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Kultur

Hoffnungsschimmer Kaffeebohne - Fairer Handel in Honduras

Seit rund drei Jahrzehnten hilft der sogenannte Faire Handel Kaffeebauern in Zentralamerika, Asien und Afrika dabei, ihre bescheidene Existenz zu sichern. So auch den Kaffeebauern von San Juancito in Honduras.

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Fairer Handel sichert den Kaffeebauern in Honduras auch in Krisenzeiten die Existenz

Wenn die wenigen Besucher, die sich bislang ins Dörfchen San Juancito verirren, den Weg zu der kleinen Caféteria am Ortseingang finden, fällt ihnen zunächst ein Bild mit einer überdimensionalen Tasse Kaffee im Inneren des Bistros auf. Kaffee hat für San Juancito und seine Bewohner eine herausragende Bedeutung. Mehr noch: Ohne die begehrten Bohnen gäbe es San Juancito vielleicht gar nicht mehr.

Dabei lebten die Menschen hier einst in einem regelrechten Goldrausch: Bis 1954 war San Juancito, 44 Kilometer von der Hauptstadt Tegucigalpa entfernt in den honduranischen Bergen gelegen, Zentrum der Rosario Mining Corporation. Doch dann wurde die Mine aufgegeben, zurück blieb eine Geisterstadt. Immer mehr Menschen wanderten ab. Doch irgendwann kamen neue Einwohner dazu.

Kaffee-Kooperative als Sozialstifterin

Kaffeebauern aus anderen Regionen hatten von den guten klimatischen Bedingungen rund um San Juancito gehört. An den Steilhängen in einer Höhe bis zu 1650 Meter über dem Meeresspiegel schienen die Voraussetzungen für den Kaffeeanbau ideal. 1984 wurde die Kooperative COMISAJUL gegründet. Sie verschrieb sich von Anfang an der sozialen Entwicklung der Ortschaft.

Kinder bei der Kaffee-Ernte in Honduras

Auch Kinder helfen bei der Kaffee-Ernte mit

"Die Kooperative war für die Gemeinde eine Art Pionierin", sagt der heutige Geschäftsführer Saul Dominguez. "1987 gründete sie die hiesige Schule, und von einem Teil der Erlöse, die aus dem Kaffee-Verkauf erzielt wurden, konnten auch die Lehrer und das Schulmaterial bezahlt werden. Außerdem hat die Kooperative Jugendlichen mit Stipendien geholfen, damit sie ihre Schulbildung fortsetzen konnten."

Fairer Handel sichert Existenzen

Die Kooperative wollte die wirtschaftliche Situation für die Kaffeebauern rund um San Juancito verbessern - vorwiegend Kleinproduzenten mit durchschnittlich drei oder vier Hektar Anbaufläche. Dafür setzte COMISAJUL zu einem großen Teil auf den Fairen Handel, an den inzwischen rund 40 Prozent der Ernte verkauft werden. Das war besonders wichtig in den Krisenzeiten, als der Preis pro Quintal – das ist ein etwa 45-Kilo-Sack - unter 60 US-Dollar fiel, während er beim Fairen Handel 126 US-Dollar beträgt.

"Wir haben damals den Unterschied gesehen zwischen einem Produzenten, der zu unserer Kooperative gehört und einem, der seine Finca hatte, aber kein Mitglied in irgendeiner Kooperative war", erinnert sich Saul Dominguez. "Die, die nicht organisiert waren und vom Fairen Handel nicht profitierten, haben ganz einfach ihre Finca verloren."

Nicht nur fair, auch organisch

Die Qualität des Kaffees aus San Juancito hat sich in den vergangenen Jahren noch gesteigert. Kenner schätzen den ausgewogenen Säuregehalt der Bohnen, aus denen sich ein milder Kaffee produzieren lässt. Diese Verfeinerungen sind auch den Seminaren zu verdanken, die die Kooperative für ihre Mitglieder durchführt und die ebenfalls durch die Fairhandelsprämien ermöglicht wurden.

COMISAJUL erprobt mit den Produzenten auch die Umstellung auf organischen Kaffee. Immer mehr Mitglieder machen dabei mit, wie zum Beispiel die 52-jährige Kaffeebäuerin Dona Irma, die nur noch organische Düngemittel verwendet. "Der biologische Anbau bedeutet Leben für die Pflanzen. Die Produzenten müssen lernen, dass die chemischen Produkte nur synthetisch sind und nur eine kurze Zeit vorhalten. Die organischen Materialien dagegen sind dauerhaft."

Der Bio-Kaffee hat noch einen weiteren Vorteil: Auf dem fairen Markt lässt sich damit ein Preis erzielen, der mit 145 US-Dollar pro Quintal noch einmal 19 Cents über dem "normalen" fairen Preis liegt. Andere Kleinproduzenten in San Juancito setzen zusätzlich zum Biokaffee auf die Diversifizierung ihrer Produkte. Sie bauen Obst und Gemüse an - sowohl zum Verkauf auf den lokalen Märkten als auch zum Eigenverbrauch.

Noch zu wenig Fair-Trade-Kunden

Emilio Mejia Mayorga zum Beispiel erntet alljährlich auch noch Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln und Knoblauch. Dennoch bleibt der Kaffeeanbau auf etwa fünf Hektar in steiler Hanglage das Hauptgeschäft des 52-Jährigen. Emilio schätzt den Fairen Handel, den man seiner Meinung nach auch in Zeiten steigender Weltmarktpreise nicht aufgeben sollte. Schließlich habe man beim Fairen Handel langfristige Lieferbeziehungen und garantierte Preise. Somit ist man den Schwankungen des Weltmarktes nicht so sehr ausgesetzt.

Emilio weiß aber auch, dass das Fairhandelssystem seine Grenzen hat. "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass der Faire Handel letztlich von den Verbrauchern bezahlt wird, die diese Produkte kaufen. Und das ist eine Minderheit. Deshalb können wir nicht immer mehr verlangen. Jedenfalls nicht, so lange nicht mehr auf dem Fairen Markt verkauft wird."

Die Kaffeebauern in San Juancito wünschen sich, dass nicht nur die Konsumenten im fernen Europa und in den USA über den Fairen Handel Bescheid wissen. Auch in Honduras selbst müsste es dafür eine politische Lobby geben, heißt es bei COMISAJUL. Bislang wissen in Tegucigalpa viele Menschen noch nicht einmal, dass in San Juancito - eine Autostunde von ihnen entfernt - überhaupt Kaffee angebaut wird.

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