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Bücher

Hoffnung aufs China-Geschäft

Wo finden Verleger Zugang zu einem Markt mit einem Potenzial von mehr als einer Milliarde Lesern? Die Buchmesse in Peking profitiert von der Hoffnung der internationalen Verlage auf das große Geschäft.

Besucher der Herbst-Buchmesse in Peking 2007(Foto: dpa)

Dass China zur wichtigsten Wirtschaftsmacht der Welt aufsteigen wird, daran gibt es kaum Zweifel. In wenigen anderen Wirtschaftszweigen aber hat das Reich der Mitte so viel Nachholbedarf wie im Verlagswesen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua wurden 2008 gerade einmal 150 Millionen US-Dollar mit importierten und übersetzten Büchern umgesetzt. Da ist viel Luft nach oben, vor allem bei Büchern für den akademischen Bereich, Technik und Naturwissenschaften. Weshalb die alljährliche Buchmesse in Peking, die in diesem Jahr (30.08. bis 03.09.2010) zum 17. Mal stattfinden wird, vor allem für Verlage aus Europa und Nordamerika mittlerweile zum Pflichttermin geworden ist, auch wenn sich die aktuellen Geschäfte zumeist in engen Grenzen halten.

Warten zu können ist gefragt

Besucherinnen am deutschen Stand auf der internationalen Pekinger Buchmesse 2007 (Foto: dpa)

2007 war Deutschland Gastland auf der Pekinger Buchmesse ...

Abwarten, Tee trinken und hoffen auf den großen Durchbruch – das scheint die Devise zu sein. Dadurch ist Peking, mit mehr als 1700 Ausstellern aus 50 Ländern, mittlerweile zu einer der größten Buchmessen der Welt geworden: Seit 2004 hat sich die Zahl der Aussteller beinahe verdoppelt.

Das größte Hindernis für die Geschäfte internationaler Verlage in China stellt allerdings weiterhin die eiserne Faust des Regimes dar. Sämtliche Buchverlage stehen unter der Kontrolle der "General Administration of Press and Publications", die auch die internationalen Geschäftsbeziehungen beaufsichtigt und die ISBN-Nummern vergibt. Sämtliche offiziell zugelassenen chinesischen Verlage befinden sich in staatlichem Besitz, die zwar zu Marktorientierung angehalten werden, aber trotzdem nicht gefeit sind vor Übergriffen der Zensur. Bücher, die unter den Rubriken Belletristik, Geistes- und Sozialwissenschaften segeln, werden besonders kritisch betrachtet.

Private Verlage existieren in China zwar in großer Zahl – neueste Schätzungen gehen von 10.000 Unternehmen aus – allerdings dürfen sie nur in Zusammenarbeit mit den gerade einmal 579 staatlichen Verlagen auf staatlicher Ebene und in den Provinzen agieren: Nur diese erhalten ISBN-Nummern, die dann an die Privaten weitergereicht werden. Für die Entwicklung des chinesischen Verlagswesens sind die privaten Verlage von größter Bedeutung: Sie bedienen mit chinesischen und internationalen Blockbustern den Massenmarkt und tragen wesentlich zur Verankerung einer Lesekultur im Land bei.

Übersetzungen auf der Einbahnstraße

Vorführung einer Gutenberg-Presse bei der Pekinger Buchmesse 2007 (Foto: dpa)

... und weckte reges Interesse bei den Besuchern.

Für die Buchmesse in Peking gehen von diesen Entwicklungen ausnahmslos positive Signale aus. Allerdings betrachtet die Regierung mit Argwohn das enorme Defizit beim Handel mit Übersetzungen: Dem kräftigen Einkauf chinesischer Verlage steht nur geringes Interesse internationaler Verlage an chinesischen Titeln gegenüber. Deutschland ist dafür ein treffendes Beispiel: Seit Jahren gehört China zu den Top-Ten beim Einkauf deutscher Übersetzungen; zwischen 400 und 600 Titel aus deutscher Produktion finden pro Jahr ihren Weg nach China. Umgekehrt zeigen sich deutsche Verlage zurückhaltend: 2008 wurden gerade einmal 28 Titel aus dem Chinesischen ins Deutsche übersetzt. Im Jahr 2009 hat der Gastlandauftritt Chinas bei der Frankfurter Buchmesse hier zwar eine Steigerung herbeigeführt, in den Verlagsprogrammen 2010 ist allerdings wieder Ebbe zu verzeichnen.

China will diesen Zustand durch intensive Bemühungen um Sprachvermittlung und Übersetzungsförderung verbessern. Der Erfolg aber wird wohl noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Autor: Holger Ehling
Redaktion: Gabriela Schaaf

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