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Wirtschaft

Hoffnungsträger: Social Entrepreneurs in Davos

Top-Manager und Staatschefs geben sich derzeit in Davos die Klinke in die Hand. Doch auch Menschen, die sich das soziale Unternehmertum auf die Fahne geschrieben haben, sind zum Weltwirtschaftsforum eingeladen.

Handwerker befestigt Logos vom WEF in Davos (Foto: dapd)

Letzte Vorbereitungen für die große Bühne in Davos

Er ist über 9000 Kilometer von Bogota nach Zürich geflogen, dann noch einige Stunden mit der Bahn gefahren, um ins winterliche Davos zu kommen. Felipe Vegara ist Kolumbianer und im vergangenen Jahr als "Social Entrepreneur" (Sozialer Unternehmer) für Lateinamerika ausgezeichnet worden. Mit dieser Auszeichnung durch die Schwab Foundation kam auch eine Einladung zum diesjährigen Weltwirtschaftsforum. Für den Ingenieur ist dies eine einmalige Chance. Jetzt kann er hier die Entscheider treffen: Unternehmenschefs und Regierungsvertreter. "Es ist wichtig, in die Ausbildung junger Menschen zu investieren", sagt er und will in Davos für seine Organisation namens Lumni werben. Lumni gewährt jungen Menschen Ausbildungsdarlehen. Das soll ihnen Chancen eröffnen, die sie sonst nicht hätten. Denn in vielen Ländern ist es für junge Menschen schwierig, ein Studium ohne die Hilfe finanziell gut gestellter Eltern zu finanzieren.

Kritik am System

Hubschrauber der Schweizer Streitkräfte in Davos (Foto:dapd)

Besonders wichtige Gäste kommen per Helikopter

"Der Kapitalismus ist in der Krise", betont Vegara. "Der große Unterschied zwischen arm und reich muss überwunden werden und das geht am besten durch Bildung." Sie sind nur eine kleine Gruppe, die Social Entrepreneurs, aber sie finden immer mehr Gehör, auch auf dem Weltwirtschaftsforum. Sie nehmen teil an Debatten über Leadership oder nachhaltiges Wirtschaften, sitzen mit Milliardären und Präsidenten am Tisch.

Klaus Schwab, der Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, fördert mit seiner Schwab Foundation das soziale Unternehmertum. Die Stiftung, die von seiner Frau Hilde geleitet wird, hat ein einzigartiges Netzwerk aufgebaut. Die Social Entrepreneurs tauschen sich intensiv aus, versuchen von den Erfahrungen der anderen zu lernen, entwickeln tragfähige Unternehmensmodelle. Im Aufsichtsrat sitzt neben anderen auch der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Er ist auch in diesem Jahr wieder nach Davos gekommen und hat seinen ersten Abend hier mit den Sozialunternehmern verbracht.

Vorbilder für andere

Hilde Schwab und Sue Riddlestone auf dem WEF Forum on Europe 2011 (Quelle: WEF) Aufnahme: Januar 2011, Davos, Schweiz Quelle: WEF Unter Quellenangabe frei zur Verwendung für Pressezwecke

Hilde Schwab und Sue Riddlestone auf einem WEF-Meeting im Juni 2011

Schon allein damit war der Abend für Sue Riddlestone ein Erfolg. Yunus ist für sie ein vorbildlicher Social Entrepreneur. "Er kämpft gegen die Armut", sagt sie: "Das ist wichtig." Die zunehmenden Einkommensunterschiede bereiten der Engländerin Sorgen. "Wir müssen unser Wirtschaften dahingehend verändern, dass ethische und soziale Aspekte beachtet werden", betont sie und lässt keinen Zweifel daran, dass ihr eigenes Unternehmen solchen Prinzipen folgt. Ihre "Bio Regional Development Group" berät in allen Fragen der Ökologie, ihre Projekte werden auch zu den Olympischen Spielen in London umgesetzt.

Business der Zukunft

Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus (Foto: AP)

Muhammad Yunus ist ein Vorbild der Social Entrepreneurs

Social Entrepreneurship heißt für Riddlestone aber auch, unternehmerisch handeln: "Wir machen Profite, um sie wieder zu investieren, das ist das Business der Zukunft“, erklärt sie. Nachhaltigkeit sei dabei oberstes Gebot. Verschwendung und einer Wegwerfmentalität erteilt sie eine klare Absage. Ein wenig neidisch schaut sie nach Deutschland: Dort seien die Leute viel umweltbewusster als in Großbritannien. Den Kapitalismus angelsächsischer Prägung sieht sie dagegen auf dem falschen Weg.

30 Sozialunternehmer sind nach Davos gekommen, werben hier für "Anders Wirtschaften". Dabei ist auch Essma Ben Hamidia aus Tuenesien. 2010 wurde sie mit ihrer Organisation "Enda Inter Araba" als Social Entrepreneur ausgezeichnet. Sie vergibt Mikrokredite. "70 Prozent unser Kreditnehmer sind Frauen, sie haben in der Regel keinen Zugang zur Banken besonders in den ländlichen Gebieten, aber mit ihren kleinen Geschäften ernähren sie oft die Familie", erläutert sie. Essma ben Hamidia sorgt sich ganz besonders um die vielen arbeitslosen Jugendlichen in Tunesien. "Wir haben eine Million arbeitslose junge Menschen, das führt zu sozialen Problemen", erzählt sie. Auch hier könnten Kleinstkredite helfen, weil die Jugendlichen dann etwas Sinnvolles machen könnten, zum Beispiel ein eigenes Unternehmen gründen. "Das Potential ist da", sagt sie hoffnungsvoll.

Entrepreneurship 2.0

President and editor-in-chief of the AOL Huffington Post Media Group, Arianna Huffington makes remarks at the National Association of Arianna Huffington, Hauptredakteurin von AOL Huffington Post Media Group (AP Photo)

Auch Arianna Huffington hat ein Herz für Social Entrepreneurs

Überrascht ist sie dann aber doch, als Arianna Huffington zum Dinner der Social Entrepreneurs auftaucht. Die einflussreiche Journalistin und Gründerin der populären Onlinezeitung "Huffington Post" will zum Weltwirtschaftsforum eine eigene Online-Ausgabe über die Sozialunternehmer einrichten. Die sollen Kommentare, Eindrücke, Bilder und Videos posten. Damit ist das soziale Unternehmertum im Web 2.0 angekommen.

Autorin: Manuela Kasper-Claridge, z.Zt. Davos
Redaktion: Henrik Böhme

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