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Kunst

Hoffnung für Kulturerbe in Syrien

Aus Berlin werden Fortschritte bei der Rettung des syrischen Kulturerbes gemeldet. Internationale Experten vereinbarten Notfallmaßnahmen und versprachen Koordinierung. Auch lokale Akteure sollen jetzt unterstützt werden.

In Syrien wird noch heftig gekämpft. Doch die internationale Gemeinschaft plant jetzt schon für die Zeit danach. Über 230 syrische und internationale Experten beschlossen im Rahmen eines zweitätigen Treffens im Berliner Auswärtigen Amt Notfallmaßnahmen für den Schutz der syrischen Weltkulturstätten. Außerdem vereinbarten sie eine bessere Koordinierung ihrer Arbeit.

Besserer Informationsaustausch

Über konkrete Maßnahmen und Projekte wurde offiziell nichts bekannt. Wie die Deutsche Welle von Konferenzteilnehmern allerdings erfuhr, geht es unter anderem um einen besseren Informationsaustausch bei der Schadensdokumentation. Die syrische Architektin Zoya Masoud, die zur Zeit im

"Syrian Heritage Archive Project"

am Berliner Museum für Islamische Kunst arbeitet, sagte der DW, dass sich alle Akteure künftig regelmäßig austauschen wollten. Dabei soll auch eine neu entwickelte App helfen.

Hermann Parzinger (Foto: dpa)

Hermann Parzinger

Bereits im Vorfeld der Konferenz hatte der Präsident der Preußischen Kulturstiftung,

Hermann Parzinger, gegenüber der DW

die Notwendigkeit betont, die internationalen Hilfsmaßnahmen zu bündeln. Auf

Berichte über russische Alleingänge auf dem Ruinenfeld im syrischen Palmyra

hatte Parzinger mit dem Satz reagiert: "Niemand sollte eine Führungsrolle übernehmen."

"Eine Menge Propaganda"

Amr Al Azam, Historiker von der Shawnee State University in Ohio, berichtete in Übereinstimmung mit anderen Konferenzteilnehmern, dass Russlands Rolle in Palmyra kein Hauptthema der Konferenz war. "Russland macht eine Menge Propaganda daraus", räumte Amr Al Azam gegenüber der Deutschen Welle ein. Aus seiner Sicht ist die militärische Situation um Palmyra allerdings alles andere als geklärt. Sie sei "unsicher und instabil". Derzeit habe der "Islamische Staat" eine Gegenoffensive gestartet.

Al Azam bestätigte Berichte, dass ein russisches Militärlager mitten in Palmyra weitere Schäden an den archäologischen Kostbarkeiten verursache und fügte hinzu: "Doch das kümmert die Russen nicht."

"Wichtige Rolle" Deutschlands

UNESCO-Präsidenten Irina Bokova nahm zu dem Streit indirekt Stellung. Um erfolgreich zu sein, müssten die weltweit besten Experten in Syrien zusammenarbeiten, sagte sie bei der Konferenz, die gemeinsam von UNESCO und Auswärtigem Amt organisiert wurde. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Kultur manipuliert oder instrumentalisiert wird", wird Bokova in einer Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes zitiert.

Palmyra (Foto: Getty)

Zwischenzeitlich unter Kontrolle des "Islamischen Staates": Palmyra

Anders als bei der ersten Syrienkonferenz im Jahre 2014 waren diesmal neben der staatlichen syrischen Antikenbehörde (DGAM) auch zahlreiche lokale Akteure eingeladen. Dies wird von vielen als ein wichtiger Fortschritt gesehen, der vor allem dem Einsatz der deutschen Bundesregierung zu verdanken ist. "Deutschland hat dabei eine wichtige Rolle gespielt", bestätigt Al Azam. In den gut 30 Prozent des Landes, das Assad kontrolliert, kümmern sich die Archäologen des DGAM um die gefährdeten Kulturstätten, so der Professor aus Ohio.

Kurswechsel der UNESCO

Mehr als 70 Prozent seien aber in den Händen von Rebellen oder des "Islamischen Staates". Hier ist die Arbeit lokaler Gruppen unverzichtbar. "Sie bekommen aber bisher kaum Unterstützung und Anerkennung für ihre Arbeit", so Al Azam. Die UNESCO habe auf der Berliner Konferenz einen Richtungswechsel vollzogen. "Doch sie hat erst begonnen, die lokalen Akteure und ihre Arbeit anzuerkennen." Al Azam fordert gemeinsam mit anderen Konferenzteilnehmern, die lokalen Gruppen besser auszubilden, sie technisch und finanziell zu unterstützen. Teilweise fehlt das Geld, Sandsäcke zu beschaffen, die für den Schutz von wertvollem archäologischen Kulturgut genutzt werden.

Al Azam und Masoud, sind sich einig, dass die Berliner Konferenz hilfereich war. "Ein sehr guter Beginn, wir müssen unbedingt weiterarbeiten", so Masoud. In welchem Ausmaß die Ergebnisse in die Fortschreibung des UNESCO-Aktionsplans für Syrien einfließen, wird die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall müsse der UNESCO-Aktionsplan "sehr flexibel sein, sich weiterentwickeln und an die aktuelle Situation anpassen", so Al Azam. Denn bei allem Enthusiasmus dürfe man nicht vergessen: "In Syrien wird weiter Krieg geführt."

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