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Politik

Hoffnung für Geiseln im Jemen?

Widersprüchliche Informationen über das Schicksal der entführten Deutschen und Briten: Al-Arabija und ein Stammesvertreter sprechen von der bevorstehenden Freilassung der Geiseln, andere dementieren dies.

Jemenitische Sicherheitskräfte tragen die Leichen der drei ermordeten Ausländer aus einem Hubschrauber (Foto: AP)

Jemenitische Sicherheitskräfte tragen die Leichen der drei bereits ermordeten Ausländer aus einem Hubschrauber

Ausgelöst hatte das Verwirrspiel der arabische Fernsehsender Al-Arabija. Er berichtete am Montag (22.06.2009), dass die im Norden des Jemen verschleppte fünfköpfige deutsche Familie und der mit ihr entführte Brite noch am Leben und in der Provinz Saada den schiitischen Houthi-Rebellen übergeben worden seien. Diese würden kurz davor stehen, die Geiseln freizulassen.

Doch die Houthi-Rebellen bestritten kurz darauf, dass ihnen die Geiseln übergeben worden seien. Salih Habra, der Sprecher der Bewegung, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Rebellen hätten keinerlei Informationen über das Schicksal der Geiseln. Sie hätten nur "einige Erkenntnisse" über die Identität der Geiselnehmer. Kurz zuvor hatten in der Stadt Saada Berichte über angebliche Lösegeldverhandlungen die Runde gemacht.

Keine Bestätigung durch Bundesregierung

Ein jemenitischer Stammesvertreter wiederum bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP tendenziell die Version von Al-Arabija. Die sechs Geiseln befänden sich in der Gegend von Rusmat in der nordjemenitischen Provinz Saada. Sie seien dem schiitischen Rebellenführer Abdallah el Risani übergeben worden. Zu den Entführern gehörten zwei Männer, deren Namen mit Mohsen el Tam und Fauas Morki angegeben würden, so der Stammesvertreter weiter.

Auch Mohammed Al-Erjani, der jemenitische Botschafter in Deutschland, äußerte sich zuversichtlich, dass die Entführung bald zu Ende sein werde. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Entführer die deutsche Familie und den britischen Ingenieur nicht getötet hätten und es noch in dieser Woche eine Lösung geben werde.

Der Diplomat betonte weiter, die jemenitische Regierung kenne
inzwischen einige Entführer und habe deshalb über Mittelsmänner
Kontakt aufnehmen können. Er deutete an, die in der Region Saada dominierenden Houthi-Rebellen wüssten, wer die Europäer in der Gewalt habe. Mit der Al-Kaida habe die Geiselnahme nichts zu tun. Al-Erjani äußerte sich gegenüber dem "Tagesspiegel" in Berlin.

Die Bundesregierung konnte oder wollte diese Berichte und Informationen bislang nicht bestätigen. Der Vize-Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke, sagte, er könne nur sagen, dass es sich hier um Gerüchte handele, die dem Krisenstab auch bekannt seien. Wie Peschke weiter mitteilte, wurden die Leichen der beiden ebenfalls entführten und später getöteten deutschen Frauen inzwischen nach Deutschland übergeführt. Zu Berichten über die möglichen Hintergründe der Entführung wollte er sich nicht äußern.

Ermordung wegen Missionarsarbeit?

Anita G. und Rita S. (Foto: AP)

Anita G. (r.) und Rita S. sowie eine Südkoreanerin wurden von den Entführern ermordet

Die aus Sachsen stammende Familie, der britische Ingenieur, zwei junge deutsche Pflegehelferinnen und eine südkoreanische Lehrerin waren vor zehn Tagen entführt worden. Die beiden Helferinnen und die Südkoreanerin wurden vor einer Woche in der Region von Noschur in der Provinz Saada tot aufgefunden. Zu der Gewalttat hat sich bislang niemand bekannt.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte am Wochenende berichtet, die Entführung der Deutschen könne mit einer möglichen Tätigkeit der Opfer als christliche Missionare zusammenhängen. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes gehe davon aus, dass die Deutschen vor Ort auch als Missionare bekannt gewesen seien. So soll es vor wenigen Monaten einen heftigen Streit gegeben haben, bei der Muslime den verschleppten Familienvater bedroht und ihn zum Stopp seiner Missionierungsversuche aufgefordert hätten. Der Mann soll den Vorfall in einem Rundbrief an Freunde in Deutschland geschildert haben.

In der Region Saada bekämpfen sich seit 2004 schiitische Aufständische und Regierungstruppen. Tausende Menschen wurden bislang in dem Konflikt getötet. (sti/je/dpa/afp)

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