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Kultur

Hoffnung auf Rettung sinkt ständig

Zwei Tage nach dem schweren Beben im Iran suchen Helfer weiter nach Überlebenden. Erste Hilfslieferungen sind in der Region eingetroffen, doch viele Menschen sind mit der Betreuung durch die Behörden unzufrieden.

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Helfer und ihre Suchhunde brechen nach Bam auf

Rettungskräfte aus aller Welt haben am Sonntag (28.12.2003) im Iran die Suche nach weiteren Überlebenden des verheerenden Erdbebens fortgesetzt. Nach dem Beben im Südosten des Landes sinkt die Hoffnung, in den Trümmern noch Überlebende zu finden. Der Gouverneur der Provinz Kerman korrigierte unterdessen in der Nacht zum Sonntag die Opferzahlen nach unten. "Wir gehen davon aus, dass das Beben in Bam 5000 bis 10.000 Menschenleben gefordert hat", sagte Mohammad-Ali Karimi laut Agenturangaben. Der iranische Präsident Mohammed Chatami will die Krisenregion in den nächsten Tagen besuchen. Er bezeichnete das Beben als "nationale Tragödie".

Opferzahlen sind noch unklar

Zuvor hatte das Innenministerium von 20.000 Toten und 30.000 Verletzten gesprochen. Je nach Stand der Bergungsarbeiten will das Ministerium möglicherweise am Sonntag oder Montag Opferzahlen veröffentlichen. Bei dem Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala war am Freitagmorgen (26.12.2003) die Stadt Bam an der Seidenstraße, die rund 100.000 Einwohner hatte, fast völlig zerstört worden.

Am Sonntag waren in Bam unter anderem Helfer aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Russland, Finnland, Aserbaidschan und der Türkei im Einsatz. Mehrere Teams setzten Spürhunde ein. Die meisten Bewohner von Bam verbrachten die Nacht zum Sonntag in Zelten, nachdem sie in der Nacht zuvor noch bei eisigen Temperaturen im Freien geschlafen hatten.

"Hoffnung und Beistand geben"

In einem Wettlauf mit der Zeit suchen Helfer und Angehörige teilweise mit bloßen Händen nach Verschütteten. Bei eisiger Kälte in 1000 Metern Höhe schwinden die Chancen jedoch zusehends. Noch geben die Retter aber nicht auf, wie der Sprecher des deutschen Technischen Hilfswerks (THW), Nicolas Hefner, betonte. "Es geht auch darum, den Menschen Hoffnung zu geben und Beistand zu leisten", sagte Hefner. In der Regel können bis zu 72 Stunden nach einem Erdbeben noch Überlebende geborgen werden - also theoretisch bis Montagmorgen.

Obwohl die Koordination zwischen den Rettungskräften sich am Samstag im Vergleich zum Vortag erheblich verbessert habe, werde den Verschütteten kaum noch zu helfen sein, berichtete das staatliche iranische Fernsehen IRIB. Der Sender kritisierte für Beobachter überraschend deutlich das Krisenmanagement der Behörden. Die Menschen in Bam waren bis Samstag mit der Betreuung höchst unzufrieden.

Längerfristige Hilfe ist nötig

Benötigt werden vor allem Zelte, Decken, Stromgeneratoren und Heizgeräte. Auf dem kleinen Flugplatz von Bam trafen zahlreiche Flugzeuge mit Hilfsgütern aus vielen Ländern ein. Über 10.000 Verletzte wurden mit 500 Inlandsflügen zur ärztlichen Versorgung in die Städte Teheran, Shiraz, Mashad and Bandar Abbas gebracht.

Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften brachte auf Bitten Irans 20.000 Zelte, 200.000 Decken, 30 Stromgeneratoren und 20.000 Kerosin-Heizgeräte auf den Weg ins Erdbebengebiet. Nach einer ersten Begutachtung der Schäden geht die Föderation davon aus, dass längerfristige Hilfe notwendig sein wird. Die Gesamtkosten seien noch nicht abzuschätzen, hieß es in Genf. Die Europäische Union stockte ihre Soforthilfe am Samstag von 800.000 auf 2,3 Millionen Euro auf.

US-Hilfe ja, aus Israel nicht

Irans Präsident Chatami hatte, anders als bei früheren Beben, rasch internationalen Beistand akzeptiert und außerdem die Visa-Bestimmungen erleichtert. Er deutete sogar an, dass er die von den USA angebotene Hilfe akzeptieren könnte. Am Sonntag sollen bereits zwei US-Hilfstransporte in der Krisenregion eingetroffen sein. Nicht annehmen werde der Iran jedoch Unterstützung aus Israel, betonte Chatami. (kap)

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