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Nahost

Hoffnungsschimmer in Nahost?

Der Vorschlag von Kronprinz Abdullah stößt auf viel Sympathie. In einem Punkt sind sich die meisten einig: Der saudi-arabische Friedensplan ist zumindest einen Versuch wert. Ein Kommentar von Rainer Sollich.

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Israel zieht sich aus den 1967 eroberten Gebieten zurück und erhält zur Belohnung normale diplomatische Beziehungen zur arabischen Staatenwelt. Die Palästinenser bekommen ihren lang ersehnten Staat einschließlich Ost-Jerusalem, lassen den Israelis aber ihre Souveränität über die Klagemauer und das jüdische Altstadt-Viertel.

Eine schöne Vision, doch ist sie auch umsetzbar? Mit den derzeitigen Regierungen in Israel, in den Palästinensergebieten und in vielen arabischen Staaten eigentlich kaum vorstellbar. Und doch haftet der saudi-arabischen Initiative etwas Hoffnungsvolles an – jedenfalls wenn man die öffentlichen Reaktionen ernst nimmt: Die Amerikaner äußern Sympathie und vorsichtige Zustimmung, Israels Außenminister Schimon Peres nennt den Plan "faszinierend" – und sogar ein Hardliner wie Ministerpräsident Ariel Scharon signalisiert Interesse.

Verständlich, den der Plan kommt aus einer Richtung, aus der ein derartiger Impuls zur Zeit kaum zu erwarten war. Saudi-Arabien hat einen schweren Stand in der arabischen Welt, weil es mit den USA kooperiert. Der amerikanische Unwille, mehr Druck auf Israel auszuüben, setzt das saudische Regime noch stärker unter Druck. Insofern erstaunt es zunächst, dass ausgerechnet Riad eine diplomatische Anerkennung Israels ins Spiel bringt. Selbst für den eingeforderten Preis eines souveränen Palästinenserstaates dürfte dies keinesfalls in der gesamten arabischen Welt auf Zustimmung stoßen. Und das ist zugleich eine Schwachstelle: Es bleibt zunächst ungewiss, wie viele arabische Regierungen die Initiative mittragen würden.

Und doch ist den Saudis mit dem Vorschlag ein geschickter Schachzug gelungen. Man darf nicht vergessen: Die meisten Attentäter des 11. September waren saudische Staatsbürger. Riad gewinnt nun mit seiner Initiative verlorene amerikanische Sympathien zurück – und beweist zugleich politischen Realismus. Denn eine Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts erfordert nun einmal beides: die Anerkennung des Existenzrechts Israels und die Anerkennung eines künftigen Staates Palästina. Und: Sollten die USA in Zukunft wirklich gegen den Irak losschlagen, dann könnten die Saudis in der arabischen Welt zumindest symbolkräftig darauf verweisen, dass sie, die Hüter der heiligen Stätten des Islam, zur Entschärfung eines viel elementareren Konflikts in der Region mit beigetragen haben.

Große Hoffnungen auf eine Umsetzung des Plans sind vorerst trotzdem nicht angebracht. Der Nahost-Friedensprozess ist auch bisher nicht an einem Mangel denkbarer Kompromissvorschläge gescheitert, sondern am Unwillen beider Seiten, sie für den jeweils eigenen Teil auch umzusetzen. Das gegenseitige Misstrauen ist groß und wird mit jeder Demütigung und jedem Akt der Gewalt noch größer. Ob es um die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge oder um die jüdischen Siedlungen im Westjordanland geht: Die Führungen der Palästinenser und Israelis scheuen davor zurück, die eigene Bevölkerung auf die Notwendigkeit historischer Kompromisse einzuschwören.

Trotzdem sollten sich Amerikaner und Europäer bemühen, die Konfliktgegner wieder miteinander ins Gespräch zu bringen. Die von Palästinenserpräsident Yassir Arafat ins Spiel gebrachte Wiederaufnahme von Sicherheitsgesprächen ist ein erster wichtiger Schritt. Wenn der saudische Plan tatsächlich von beiden Seiten als Diskussionsvorlage für weiterreichende Kompromisse akzeptiert wird, dann gehört er auch schon bei solchen Gesprächen mit auf den Tisch.