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Europa

Hohe Dunkelziffer

Alarmierende Zahlen: Rund 36 Millionen Menschen sind zur Zeit weltweit mit dem HIV-Virus infiziert. Vor allem in Osteuropa ist die Immunschwächekrankheit Aids auf dem Vormarsch.

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Immer mehr Menschen in Osteuropa infizieren sich mit HIV

Jedes Jahr infizieren sich weltweit 5 Millionen Menschen mit dem HIV-Virus. Lebten die meisten betroffenen Menschen in den afrikanischen Länder, so holen die osteuropäischen Staaten auf - im traurigen Zahlen-Wettlauf.

Trügerische Bilanzen

Noch bis vor wenigen Jahren war HIV kein Thema in Osteuropa. Gab es in der Ukraine 1995 praktisch keine Aidskranken, so wurden dort seit 1996 bereits 20.000 Menschen mit HIV registriert. Auch in Rumänien wurden die ersten Fälle erst Anfang der neunziger Jahre bekannt. Die Gründe für den sprunghaften Anstieg: Prostitution, Drogenmissbrauch, infizierte Blutkonserven. Aber genaue Zahlen sind ein Vabanque-Spiel, denn die Daten der offiziellen Statistiken geben nicht die wirkliche Anzahl der Infizierten wieder.

Russisches Roulette

Denkmal für AIDS-Opfer in der Ukraine

Aids-Klinik in Kiev, Ukraine

Allein in Russland sind nach neuesten Schätzungen etwa 194.000 Menschen mit HIV infiziert. Aber die tatsächliche Zahl an Infizierten wird sogar auf eine Million Menschen geschätzt, sagt Vadim Pokrovki, Leiter des russischen Zentrums für Aids und HIV. Die Finanzmittel für HIV-Tests reichen einfach nicht aus, um das wirkliche Ausmaß zu bestimmen. Die Zahlen könnten allenfalls eine Schätzung bleiben.

Gefahr der Metropolen

Die Gründe für diese erschreckende Bilanz heißen Drogenmissbrauch und Prostitution. Russische Experten schätzen, dass sich jährlich ungefähr sieben- bis achttausend Bürger in den russischen Großstädten infizieren - vier mal so viel wie jährlich überhaupt in Deutschland verzeichnet werden. Denn Metropolen wie Moskau, Petersburg oder Kaliningrad sind gleichzeitig auch Umschlagplätze von Drogen und Hochburgen der Prostitution. Aber die Zahl der HIV-Infizierten wächst auch in Odessa in der Ukraine oder Irkutsk in Sibirien: Orte auf dem Transitweg des Drogenschmuggels aus dem fernen Osten.

Noch ist die Krankheit nicht sichtbar, denn seit den achtziger Jahren sind nur wenige Tausend Menschen an Aids gestorben. Doch Prognose zufolge können bis zum Jahr 2015 etwa 100.000 der Infizierten gestorben sein.

Aufklärung auf dem Rückmarsch

Dennoch sind entsprechende Präventionsmaßnahmen auf dem Rückzug. Ein von der russischen Regierung ins Leben gerufene "nationales Programm" habe mit Aufklärungskampagnen zu spät angefangen, sagen Experten. Laut UNAIDS, eine Organisation der Vereinten Nationen, sind die Hälfte der Infizierten unter 25 Jahre alt. Waren die achtziger Jahre von weltweiten Aktionen und Aufklärungskampagnen geprägt, so wachse heute eine neue Generation heran, die wenig an Aufklärung interessiert sei.

Henning Mikkelsen, Koordinator bei UNAIDS für Ost-Europa, fordert daher konkrete Maßnahmen der Politik und der Regierungen vor Ort. Gerade jüngere Leute brächten Initiativen, die ihnen mehr "Fähigkeiten für das Leben" vermitteln, sagte Mikkelsen im Interview mit DW-WORLD.

Verseuchtes Blut in Rumänien

AIDS in Rumänien

Kinder mit HIV in Rumänien

Ein weiterer Aids-Brennpunkt ist Rumänien: Die marode Gesundheitspolitik des Diktators Ceausescu förderte die höchste Rate an Aids-infizierten Kindern in Europa zutage. Verseuchte Blutkonserven und eine Politik des Schweigens sind schuld an der hohen Rate. Offiziell sind über 5.000 Kinder mit HIV und Aids registriert. Inoffiziell aber sind es zwischen 11.000 und 14.000. Im Hinblick auf eine EU-Osterweiterung ein möglicher Stolperstein, denn bisher hat sich die rumänischen Regierung nur wenig für seine Kinder engagiert, sagen internationale Hilfsorganisationen.

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