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Afrika

Hoffnungsschimmer für den Sudan

Der Südsudan steht kurz vor seiner Unabhängigkeit. An der künftigen Grenze wird weiter gekämpft. Die Konfliktparteien haben nun zugesagt, ihre Truppen aus Abyei abzuziehen. Eine Chance auf Frieden für den Sudan?

Ein Südsudanese schwenkt die südsudanesiche Flagge (Foto: dpa)

Auf dem Weg zu einem eigenen Staat: Bewohner des Südsudan

Am 9. Juli wird der Südsudan ein unabhängiger Staat. Bisher gibt es für die Menschen aber kaum Grund zum Feiern. Entlang der zukünftigen Staatsgrenze mit dem Norden sind wieder gewaltsame Kämpfe ausgebrochen, die bereits zahlreiche Todesopfer forderten. Mehr als 100.000 Menschen sind auf der Flucht. Die Lage ist so angespannt wie seit dem Ende des Bürgerkriegs vor sechs Jahren nicht mehr.

Erste Einigung um Abyei

Immerhin gibt es jetzt einen ersten Hoffnungsschimmer. Im besonders blutigen Kampf um die Grenzregion Abyei haben die Konfliktparteien eine Einigung erzielt. Politische Vertreter aus Nord- und Südsudan haben zugesagt, ihre Truppen abzuziehen. Das Gebiet soll nun von UN-Blauhelmsoldaten aus Äthiopien überwacht werden. In der Region waren Kämpfe ausgebrochen, weil ihr Status völkerrechtlich noch ungeklärt ist. Truppen aus dem Norden halten die Grenzregion seit Mai besetzt. Sowohl die Regierung in Khartum als auch die Führung des neuen Südsudan in Juba erheben Anspruch auf das Gebiet. Ursprünglich sollten die Menschen in Abyei zeitgleich mit den Bewohnern des Südsudan im Januar über die Unabhängigkeit vom Norden abstimmen. "Weil man sich nicht einigen konnte, wer von den dort lebenden Menschen das Recht zu wählen hatte, fand die Abstimmung jedoch nicht statt", erklärt Andrews Atta-Asamoah vom Institute for Security Studies in Nairobi.

Ein UN-Blauhelmsoldat läuft vor einem UN-Panzer her. (Foto: dpa)

Blauhelmsoldaten aus Äthiopien sollen die Lage in Abyei kontrollieren

In Abyei lebt vor allem die sesshafte südsudanesische Volksgruppe der Dinka-Ngok, doch in der Region lassen auch Nomaden aus dem Norden vorübergehend ihre Herden grasen. Beide Volksgruppen befürchten, dass die Gegend dem jeweils anderen Landesteil zufallen könnte.

Endlich Frieden oder ein strategischer Schachzug?

Khalid Abdu Dahab, Sprecher des Panafrikanischen Parlamentes und selbst aus dem Nordsudan, begrüßt die Einigung über eine Demilitarisierung Abyeis. "Es ist ein gutes Zeichen, dass die Menschen keinen Krieg mehr wollen. Wir haben zu viele Jahre Krieg geführt und sowohl der Norden als auch der Süden haben stark darunter gelitten."

Die südsudanesische Journalistin Josephine Achiro traut der Zusage von Präsident Omar al-Bashir, seine Truppen aus Abyei abzuziehen, allerdings nicht. "Ich glaube, er hat gemerkt, dass die südsudanesische Regierung fast so weit war, die Oberhand über die Situation in Abyei zu gewinnen. Deshalb spielt er sein Spiel und sagt der internationalen Gemeinschaft, dass er seine Truppen abzieht. Das wird er nicht tun. Oder vielleicht nur kurzfristig, aber dann schickt er sie wieder zurück."

Viele ungeklärte Fragen vor der Teilung

Landkarte vom Süd- und Nordsudan (Grafik: dw)

Der Status der Grenzregion Abyei ist noch nicht geklärt

Der Streit um Abyei ist ein Streit um Land und Wasser – und um Erdöl. Doch in dem Konflikt geht es für die Politiker im muslimischen Norden und im christlich geprägten Süden um noch mehr. Marina Peter vom Verein Sudan Forum vermutet, dass der Streit um Abyei auch strategisch motiviert ist. Denn Fragen wie die zukünftige Grenzführung und die Verteilung der Ressourcen zwischen Nord- und Südsudan seien noch immer ungelöst. Zudem wollten sich beide Seiten einen Vorteil für die noch ausstehenden Verhandlungen verschaffen, ist Marina Peter überzeugt.

