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Kultur

Hoffnung vom Zuckerhut

Er hat einen brasilianischen, panamaischen und deutschen Pass. Er spielt für den VfB Stuttgart und gilt als Sturm-Hoffnung in der deutsche Nationalmannschaft für die WM 2006. DW-WORLD unterhielt sich mit Kevin Kuranyi.

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Ein Talent will nach oben

Als er mit sechs Jahren anfing Fußball zu spielen, träumte der Carioca – so heißt, wer in Rio geboren ist – Kevin Kuranyi davon, eines Tages das Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft zu tragen. Sein deutscher Vater erkannte das Potenzial seines Sohnes, fürchtete aber die Konkurrenz in einem Land, wo die Ronaldos auf den Bäumen zu wachsen scheinen. Als Kevin 15 Jahre alt war, flog er mit ihm nach Stuttgart.

Das Probetraining beim VfB Stuttgart stellte für Kuranyi kein Problem dar. Er überzeugte und durfte bleiben. Kuranyi wurde von der A-Jugend in die Amateur-Mannschaft des VfB übernommen, und schließlich holte ihn Trainer Felix Magath zu den Profis. Das war im Juli 2001. Inzwischen zweifelt in Deutschland keiner mehr daran, dass die Bundesliga mit ihm einen vielversprechenden Torjäger bekommen hat. Mit zehn Toren nach 18 Spieltagen der Bundesliga ist der Carioca eine der größten Entdeckungen der Saison.

An der Schwelle zur Nationalmannschaft

Nach nur vier Nominierungen für die deutsche Nationalmannschaft U-21 klopft Kuranyi nun schon an die Tür der A-Mannschaft. "Wenn Kevin so weiter spielt, wird es nicht mehr lange dauern, bis er dabei ist", sagt Rudi Völler. Das sieht sein Vereinstrainer ganz ähnlich: "Kevin ist nationalmannschaftsreif. Er steht stark unter Beobachtung und hat trotzdem nicht eigennützig gespielt", lobte VfB-Trainer Magath den Deutsch-Brasilianer am vergangenen Samstag (01.3.03). In den 90 Minuten zuvor bereitete er zwei Tore vor. Gegen Hertha BSC Berlin - ein Verein, der ihn nur zu gerne verpflichten würde.

Fernando Meira Kevin Kuranyi und Krasimir Balakov

Nach Torerfolg mit Schmuse-Schuh: Kevin Kuranyi

Im Gespräch mit DW-WORLD übt Kuranyi sich in Bescheidenheit. "Ich fange gerade an, den Fußball zu spielen, den ich hier in Stuttgart gelernt habe." Doch natürlich ist ihm nicht entgangen, dass es in Deutschland nicht allzu viele Sturm-Talente seiner Klasse gibt. "Ich hoffe, dass Völler mich eines Tage beruft." Eines Tages in diesem Jahr? "Ich drücke mir die Daumen."

Seinen Kindertraum, für die brasilianische Nationalmannschaft - die Seleção - zu spielen, scheint abgehakt zu sein. "Ich habe meine Profikarriere hier in Deutschland begonnen und mich entschieden für Deutschland zu spielen, auch wegen meines Vaters", sagt der Stürmer.

Kevin allein in Stuttgart

Trotz seiner Abstammung war es für Kuranyi schwer sich in Deutschland zu akklimatisieren - ein Problem, das er mit fast allen brasilianischen Fußballern teilt. Als er ankam, konnte er noch kein Deutsch. "Mein Vater hat mich hergebracht, bei einer Tante gelassen und ist wieder nach Brasilien zurückgeflogen. Ich bin hier ohne jemanden aus Brasilien geblieben. So habe ich vielleicht Deutsch etwas schneller gelernt, aber die ersten zwei Jahren waren sehr schwierig", erzählt Kuranyi. Die Sprache war nicht das einzige Hindernis für seine Integration in Deutschland. "Seit ich hier bin fehlt mir die Sonne und die Fröhlichkeit des brasilianischen Volkes. Dort gibt es viel mehr Probleme, viele Menschen haben kein Geld. Sie sind trotzdem fröhlich", wiederholt Kuranyi eine Erfahrung aller brasilianischen Einwanderer.

Wie Amoroso, Élber, Lúcio, Zé Roberto und die gesamte brasilianische Fraktion der Bundesliga, nimmt auch er jeden Urlaub wahr, um seine Sehnsucht nach Sonne und Fröhlichkeit zu befriedigen. Obwohl Familie Kuranyi inzwischen in Stuttgart wohnt, hat sie sich von ihrem Haus in Brasilien nicht getrennt.

Der Deutsche und der Brasilianer

Der Spieler mit drei Staatsbürgerschaften (Deutschland, Brasilien und Panama) hält es für einen Vorteil, sowohl Einflüsse von brasilianischem als auch von deutschem Fußball in sich zu vereinen. "Ich habe von beiden Seiten gelernt und nehme das Beste von beiden", sagt Kuranyi. "Wenn ich einen Gegenspieler tunnele, sagen die Kollegen: Da spielt der Brasilianer. Wenn ich springe und köpfe: Da ist der Deutsche."

Dankbar für die Chance Fußballprofi zu werden, will Kuranyi seinen Vertrag beim VfB Stuttgart bis 2004 (mit einem Jahr Option) erfüllen. "Ich will hier zwei Jahren weiter spielen, um weiter zu lernen." Er hofft seine Karriere danach in weniger kalten Länder fortsetzen zu können. "Die Zukunft ist offen, aber ich würde gern für einen großen Verein spielen." Und eben am liebsten in Südeuropa.

Zuckerhut und Betzenberg

Erst am 2. März wird er 21, aber der Stürmer überlegt schon jetzt, wo er seine Sportschuhe am Ende der Karriere hängen lassen will. Er will das Träumen nicht sein lassen. Es ist der Traum des Carioca in Kevin Kuranyi. "Am Ende meiner Karriere möchte ich für meinen Lieblingsverein spielen, Flamengo Rio de Janeiro." Statt wie früher auf der Tribüne will er auf dem Feld stehen. Um statt als Fan als Spieler dem Verein zu helfen. Ein Traum, den sich einer schon lange erfüllt hat: sein zukünftiger Nationalmannschaftskollege Miroslav Klose. Nur dass es bei ihm Kaiserslautern und nicht Rio war.