirtschaftlichen und politischen Systems. Castros Anhänger und moderate Kritiker bezeichnen das als "Aktualisierung", als "Reformen" und "Übergang". Seine Gegner nennen es abfällig "Recycling".

Religiöser Schmelztiegel

Mittendrin steckt die kubanische Kirche. Sie strebt den Vorstoß in soziale Schlüsselräume an. Jahrzehntelang war ihr das verwehrt geblieben; jetzt gewinnt sie diese Räume mit staatlicher Duldung langsam zurück: Raum für freie Religionsausübung, ein Bildungs- und Mediennetz parallel zum staatlichen - zum Beispiel Sommerschulen, digitale Veröffentlichungen und gelegentliche Auftritte in den Medien - sowie die Vermittlerrolle bei Themen nationaler und internationaler Tragweite, wie etwa die jüngste Befreiung politischer Gefangener.

Gläubige vor dem Schrein der Schutzpatronin Kubas in der Kirche 'Nuestra Señora de la Caridad' in Havanna (Foto: dpa)

Getauft, aber nicht unbedingt katholisch: Gläubige vor dem Schrein der Schutzpatronin Kubas

Der Papstbesuch weckt Enthusiasmus und Neugierde bei einem Volk, das laut dem Generalvikar Havannas, Carlos Manuel de Céspedes, "sehr religiös ist, aber dem strikten Wortlaut nach nur in der Minderheit katholisch". Die katholischen Behörden sagen, dass etwa 60 Prozent der 11,2 Millionen Kubaner getauft seien, aber nur fünf Prozent davon regelmäßig den Gottesdienst besuchten. Im Alltag allerdings vermischen sich die Religionen: Katholiken mit Protestanten, Juden und Spiritisten mit Orthodoxen, einigen Muslimen und mit Gläubigen afrikanischer Herkunft und Religion wie der Santería, mit der schätzungsweise zwischen 75 und 85 Prozent der Bevölkerung in Verbindung gebracht werden. Keine dieser Glaubensrichtungen ist jedoch so institutionalisiert und international mächtig wie die Katholische Kirche und Benedikt XVI. sieht von ökumenischen Zusammenkünften in Kuba ab.     

Vorfreude und Kritik

Die Regierung wird die öffentlichen Verkehrsmittel der Insel für die päpstlichen Messen am 26. und 28. März zur Verfügung stellen. Diejenigen, die sie in Santiago und Havanna besuchen möchten, bekommen für diese Tage von staatlichen Arbeitgebern frei. Verglichen mit der vorherigen Papst-Reise durch Brasilien oder jetzt durch Mexiko gibt es auf Kuba weniger Kritik - auch wenn liberale Denker die katholische Haltung zu Themen wie Empfängnisverhütung, Abtreibung oder zur gleichgeschlechtlichen Ehe verurteilen. Kritik habe es vor allem bei linken Gruppierungen gegeben, die außerhalb der offiziellen Kommunistischen Partei angesiedelt sind, wie die Vereinigung "Kritische Beobachtung", sagt der Politologe López Levy. Die Opposition hofft vor allem auf klare Worte des Papstes zu Menschenrechtsfragen.

Protestmarsch der 'Damas de Blanco' in Havanna . (Foto: AP/dapd)

Setzen sich für Menschenrechte ein: die 'Damas de Blanco'

Allgemein würden die meisten Kubaner und auch die kubanische Diaspora den Papstbesuch mit Freude erwarten, fügt López Levy hinzu. Etwa 400 Pilger werden aus dem Ausland erwartet. Der Papst stehe für größere religiöse Freiheiten und die Hoffnung auf mehr politischen Pluralismus. "Versöhnung", "Dialog", "Mäßigung", "schrittweise Öffnung" - das sind die Schlüsselworte der kirchlichen Behörden. Nichtsdestotrotz stellen sich diese gegen nicht vereinbarten "zivilen Ungehorsam", wie die jüngste Besetzung einer Kirche in Havanna durch Oppositionelle bezeichnet wurde, oder den Marsch der "Weißen Damen" entlang einer nicht vorgesehenen Route, um dabei ein Treffen mit dem Papst zu erzwingen.

Kirche mit eigener Agenda

Die Kirche verfolgt ihre eigenen Themen: In Einklang mit ihrer Sozialdoktrin sehe sich die kubanische Kirche als Fürsprecherin von Denk- und Handlungsräumen in einem "verantwortungsvollen Nationalismus" innerhalb und außerhalb der Insel sowie der Regierung. Das schrieben kürzlich López Levy und Lenier González, Herausgeber der kubanischen Zeitschrift "Espacio Laical". Demzufolge setzt die moderate kubanische Kirche auf "ein pluralistischeres politisches System und eine Wirtschaft mit höherer Marktbeteiligung", aber zugleich mit großem Nutzen für Bildung und Gesundheit. Und sie lehne die ausländische Einmischung der USA oder der Europäischen Union ab, ebenso die "radikalen Vorschläge eines totalitären Staates und neoliberalen Kapitalismus". Die Reise nach Kuba: eine Mission - und eine große Aufgabe für den deutschen Papst.

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