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Aktuell Europa

Hoffnung auf Frieden für die Kurden

Die PKK hat die von Abdullah Öcalan am kurdischen Neujahrsfest ausgerufene Waffenruhe bestätigt. Und in Bonn nutzten zehntausende Kurden "Newroz", um die Forderung nach mehr Selbstbestimmung in der Türkei zu bekräftigen.

Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat offiziell die Waffenruhe bestätigt, zu der der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan aufgerufen hatte. "Wir rufen offiziell und eindeutig die Waffenruhe aus, die am 21. März in Kraft getreten ist", sagte der militärische Oberbefehlshaber der PKK, Murat Karayilan, in einer von der pro-kurdischen Nachrichtenagentur Firat News verbreiteten Videobotschaft.

"Die Guerillakämpfer eines freien Kurdistan werden keine militärische Aktion starten", sagte Karayilan weiter. "Aber wenn unsere Streitkräfte angegriffen werden, werden sie sich selbstverständlich verteidigen." Ein Rückzug der PKK-Verbände von türkischem Gebiet, zu dem Öcalan ebenfalls aufgerufen hatte, könne aber erst erfolgen, wenn von türkischer Seite die Voraussetzungen dafür geschaffen würden.

PKK-Oberbefehlshaber Murat Karayilan (Foto: Getty Images/AFP)

PKK-Oberbefehlshaber Murat Karayilan

Jahrzehntelanger Konflikt

"Wenn der türkische Staat, Regierung und Parlament ihrer Verantwortung gerecht werden und die für einen Rückzug nötigen Maßnahmen treffen, wenn sie die nötigen Ausschüsse und Institutionen schaffen, wenn sie die Grundlagen für einen solchen Rückzug legen, dann werden auch wir dies erfüllen", sagte der PKK-Kommandeur. Vorerst werde seine Organisation abwarten, dass dies geschehe.

Der seit 1999 auf der Insel Imrali inhaftierte Öcalan hatte am Donnerstag die Waffenruhe ausgerufen. In den Monaten zuvor hatten er und die türkischen Behörden Vorverhandlungen über eine Beendigung des jahrzehntelangen Konfliktes geführt. Seit Beginn des Kurdenkonfliktes 1984 hatte Öcalan bereits mehrfach eine einseitige Waffenruhe ausgerufen - in keinem Fall führte dies zu einem Ende der Kämpfe, in deren Verlauf mehr als 45.000 Menschen starben.

Kurden-Treffen in Bonn

Forderungen nach einer Freilassung Öcalans erhoben die Teilnehmer eines deutschlandweiten Kurden-Treffens in Bonn. Außerdem appellierten sie an die türkische Regierung, den Kurden in der Türkei das Recht auf ihre eigene Sprache sowie das Recht auf Ausübung der eigenen Kultur zuzugestehen. Verlangt wurde zudem eine kurdische Selbstverwaltung.

Anlass des Treffens von mehr als 20.000 Menschen war das kurdische Neujahrsfest "Newroz". In zwei Demonstrationszügen zogen die Kurden in den Bonner Stadtteil Beuel, wo ein "Fest des Friedens, der Freiheit und der Völkerverständigung" stattfand. Die Teilnehmer feierten nach Angaben der Polizei friedlich und stimmungsvoll. Die Demonstranten hielten Fahnen in den kurdischen Farben gelb, grün und rot hoch, sangen und tanzten.

Newroz-Fest Weltkulturerbe

In der Türkei war das traditionelle Fest jahrzehntelang verboten. "Newroz" hat für die Kurden eine große Bedeutung als Symbol gegen die Unterdrückung und für den Frieden. Mit dem altpersischen Frühlingsfest "Newroz" beginnt am 21. März für viele Menschen auf dem Balkan, in der Schwarzmeerregion, im Kaukasus, in Zentralasien und im Nahen Osten das neue Jahr.

Das über 3.000 Jahre alte Fest gehört seit 2009 auch zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Anfänge des Festes liegen in vorislamischer und vorchristlicher Zeit. Das Frühlingsfest soll friedfertiger Ausdruck gemeinsamer kultureller Identität der Völker der Region sein. Traditionell erinnern dann Feuer an den Sieg des Lichts über die Dunkelheit.

Im 20. Jahrhundert wurde das Fest für die in der Türkei, Syrien, Armenien, Iran und Irak lebenden Kurden zur Manifestation ihrer nationalen Identität. Aus den Frühlingsfeiern wurden zunehmend Demonstrationen für mehr kulturelle und politische Eigenständigkeit in den Kurdengebieten.

sti/det (afp, epd)

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