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Asien

Hoffnung auf Rückkehr

In Birma haben Regierung und Vertreter der Karen-Rebellen einen Waffenstillstand vereinbart – nach mehr als 60 Jahre Bürgerkrieg. Viele Flüchtlinge in Thailand hoffen auf Rückkehr. Doch wie sicher ist ihr Heimatland?

Drei Minister Birmas stoßen mit dem Verhandlungsvertreter der Karen auf den Waffenstillstand an (Foto: DPAD)

Den Waffenstillstand feiern der Verhandlungsvertreter der Karen (2.v.li.) und drei Minister Birmas

Wenn Moon Lay – die eigentlich ganz anders heißt – aus ihrer kargen Hütte tritt, kann sie am Horizont ihre Heimat sehen: Die Berge der Kayin-Provinz, schön und erhaben. Dort liegt ihr Dorf, abgebrannt und ausgestorben. Als nach den umstrittenen Wahlen 2010 in Birma Kämpfe zwischen Militär und Rebellentruppen ausbrachen, gerieten die Einwohner zwischen die Fronten. Moon Lay flüchtet zur Grenze. "Ich bin gerannt, so schnell ich konnte, meine Töchter auf dem Arm. Alle sind gerannt. Direkt hinter uns hörten wir die Schüsse. Ich hatte große Angst", erzählt sie und weint.

Auch Pah Dah hat der Krieg nach Thailand getrieben, auch er will seinen richtigen Namen nicht nennen. Soldaten hatten sein Heimatdorf besetzt, die Bewohner zur Zwangsarbeit verpflichtet. Mit 16 verließ er seine Eltern, marschierte drei Tage durch den Dschungel. In einem Fluss wäre er fast ertrunken. "Ich vermisse meine Familie", erzählt er. "Ich will zurück. Aber das ist im Moment nicht möglich."

Eine Familie sitzt in einer hölzernen Behelfsunterkunft eines Flüchtlingslagers in Thailand (Foto: AP)

Aus Birma geflohene Karen haben in einem Flüchtlingslager in Thailand eine Unterkunft gefunden

Ein Leben lang Krieg

Seit mehr als 60 Jahren beherrscht Bürgerkrieg das Leben in der Kayin-Provinz im Osten Birmas, dem heutigen Myanmar. Das Militär kämpft gegen die ethnischen Karen-Rebellen. Die wiederum kämpfen für die Unabhängigkeit ihres Volkes. Die Mitarbeiter der Hilfsorganisation Free Burma Rangers dokumentieren seit Jahren Menschenrechtsverletzungen in den Kriegsgebieten: Vergewaltigung, Zwangsarbeit und Mord gehörten zum Alltag. Dorfbewohner würden sogar als menschliche Minenräumer eingesetzt, sagt eine Sprecherin.

Jetzt soll in das tief zerrissene Birma aber Frieden einkehren: Rebellen und Armee wollen die Waffen niederlegen, so haben sie es Mitte Januar beschlossen. Die Feinheiten des Abkommens sind zwar noch unklar – aus Sicht der internationalen Gemeinschaft ist aber ein wichtiger Schritt getan.

Die Konflikte mit den ethnischen Minderheiten zu beenden, ist eine Voraussetzung dafür, dass der Westen seine Sanktionen lockert. Das hatten einige der diplomatischen Besucher in jüngster Zeit – von US-Außenministerin Hillary Clinton bis zu ihrem britischen Kollegen William Hague – klar gemacht.

Hoffnung auf Rückkehr

Boote mit Menschen und Waren auf einem Grenzfluss zwischen Birma und Thailand (Foto: DW)

Illegaler Grenzverkehr zwischen Thailand und Birma

Pah Dah und Moon Lay macht es Hoffnung. Sie leben jetzt in der Nähe der thailändischen Grenzstadt Mae Sot. Hier sind etwa 80 Prozent der Einwohner Birmanen. Geschätzt leben heute mehr als eine Million birmanische Flüchtlinge in Thailand – teils in Camps, teils illegal.

"Thailand will, dass die Flüchtlinge heimkehren. Die Flüchtlinge wollen das ja auch", so Duncan McArthur vom Thailändisch-Birmanischen Grenzkonsortium. Das mögliche Friedensabkommen macht Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kämpfe. Der Grenzübergang über den Moei Fluss ist seit Anfang Dezember wieder geöffnet. McArthur will aber nichts überstürzt sehen: "Sonst kommen die Leute illegal wieder zurück. Für eine Massen-Rückführung sind wir noch nicht bereit. Das braucht Zeit."

Trügerischer Frieden

Bewaffnete Soldaten steigen von einem Armeelastwagen (Foto: AP)

Die Flüchtlinge fürchten immer noch die Präsenz des Militärs

Und dass ein Friedensvertrag keine Garantie für Sicherheit ist, zeigte sich erst vergangenes Jahr in der Kachin-Provinz im Norden des Landes: Ein langjähriges Friedensabkommen wurde gebrochen. Seitdem liefern sich beide Seiten wieder brutale Kämpfe.

"Die Armee macht eben immer noch ihr eigenes Ding. Sie ist dezentral organisiert: Die Offiziere in den Kampfgebieten kriegen zwar Anordnungen von oben – können diese aber in ihrer eigenen Geschwindigkeit umsetzen", sagt die Sprecherin der Free Burma Rangers.

Nach Jahrzehnten voller Krieg und Misshandlung bleiben auch bei vielen Karen Zweifel, erzählt Pah Dah: "Es gibt diese Friedensgespräche, aber ich glaube, dabei geht es nicht um echten Frieden. Es sind eben sehr viele Truppen in unserer Provinz stationiert. Viele Einwohner können noch immer nicht in ihre Dörfer zurückkehren."

Erst muss aufgeräumt werden

Ein Mann sitzt auf dem Boden, er hat bei einer Landminen-Explosion ein Bein verloren (Foto: DW)

Landminen - hier ein Opfer einer Explosion - erschweren eine Rückkehr

Vor drei Jahren hat Pah Dah seine Familie zuletzt gesehen. Die Straße zu seinem Heimatort ist inzwischen nicht mehr begehbar, sagt er, zu viele Landminen lägen dort. Weite Teile der Kayin-Provinz sind mit den Sprengsätzen übersäht. Regierungstruppen und Rebellen haben sie in Kriegszeiten gleichermaßen eingesetzt. In der Mae Tao Clinic in Mae Sot können sich Landminen-Opfer kostenlos behandeln lassen. Die Liste ist lang; das Leben in Birma gefährlich – und das wäre es im Moment auch ohne Krieg.

"Unser Dorf ist noch nicht sicher. Deshalb traue ich mich im Moment nicht, dorthin zurück zu gehen. Und es gibt ja auch nichts mehr dort", sagt Moon Lay. Bis sie mit ihrer Familie in die Heimat zurückkehren kann, ist es noch ein weiter Weg.

Autorin: Monika Griebeler, Mae Sot

Redaktion: Ana Lehmann