Präsident Omar al-Bashir hat durch die bevorstehende Teilung des Sudan innenpolitisch an Ansehen verloren. Im Januar hatten 99 Prozent der Südsudanesen in einer Volksabstimmung dafür gestimmt, sich vom Norden abzuspalten. Der bisher größte Staat Afrikas verliert mit dem Süden rund ein Drittel seiner Fläche und den Großteil seiner Erdölvorkommen.

Und gerade um das Öl wird - wie in Abyei - erbittert gestritten, erklärt Khalid Abdu Dahab vom Panafrikanischen Parlament. "Die größten Vorkommen sind im Süden, aber das Öl fließt durch eine Pipeline Richtung Norden", so Khalid Abdu Dahab. Dabei hätten Nord und Süd ein Interesse daran, dass das Öl fließe: "Kommt es zum Konflikt, sind beide Seiten Verlierer."

Lage in Süd-Kordofan kritisch

Flüchtlinge sitzen unter einem provisorischen Zeltdach. (Foto: dpa)

Viele Flüchtlinge im Sudan haben keinen Zugang zu humanitärer Hilfe

Das ölreiche Abyei ist nicht der einzige Brennpunkt im Sudan. Die ungelöste Krise in Darfur im Westen des Landes brodelt weiter, und seit zwei Wochen kämpfen auch im benachbarten Gebiet Süd-Kordofan, das ebenfalls an den Süden grenzt, die Soldaten des Nordens gegen Milizen aus dem Süden. "Einige Gegenden, die am Unabhängigkeitskampf gegen den Norden beteiligt waren, sind dort jetzt in der Schwebe. Denn sie gehören nach wie vor dem Norden und nicht dem Süden an", erklärt Konfliktforscher Andrews Atta-Asamoah. So sei auch der Status von Süd-Kordofan nach wie vor unklar, sagt Atta-Asamoah.

Allein in der Region sind nach Schätzungen der UNO mindestens 60.000 Menschen auf der Flucht. Ihre Lage ist alarmierend, weil sie bisher von humanitärer Hilfe abgeschnitten sind. Eberhardt Hitzler vom Lutherischen Weltbund sagt, die Kommunikation nach Süd-Kordofan sei stark behindert und die Regierung in Khartum blockiere den Zugang. Man sehe aber, "dass es viele Hinweise darauf gibt, dass es sich bei den jüngsten Auseinandersetzungen nicht nur um Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen handelt, sondern dass auch die Zivilbevölkerung und insbesondere Christen gezielt verhaftet oder sogar erschossen werden."

Was kann die internationale Gemeinschaft tun?

Omar al-Bashir (Foto: AP)

Präsident Omar al-Bashir

Khalid Abdu Dahab meint, das Ausland habe für den Sudan bisher nicht genug getan. "Es gab nach dem Friedensabkommen vor sechs Jahren viele Zusagen aus der internationalen Gemeinschaft, dem Sudan zu helfen." Nur ein Bruchteil dieser Versprechen sei tatsächlich eingehalten worden. "Wenn die internationale Gemeinschaft ihre Verantwortung nicht wahrnimmt, dann werden die Konsequenzen für den Süden noch schlimmer sein als für den Norden", mahnt Khalid Abdu Dahab.

Ein Ende der Gewalt im Sudan sei nicht in Sicht, sagt Marina Peter vom Sudan Forum. Die internationale Gemeinschaft müsse sich auf einen langwierigen Prozess der Demokratisierung einstellen, so die Sudan-Expertin. Man habe aber auch Druckmittel zur Verfügung: "Die internationale Gemeinschaft muss beiden Seiten klar machen, dass die versprochenen Hilfen, wie ein Schuldenerlass oder die Streichung des Sudans von der Terrorliste, natürlich nicht passieren können, so lange weiter Krieg geführt wird."

Denn eine Rückkehr zum Bürgerkrieg ist das letzte, was die Menschen in Nord und Süd des krisengeschüttelten Sudan jetzt gebrauchen können. Die Hoffnung im Süden auf einen demokratischen Neuanfang ist groß. Ob die Bürger des neuen Staates Südsudan den Tag ihrer Unabhängigkeit in drei Wochen allerdings tatsächlich in Frieden feiern können - diese Aussicht bleibt zum jetzigen Zeitpunkt mehr als ungewiss.

Autorin: Gönna Ketels
Redaktion: Stefanie Duckstein

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