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Afrika

Hoffnung auf Frieden in Darfur

Die aktivste Rebellengruppe in der sudanesischen Krisen-Provinz hat eine Absichtserklärung unterzeichnet, mit dem Ziel von Friedensverhandlungen. Experten rechnen nicht mit einem schnellen Durchbruch.

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Der Führer der Jem, Khalil Ibrahim (Mitte) bei Friedensgesprächen in Doha

Die "Bewegung für Freiheit und Gerechtigkeit“ - Jem - hat sich nach einer einwöchigen Verhandlungswoche mit der Regierung zunächst auf einen Gefangenenaustausch geeinigt. Das sei eine Geste des guten Willens, erklärte Verhandlungschef der Rebellen, Al Tahir al-Faki. Das nächste Ziel seien jetzt Verhandlungen, die zu einem Ende des sechsjährigen Bürgerkrieges führen. Die Gespräche unter Vermittlung von UNO und Arabischer Liga finden in Doha statt - und sie sollen auch weitere Rebellengruppen am Verhandlungsprozess beteiligen.

Skepsis überwiegt bei Fachleuten

Anette Weber

Annette Weber von der SWP

"Der große Durchbruch ist das aber noch nicht“, erklärt die Sudan-Expertin Annette Weber von der Stiftung Wissenschaft und Politik im Interview mit der Deutschen Welle. "Beide Seiten rüsten gleichzeitig zu den Verhandlungen vor Ort in Darfur auf. Es ist auch nicht klar, ob beide Seiten ein wirkliches Interesse daran haben, den Konflikt zu beenden.“

In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass der Internationale Strafgerichtshof bald entscheiden will, einen Haftbefehl gegen den Präsidenten des Sudan Hassan al-Bashir auszustellen. Das hat offenbar die Regierung des Sudan in Zugzwang und beide Seiten an den Verhandlungstisch gebracht. Die Rebellen nutzen den internationalen Druck und fordern die Führung der Regierung des Darfur in Kordofan. Die Regierung ihrerseits will ihre Friedensbereitschaft dokumentieren und so den Haftbefehl verhindern.

Rebellengruppen geht es um eigene Machtansprüche

Sudan ausgegrabene Schädel aus Massengrab

Etwa 300.000 Menschen sollen in Darfur getötet worden sein

Annette Weber glaubt aber nicht daran, dass der Darfur jetzt bald zur Ruhe kommt: "Denn beide Seiten profitieren noch zu sehr vom Konflikt. Und andere Rebellengruppen sind noch nicht verhandlungsbereit.“ Sollte es zu einem Friedensschluß der Jem mit der Regierung kommen, werden sich vermutlich viele Splittergruppen unter den Rebellen bilden. Denn keiner der Rebellengruppen geht es um den Darfur - sondern um eigene Machtbeteiligung, erklären Sudanexperten und Menschenrechtler. Die Gesellschaft für bedrohte Völker kommentiert die Absichtserklärung denn auch kritisch: „In Darfur deutet nichts daraufhin, dass sich die Konfliktparteien um einen Frieden bemühen.“

Nach UN-Angaben sind in den vergangenen Jahren bei Kämpfen zwischen Armee, Rebellen und regierungstreuen Milizen etwa 300.000 Menschen in Darfur getötet worden. Mehr als 2,5 Millionen sind geflohen.